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„Nach der Abschlussprüfung kam die Hochzeit“

Schulbildung ist essenziell. Doch sie allein ist nicht entscheidend für die Zukunft von Kindern und Heranwachsenden in Bangladesch. Deren Situation sieht mitunter sehr unterschiedlich aus: Wohlhabende Familien schicken ihren Nachwuchs in die USA, nach Kanada und Europa zum Studium und halten gut bezahlte Jobs im Familienunternehmen bereit. Doch insbesondere in armen, abgelegenen und konservativen Regionen Bangladeschs haben Kinder und Jugendliche weniger Freiheiten – weil die Lebensrealität ihrer Familie oft enge Grenzen setzt.

Shimu Akter, Studentin an der Universität Rajshahi

„Ich habe zwei Brüder und bin die Älteste von uns Kindern. Gerade studiere ich Botanik im 8. Semester. Vor einem Jahr starb meine Mutter nach schwerer Krankheit. Unsere Familie musste zuvor sehr viel Geld ausgeben für ihre Behandlung. Mein Vater hat anschließend wieder geheiratet und mir kein Geld mehr für meine Ausbildung gegeben. Ich kam in große Schwierigkeiten. Ob ich mein Studium abschließen kann, weiß ich nicht. Mein Onkel übernimmt gerade einen Teil der Kosten. Er ist Taxifahrer. Ich möchte gerne graduieren und dann eine Stelle in der Öffentlichen Verwaltung antreten. So kann ich meinem Land etwas zurückgeben – und meine Brüder versorgen.“

Shimu Akter, Studentin an der Universität Rajshahi

„Ich habe in diesem Jahr die weiterführende Schule abgeschlossen und das Examen mit einer Eins minus bestanden. Gleich nach der Abschlussprüfung stand die Hochzeit an. Jetzt habe ich im Haus der Schwiegereltern erstmal viel zu tun. Ich würde gerne den weiteren Bildungsweg gehen und aufs College, dann könnte ich Lehrerin werden. Dazu muss ich aber erstmal meinen Mann und seine Familie davon überzeugen, mich einzuschreiben. Ob sie zustimmen werden, weiß ich nicht – keine leichte Situation für mich. Doch wenn ich es schaffe, bin ich ein Vorbild für meine kleinen Geschwister und mein Heimatdorf.“

Misty Khatun, Hausfrau aus Rangpur

Mizu Islam, Tagelöhner aus Nilphamari

Ich bin das jüngste Kind meiner Eltern. Meine Eltern, mein Bruder und meine Schwester leben alle zusammen im Haus. Mein Vater arbeitet hart. Er ist Rikschafahrer und jeden Tag unterwegs, um Waren und Leute zu transportieren. Er erwirtschaftet Geld für die Familie mit all seiner Kraft. Ich habe 2011 die Grundschule abgeschlossen und mich daraufhin für die weiterführende Schule eingeschrieben. Ich hatte große Hoffnung und meine Familie auch. Ein Jahr später musste ich die Schule wieder verlassen. Unsere Familie konnte es sich nicht dauerhaft leisten. Deswegen arbeite ich seitdem auch – als Tagelöhner – und verdiene jeden Tag vier Euro.“

Mizu Islam, Tagelöhner aus Nilphamari

Dieser Beitrag erschien in der Sonderausgabe 2017 "Lernen fürs Leben" der Bangladesch-Zeitschrift NETZ zum Projekt Jedes Kind braucht Bildung Die Zeitschrift können Sie als PDF downloaden oder als Drucksache bei uns anfordern.

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Anastasia Rau

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