Aktuelle Lage in Bangladesch Über 100.000 Menschen im Norden Bangladeschs von Überschwemmungen betroffen

Die Flüsse Teesta und Dudhkumar sind über die Gefahrenmarke gestiegen, weite Teile im Norden Bangladeschs stehen unter Wasser. Mehr als 100.000 Menschen sind betroffen, viele von ihnen mussten ihre Häuser verlassen und suchen Schutz auf Dämmen und Straßen. Auch in den Projektregionen von NETZ wurden 150 Teilnehmer*innen in Dimla, Domar und Kaharole von einer Sturzflut getroffen. Dorfgruppen verteilten 288 Kilogramm Reis aus ihren Reisbanken als Unterstützung in ihren Gemeinschaften. Katastrophenhelfer*innen standen insgesamt 55 Betroffenen bei. Während die Regionen, in denen NETZ tätig ist, bislang nur in begrenztem Ausmaß betroffen sind, ist die humanitäre Situation vielerorts weiter angespannt.
„In meinem Haus steht das Wasser hüfthoch. Ich habe mein Vieh an eine erhöhte Straße gebracht. Seit letzter Nacht leben wir in einer Hütte aus Plastikplanen. Wir kämpfen mit einer Knappheit von Nahrungsmitteln, da wir nicht kochen können“, berichtet Sirajul Islam, ein Bauer aus Lalmonirhat.
Auch in Kurigram mussten Familien fliehen. Delwar Sheikh erinnert sich: „Das Hochwasser kam am frühen Morgen. Wir flohen in Panik in die Notunterkunft. Eine Ziege und mehrere Hühner wurden mitgerissen. Wir leben nun von Trockennahrung.“
Allein in Nilphamari sind nach Angaben der lokalen Verwaltung rund 10.000 Familien von der Außenwelt abgeschnitten. Über 200 Flussinseln und Uferdörfer in mehreren Distrikten wurden überflutet. Besonders hart trifft es Menschen auf den Sandinseln inmitten der Flüsse. Dort zerstörten die Fluten Felder mit Reis und Gemüse, die Lebensgrundlage vieler Familien.
Der Grund für die Überschwemmung liegt in starken Regenfällen und den geöffneten Schleusen am Gojaldoba-Staudamm im indischen Bundesstaat Westbengalen. Die Wassermassen wälzten sich flussabwärts, ließen den Pegel der Teesta schnell ansteigen und überfluteten Felder, Häuser und Straßen.
Neben den unmittelbaren Schäden bereiten auch die möglichen Ernteverluste Sorgen. „Wenn das Wasser nicht in den nächsten Tagen zurückgeht, drohen erhebliche Verluste bei Gemüse. Reis könnte weniger Schaden davontragen, aber viele Familien werden ihre Lebensgrundlage verlieren“, warnte ein Vertreter der Landwirtschaftsbehörde.
Lokale Behörden verteilen bereits Hilfsgüter und bringen Menschen mit Booten aus besonders gefährdeten Dörfern in Sicherheit. Viele Betroffene berichten jedoch, dass sie bisher kaum Unterstützung erreicht. „Wir benötigen dringend Trinkwasser und Lebensmittel. Immer mehr Familien müssen ihre Häuser verlassen“, sagt ein Bewohner aus Khagakharibari.
Noch ist unklar, ob sich die Lage in den kommenden Tagen entspannt. Sollte der Brahmaputra ebenfalls über die Ufer treten, könnte sich die Situation noch weiter verschärfen.
Die in diesem Artikel geteilten Informationen zur Flut erschien im Englischen Original am 15. August 2025 in der Zeitung "The Daily Star".


