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Ein Leben lang genug Reis

Wenn das Essen nicht reicht

Ist es normal, eine Mahlzeit am Tag auslassen zu müssen? Weil die Handvoll Reis erbettelt und Spinatblätter am verstaubten Wegesrand gepflückt werden müssen - und selbst das am Ende nicht reicht. Oder die Mahlzeiten so einseitig sind, dass sie zu Mangelerscheinungen und Krankheit führen. Normal ist das nicht, aber für viele Menschen noch immer Normalität.

Strukturelle Armut

Studien der Welternährungsorganisation zeigen, dass in Bangladesch schon vor der Corona-Pandemie 23 Millionen Menschen unterernährt waren. Das sind 23 Millionen individuelle Geschichten von Frauen, Männern, Kindern in unerträglichen Situationen. Die meisten dieser Menschen leben im Nordwesten des Landes. Wir wissen: Niemand auf der Welt muss hungern, da genug Lebensmittel produziert werden können. Warum also ist die Situation in Bangladesch so, wie sie ist?

Wir arbeiten mit Menschen, die von struktureller Armut betroffen sind. Korruption, Machtmissbrauch und Ungleichverteilung halten diese Menschen gefangen. Sozial- oder Entwicklungsprogramme, die es in Bangladesch gibt, erreichen sie nicht oder schließen sie aus. Die Menschen haben keine Fürsprecher*innen, Unterstützer*innen und meist nicht einmal einfache Informationen zu ihren eigenen Rechten. Wie sollen sie sich aus der Armut befreien?

Wie arbeitet NETZ?

Wie können Familien aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen? Wie können gleichzeitig der akute Hunger und die Entrechtung bewältigt werden? In unserer Arbeit mit den Ärmsten haben wir ein Modell entwickelt, wie das zu schaffen ist. Indem unsere Partnerorganisationen immer drei Dinge parallel machen: Wissen vermitteln, die ökonomische Situation verbessern und Solidaritätsstrukturen aufbauen.

Am Anfang eines Projekts steht der Austausch miteinander. Die Frauen, die an den Projekten mit ihren Familien teilnehmen, besprechen ihre Fähigkeiten und Probleme, tauschen Kenntnisse aus und finden ihre gemeinsamen Interessen. Sie besprechen, was es heißt, Startkapital aus dem Projekt zu bekommen. Wie sie damit umgehen können, was das für sie ganz praktisch aber auch perspektivisch heißt. Das ist wichtig, da sonst die Gefahr droht, überfordert zu sein mit den neuen Möglichkeiten.

Die Frauen entscheiden also selbst, ob ihre Einkommensquelle ein Gemüsegarten, eine kleine Viehzucht, Eierverkauf oder Kleingeschäfte wie ein Teeladen oder eine Korbflechterei sein soll. Das Startkapital der Familien wird von NETZ finanziert. Ihr wirtschaftlicher Erfolg, den beinahe alle nach einiger Zeit vorweisen können, heißt konkret: die Familien versorgen sich selbst, handeln kooperativ und beleben handwerkliche Traditionen wieder.

Als Familie gestärkt, übernehmen die Projektteilnehmerinnen gesellschaftliche Verantwortung und bilden eine selbstbewusste Zivilgesellschaft in entlegenen Regionen – also dort, wo Frauen, Kinder und indigene Gruppen of unterdrückt werden. Das geht, indem sich die Frauen vor Ort zu Gruppen zusammenschließen. Das ist ein wichtiger Aspekt jedes Projekts, denn dadurch werden langfristige Strukturen geschaffen. Auf diese Weise beraten sich die Frauen, helfen sich gegenseitig und sind Ansprechpartnerinnen für andere benachteiligte Menschen. Die Gruppen sind Ausdruck von Gemeinschaft und Inklusion, bieten aber auch ganz praktisch Raum für Treffen, gemeinsame Trainings oder Kurse zu wichtigen Themen wie Gesundheitsvorsorge, Lebensmittellagerung und Sozialleistungen.

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bekommt eine Familie das Produktivkapital, um sich dauerhaft klimaresistentes Einkommen zu erwirtschaften.

Was die Frauen und Familien 2019 erreicht haben

    • 30.507 Frauen haben selbstständig Einkommen erwirtschaftet und sich in 1.567 Dorfgruppen organisiert
    • 112.950 Menschen haben dadurch ihre Ernährung verbessert
    • 3.600 Frauen sind zuletzt neu in das Projekt eingetreten
    • 13.843 Frauen haben an Schulungen in Landwirtschaft, Finanzen, Frauenrechten sowie Katastrophenschutz teilgenommen und wenden das neue Wissen an
    • 6.549 Familien erhielten erstmals Startkapital 
    • In 18.530 Fällen haben Dorfgruppen erwirkt, dass Menschen Sozialleistungen erhalten, die ihnen zustehen
Insgesamt 64.425 Familien

haben sich durch NETZ-Projekte neue Existenzen aufgebaut

249.759 Menschen

haben dadurch Armut und Hunger überwunden

85 Prozent

der Menschen haben ihre Lebenssituation nachhaltig gefestigt

Erfahren Sie mehr
über Ernährungssicherung und unseren Ansatz

  • Geld.jpg
    Warum vergibt NETZ keine Mikrokredite?

    Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre hat sich das Mikrofinanzsystem in Bangladesch und Indien etabliert und galt damals als kleine Revolution: Menschen bekamen erstmals die Möglichkeit, sich von Entwicklungsorganisationen kurzfristig Geld zu leihen, ohne bei den oft dubiosen lokalen Mittelsmännern mit Zinsraten bis zu 250 Prozent in Abhängigkeit zu geraten. Seitdem sind Mikrokredite für viele Organisationen zum festen und sogar Haupt-Bestandteil ihres Geschäfts geworden.

    Doch auch bei diesen muss die Arbeit Gewinn abwerfen, um die Existenz zu sichern. Demzufolge werden Mikrokredite vornehmlich an Menschen vergeben, die zumindest im geringen Maße rückzahlungsfähig sind. So bleibt das Risiko geringer. Ein großes Problem dabei: Nicht immer können die Betroffenen ihre Mikrokredite produktiv einsetzen. Sie nutzen sie stattdessen für Essen und den Lebensunterhalt – und brauchen das Geld somit kurzfristig auf. Die Folge: Sie müssen immer neues Geld leihen und werden in die Verschuldung getrieben. Menschen, die bereits in extremer Armut leben und weder Besitz noch Einkommen haben, sind dagegen von vornherein nicht in der Lage Zinsbeträge zurückzuzahlen, egal wie gering diese sind. Sie gelten daher als nicht-kreditwürdig und bekommen gar nicht erst die Chance auf den Schnellkredit der Organisationen.

    Für NETZ und seine lokalen Partner steht die Zusammenarbeit mit genau diesen Menschen im Fokus: alleinstehende Frauen, indigene Gemeinschaften, Menschen mit Behinderung sowie Familien, die unter chonischer Magelernährung leiden und deren durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen mit täglich weniger als 30 Eurocent weit unterhalb der internationalen Armutsgrenze liegt. Weil Rückzahlungen für die Betroffenen aufgrund ihrer Lebenssituation insbesondere zu Beginn der Zusammenarbeit nicht machbar sind, haben NETZ und Partner den Ansatz des Start-„Kapitals“ entwickelt. Das bedeutet: Die Betroffenen erhalten Produktivgüter – zumeist Tiere oder landwirtschaftliche Güter –, mit denen sie sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen können. Dafür müssen sie nichts zurückzahlen und haben somit weder Bringschuld noch Zeitdruck – sodass sie sich ganz auf die nachhaltige Entwicklung ihres Zuhauses konzentrieren können.

    Wie die Existenzgründung ohne Mikrokredite funktioniert, lesen Sie hier (englisch).

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    Warum sind nur Frauen Projektteilnehmerinnen?

    Bei der Arbeit von NETZ stehen die am meisten benachteiligten Menschen im Fokus, die selbst bei anderen Projekten zur Armutsbekämpfung durchs Raster fallen: Menschen mit Behinderung, in extremer Armut, ohne eigenes Land, ältere Menschen oder auch Indigene. Unter diesen Gruppen sind Frauen besonders vulnerabel, weil sie in der männerdominierten Gesellschaft Bangladeschs - und insbesondere in ländlichen, gesellschaftlich und religiös konservativen Gegenden - strukturell benachteiligt werden und keine Stimme haben. Auch innerhalb von Familien ist die Position vieler Frauen schwach, weil sie vom Ehemann oder der älteren Schwägerin abhängig sind, nicht über eigenes Geld verfügen und mitunter nur nach Zustimmung das Haus verlassen dürfen.

    Aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation vieler Frauen in den NETZ-Arbeitsgebieten, werden Frauen als Projektteilnehmerinnen ausgewählt. Ihnen obliegt die Verwaltung des Starkapitals und der Projektergebnisse. Das kommt allerdings ohnehin der ganzen Familie - also auch den Ehemännern - zugute. Erhebungen zeigen, dass die Ehemänner ihre Frauen unterstützten und sich in großer Mehrheit nicht benachteiligt oder in ihrer Position innerhalb der Familie ehrverletzt fühlen. Denn bis dahin hat die Familie die Lebenssituation und Herausforderungen der Armut zumeist geteilt. Darüberhinaus sind viele Frauen in NETZ-Projekten alleinstehend, weil Ehemänner sie verlassen haben oder sie verwitwet sind. In diesem Fall haben es die Frauen erheblich schwerer innerhalb der Gesellschaft und zählen dann zur wichtigsten Zielgruppe von NETZ.

    Mehr über de Auswahlprozess der Projekte lesen Sie hier (englisch).

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    Was passiert mit den Dorfgruppen nachdem ein Projekt endet?

    Kern des NETZ-Ansatzes ist die Gründung von Gruppen, in denen sich Projektteilnehmerinnen organisieren. Diese Gruppen dienen als zentrale Plattform für den Austausch, Zusammenhalt und die Weiterentwicklung der Frauen. Sie treffen sich regelmäßig, lernen beispielsweise Arbeits- und Anbaumethoden oder sparen gemeinsam Kleinbeträge und führen Buch.

    Die Gruppe sind ein Audruck der Solidarität, haben aber auch Prinzip: denn sie sind die Grundlage für eine spätere Eigenständigkeit, nachdem Projekte beendet sind. Ausgehend von Dorfgruppen entwickeln sich im Laufe der Projekte auch Zusammenschlüsse auf höheren Ebenen. Ein Beispiel: Jede Dorfgruppe aus einem Bezirk entsendet eine Vertreterin zur Gründung einer Bezirksgruppe, sogenannte Federations. Diese Vertritt dann die Interessen aller Projektteilnehmerinnen eines ganzen Bezirkes, etwa bei Gesprächen mit Regionalpolitikern. Endet ein Projekt, bleiben die Federations  bestehen und erhalten noch zeitlich begrenzt und in geringem Umfang finanzielle Unterstützung dirch NETZ - solange bis sie durch eigene Einnahmen (etwa Mitgliedsbeiträge) finanziell eigenständig sind. Um ihre wichtige Arbeit zu politisch-strukturellen Fragen und Armut in der Region weiter fortsetzen zu können, beantragen sie Lizenzen, um als eigene kleine Sozialorganisationen weiterbestehen zu können. Bislang haben sich xxx Federations nach Projektablauf unabhängig weiterentwickelt.

    Wie die Frauen eigenständig mit ihren Selbsthilfegruppen weiterarbeiten lesen Sie hier (englisch).

Unsere Prinzipien

Partnerschaft

NETZ arbeitet mit erfahrenen lokalen Partnern zusammen. Gemeinsam werden Projekte konzipiert und umgesetzt.

Partizipation

Frauen und Familien entscheiden selbst, wie sie an Projekten teilnehmen. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten kommen zum tragen.

Empowerment

Besonders benachteiligte gesellschaftliche Gruppen stehen im Fokus und werden durch die Projekte gestärkt.

Noch Fragen?

Philipp Kappestein

Hallo, ich bin Philipp Kappestein.
Haben Sie Fragen zu NETZ?
Ich helfe Ihnen gerne weiter.

Häufige Fragen zu Spenden