Klimawandel Die Kornkammer Bangladeschs in der (Klima-) Krise

Die Auswirkungen der globalen Klimakrise treffen die Menschen im globalen Süden längst mit voller Wucht. Im Bezirk Rajshahi im Norden Bangladeschs kämpfen Kleinbauer*innen mit unregelmäßigen Monsunregenfällen und steigenden Temperaturen. Klimaprobleme, die die Ernten zerstören und ganze Lebensgrundlagen bedrohen. Journalist Pinaki Roy von der Tageszeitung The Daily Star berichtet vor Ort.
Kongres Tudu, ein Santal-Bauer aus Godagari in Rajshahi, zeigt auf die Risse in seinem Reisfeld. Schon nach einer Woche ohne Bewässerung trocknet der Boden aus. „Wenn ich mein Feld nicht innerhalb von ein paar Tagen bewässern kann, werden die meisten Pflanzen unfruchtbar und bringen überhaupt kein Getreide hervor”, erklärt er. In der ersten Oktoberwoche konnte Tudu kein Geld aufbringen, um Wasser von einem der Tiefbrunnenbetreiber zu kaufen. Obwohl es in diesem Jahr etwas mehr geregnet habe als im letzten, müsse das Feld dennoch jede Woche bewässert werden, sagte der 55-jährige Bauer. Er berichtet von den hohen Kosten, die die Bauern in seiner Region belasten. Im vergangenen Jahr nahmen sich zwei Santal-Bauern aus einem nahe gelegenen Dorf – Avinath und Rabi Mardi – das Leben, nachdem ihnen Wasser verweigert wurde, auf das sie Anspruch gehabt hätten.
Auch im Landkreis Tanore spitzt sich die Lage zu. Bauer Mohammed Selim Mia erklärt, dass sein 12 Meter tiefer Brunnen kein Wasser mehr fördert. „Jetzt müssen wir einen Tiefbrunnen installieren. Wir sind hier alle stark von der Grundwasserentnahme abhängig.“
Sowohl der Landkreis Tanore als auch Godagari liegen in der wasserarmen Region Barind, die als Reiskammer Bangladeschs bekannt ist. Die Region war bis in die Mitte der 1980er-Jahre noch vergleichsweise karg, mit sehr begrenzten Oberflächenwasserquellen. In den 1990er-Jahren brachte die Barind Multipurpose Development Authority (BMDA) Tiefbrunnen in die Region, die es den Bauern ermöglichten, drei Ernten pro Jahr einzufahren. Die Region steht nun vor einer großen Krise: Der Grundwasserspiegel sinkt rapide und die Temperaturen steigen aufgrund veränderter Niederschlagsmuster schnell an.
„Der Klimawandel ist hier ein stiller Killer“
„Der Klimawandel ist hier ein stiller Killer", sagt Chowdhury Sarowar, Professor für Geologie und Bergbau an der Rajshahi-Universität. Er untersucht seit über einem Jahrzehnt das Klima der Region. Rajshahi erhält jährlich im Schnitt nur 1.235 mm Niederschlag, deutlich weniger als der Landesdurchschnitt von 2.000 mm. „Wenn Sie die Region besuchen, werden Sie viele Felder und Obstplantagen sehen. Auf den ersten Blick ist es schwer zu glauben, dass hier eine Dürre herrscht, da all das auf Kosten des Grundwassers angebaut wird“, erklärt Sarowar. Selbst Feldfrüchte wie Amla (indische Stachelbeere), die früher mit Regenwasser auskamen, müssen nun häufig bewässert werden.
Veränderte Niederschlagsmuster
Eine Studie des bangladeschischen Wetterdienstes zeigt: Die Niederschlagsmenge in der nördlichen Region nimmt stetig ab. In der Region Rajshahi sinkt die Niederschlagsmenge um 54 mm pro Jahrzehnt, so die im letzten Jahr veröffentlichte Studie, in der die Niederschlagsdaten Bangladeschs von 1980 bis 2023 analysiert wurden. Während die Monsunregenfälle zurückgehen, nehmen Starkregenereignisse nach der Monsunzeit zu.
Für die rund 7.700 Quadratkilometer große Barind-Region, deren lehmiger Boden kaum Wasser speichert, hat das schwere Folgen. Weniger Regen bedeutet auch weniger Grundwasserneubildung. Oberflächengewässer trocknen aus. Die Studie zeigt auch, dass der Grundwasserspiegel in mindestens 38 Landkreisen aufgrund übermäßiger Entnahmen während der Trockenzeit gesunken ist.
Steigende Temperaturen und ihre Auswirkungen
Mit sinkenden Niederschlägen steigen die Temperaturen. So nehmen Schädlingspopulationen zu, und die Bestäubung von Boro-Reis – der wichtigsten Anbaupflanze der Barind-Region – wird gestört.
Laut der Studie des Wetterdienstes stiegen sowohl die höchsten als auch die niedrigsten Temperaturen während der vergangenen Monsunzeit in allen acht Regionen des Bangladeschs. In Rajshahi wurde mit 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt der stärkste Temperaturanstieg verzeichnet.
„Mit der zunehmenden Hitze kommt es häufiger zu Befall durch einen Schädling, den wir hier als braune Heuschrecke kennen“, sagt Sharmin Sultana, stellvertretende Direktorin der Abteilung für landwirtschaftliche Beratung in Rajshahi. Um diesen zu bekämpfen, müssen die Landwirt*innen Pestizide einsetzen, die wiederum gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Überschreitet die Durchschnittstemperatur 35 Grad Celsius, beeinträchtigt dies die Bestäubung der Reisernte zusätzlich. „Darüber hinaus erleiden viele Bauern während der heißen Monate, insbesondere im Mai, einen Hitzschlag, wenn sie Reis ernten oder auf den Feldern arbeiten“, fügt Sultana hinzu.
Dieser Artikel erschien im Englischen Original am 10. November 2025 in der Zeitung "The Daily Star".




