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Salzwasser und reproduktive Gesundheit "Lieber nehme ich die Pille als alte Lappen"

Expert*innen warnen, dass der erschwerte Zugang zu sauberem Wasser junge Frauen in den Küstengebieten Bangladeschs dazu zwingt, ihre Menstruation durch den Missbrauch von Verhütungspillen zu unterbrechen, was ihre langfristige reproduktive und psychische Gesundheit gefährden kann. Der Anstieg des Meeresspiegels und die Garnelenzucht haben den Zugang zu Süßwasser zunehmend erschwert. Dadurch sind viele Frauen gezwungen, für ihre Intimhygiene Salzwasser zu verwenden, was häufig zu Gebärmuttererkrankungen führt.

„Während meiner Periode habe ich immer alte Lappen verwendet, die ich mit schmutzigem und salzigem Wasser gewaschen habe“, berichtet ein 15-jähriges Mädchen aus dem südwestlichen Distrikt Satkhira. „Ich habe gesehen, wie meine Mutter lange Zeit an Gebärmuttererkrankungen litt. Ich möchte nicht dasselbe erleben.“ Vor fünf Monaten begann sie, von einer Nachbarin die Pille zu nehmen, um ihre Periode ganz auszusetzen und so das Problem zu vermeiden, sich mit Salzwasser waschen zu müssen. Zwei ihrer Freundinnen haben ebenfalls begonnen, ihren Menstruationszyklus zu stoppen.

Ihr Fall ist nur einer von vielen, in denen Frauen, darunter auch Minderjährige, ohne ärztlichen Rat Verhütungspillen einnehmen. Medizinische Fachleute warnen vor den schwerwiegenden langfristigen Folgen dieser Praxis. Ein weiteres großes Problem für Frauen und Mädchen in Küstengebieten ist der mangelnde Zugang zu Damenbinden. Mehr als 80 Prozent der Frauen und Mädchen im Teenageralter in Bangladesch verwenden während ihrer Periode alte Tücher, so der vorläufige Bericht der Bangladesh National Hygiene Baseline Survey. Eine Studie von 2019 zeigt, dass viele Frauen und Jugendliche in der südlichen Küstenregion ihre Menstruationstücher in Salzwasser waschen und wiederverwenden, was sie wiederholt verschiedenen gesundheitlichen Risiken wie Hautkrankheiten und reproduktiven Problemen aussetzt.

Risiko für die reproduktive Gesundheit

„Es ist nicht einfach für uns, Binden zu kaufen“, sagt eine Schülerin der 10. Klasse im Bezirk Satkhira. „Wir waschen unsere Menstruationstücher im Teich neben dem Haus oder in den umliegenden Gewässern, die sehr salzig und schmutzig sind.“ Bei einem Workshop im Unterbezirk Shyamnagar erfuhren sie von den Gesundheitsrisiken des Waschens von Menstruationstüchern in Salzwasser. Einige Mädchen berichteten, dass sie das Problem gelöst hätten, indem sie die Pille nahmen, um ihre Menstruation ganz zu unterbinden. „Nach meiner Rückkehr vom Workshop habe ich meiner Mutter die Pille gestohlen und sie genommen“, sagt eine Schülerin.

Im Rahmen der staatlichen Geburtenkontrollpolitik verteilen Gesundheitshelferinnen in ländlichen Gebieten Verhütungspillen an Frauen. In Küstengebieten wird diese Praxis zunehmend angewendet, jedoch geben viele Mitarbeiter *innen nicht offiziell zu, ob Teenager diese Pillen konsumieren. „Pillen sind in diesen Gebieten die beliebteste Methode der Empfängnisverhütung“, sagt Monira Jamila, eine Familienhelferin in Shyamnagar. „Manchmal holen Teenager-Mädchen diese Pillen für ihre Schwestern, Mütter und Tanten ab.“

Dr. Farhana Dewan, Generalsekretärin der Obstetrical and Gynecological Society of Bangladesh (OGSB), warnt, dass die regelmäßige Einnahme von Verhütungspillen ohne ärztliche Kontrolle zu gesundheitlichen Problemen führen kann. „Wenn wir jemandem orale Pillen verschreiben, berücksichtigen wir den körperlichen Zustand und die Eignung für die Pille“, erklärt sie. „Wenn die Periode jedoch über längere Zeit ausbleibt, kann dies zu Unfruchtbarkeit führen.“

Klimawandel und kommerzielle Garnelenzucht als Ursachen der Krise

Die Ursache für diese Probleme ist der zunehmende Salzgehalt im Grundwasser. Der Anstieg des Meeresspiegels und die kommerzielle Garnelenzucht haben den Zugang zu Süßwasser in den Küstengebieten Bangladeschs erschwert. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt einen Anstieg des Meeresspiegels um 7 bis 8 Millimeter jährlich in den Ganges-Flussauen, was zu einer Versalzung des Grundwassers führt. Seit den 1980er Jahren hat die Garnelenzucht große Flächen in Salzwasserbecken umgewandelt, wodurch der Salzgehalt des Wassers stark angestiegen ist.

Laut einer Studie von 2018 sind 26 Prozent des Landes von Versalzung betroffen, und 2013 ergab eine Untersuchung, dass der Salzgehalt des Grundwassers in den Küstengebieten bis zu 12.433 Milligramm Chlorid pro Liter beträgt – weit über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als trinkbar eingestuften Wert von 300 Milligramm pro Liter.

Für Frauen und Mädchen, die in diesen Gebieten leben und mit Gebärmuttererkrankungen oder reproduktiven Gesundheitsproblemen kämpfen, sind Damenbinden eine naheliegende Lösung. Doch viele Familien können sich die 150 Taka pro Monat, die Binden kosten, nicht leisten. Lakshmi Rani Mandal aus einem Dorf in Satkhira fasst die Realität vieler Familien zusammen: „Ich kann mir nicht einmal vorstellen, Binden für meine Tochter zu kaufen, wenn es schon schwierig ist, drei Mahlzeiten am Tag zu bekommen.“ 


Dieser Artikel erschien im Englischen Original in der Zeitung "The Daily Star".

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