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Neuer Bildband: "Wir – leben mitten am Rand von Bangladesch"

Der Fotograf Noor Ahmed Gelal portraitiert Menschen, denen der Klimawandel alles zu nehmen vermag. Und doch stemmen sie sich dem erfolgreich entgegen – mit Gemeinschaftssinn und Respekt vor der Natur. Davon erzählt ein neues Buch, das als deutsch-bangladeschisches Gemeinschaftsprojekt den „Vergessenen“ ein Gesicht gibt.

Wetzlar/Dhaka Erodierte Flussufer, die einfach wegbrechen und Zerstörung hinterlassen. Eine Familie, die mit einer kleinen Bienenzucht gegen die Armut angeht. Aber auch die Gemeinschaft, Solidarität und das Wissen eben jener Menschen im Dorf. All das ist das Leben „da draußen“, in fernab gelegenen ländlichen Gegenden Bangladeschs. Dieses Leben fängt der vielfach ausgezeichnete Fotograf Noor Ahmed Gelal in seinen Bildern ein – und rückt so das, was eigentlich abseits liegt, in den Mittelpunkt. Aus gutem Grund. Denn genau diese Gegenden sind Schauplätze der größten Herausforderung unserer Zeit: des Klimawandels, der längst zur Klimakatastrophe geworden ist. In den Ebenen und Flussregionen des südasiatischen Landes ballen sich die fatalen Auswirkungen von maßlosem Konsum, Ressourcenraubbau sowie einer verfehlten internationalen Klimapolitik. Und so stehen die von Gelal portraitierten Menschen für ein Paradox: Sie leiden am schlimmsten unter den Folgen des Klimawandels, wo sie doch fast nichts dazu beitragen.

Die Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisation NETZ mit Sitz im mittelhessischen Wetzlar unterstützt seit über 30 Jahren Selbsthilfeinitiativen in ebenjenen Regionen im Nordwesten des Landes. Sie gibt nun erstmals einen umfangreichen Bildband mit Gelals Fotografien heraus – und macht auf das Leben der Menschen in jenen Dörfern ebenso wie auf die enorme Verantwortung der internationalen Gemeinschaft angesichts der Klimakrise aufmerksam. Dieser Verantwortung ist sich auch Peter Fahrenholtz bewusst: Der Deutsche Botschafter in Bangladesch, eigentlich in der Hauptstadt und 17-Millionen-Metropole Dhaka residierend, hat NETZ bereits aufs Land begleitet, um sich Entwicklungsprojekte anzusehen. In Dörfer, die nur über Lehmpfade zu erreichen sind. Mit Menschen, die einst an vielen Tagen nicht mehr als eine Handvoll Reis und an anderen gar nichts zu essen hatten. Und er ist tief beeindruckt. Davon, dass „durch dieses Entwicklungsprogramm bereits über eine Viertelmillion Menschen ihr Leben entscheidend verbessen konnten und eine Zukunft weitgehend ohne Existenzängste haben“, wie Fahrenholtz im Vorwort zu dem Bildband schreibt. Denn: „Es sind Familien, die zu den Ärmsten gehören, die das erste Mal in ihrem Leben eine Chance erhalten haben“, so der Boschafter.

Zusammen mit dem Fotografen Gelal, Vertretern der Deutschen Botschaft, der Internationalen Gemeinschaft haben NETZ, vertreten durch Geschäftsführer Max Stille und Aminur Rahman vom NETZ-Büro in Dhaka, und dessen Partner aus den Regionen nun den Bildband präsentiert. Pandemiebedingt zwar nicht in Form einer Live-Vorstellung – dafür aber in einer Online-Veranstaltung am 24. Februar 2021 mit bis zu 30 Gästen aus Bangladesch, Deutschland und den USA. Diese bekamen Einblicke in das Buch und die Lebenswelt der Menschen im Dorf. Sie sahen Fischer im großen Brahmaputra-Strom. Kinder, die auf Schwemmlandinseln leben und deren Schule nach zigmaliger Zerstörung nun flutsicher hergerichtet wurde. Frauen, die hart in der Landwirtschaft arbeiten und sich alleine durchschlagen. Hinter jedem Bild steht, wie Fotograf Gelal bei der Präsentation erklärte, eine Geschichte. Und das sei immer emotional, auch für einen Fotografen, der per se nur Beobachter ist und außensteht. Etwa bei der Begegnung mit dem Mann, der infolge einer Krankheit einbeinig und auf Krücken gestützt auf den großen Fluss blickt. „Der Moment war voller Melancholie“, erklärte Gelal den Gästen an den Videobildschirmen das Foto. „Dann habe ich mit ihm gesprochen, darüber, wie wichtig es ist, nach vorn zu sehen und nicht in Schwermut zu verfallen.“ Es ist nur eine von vielen Anekdoten, die Gelal berichten kann.

Noch viel größer ist da das Repertoire von NETZ-Mitarbeitern und dessen lokalen Partnerorganisationen, die bereits seit Jahrzehnten vor Ort mit den Menschen zusammenarbeiten. Shyamal Chandra Sarker aus Kurigram, das als ärmste Region des Landes gilt, mahnte zur Präsentation etwa, dass die Menschen „am Rand“ nie vergessen werden dürften. Weil sie einerseits unter den Verfehlungen anderer leiden – aber andererseits auch, weil es von ihnen sehr viel zu lernen gibt, wie in der Runde deutlich wurde: Wie man mit Krisen umgeht, ressourcenschonend lebt, von der Natur lernen kann und diese zu schützen vermag. Das, ergänzte die renommierte Wissenschaftlerin und Menschenrechtsexpertin Meghna Guhatakurta zur Präsentation, sei die starke Botschaft des Bildbandes: „Die Menschen haben sich ihre Beziehung zur Natur bewahrt. Davon können wir alle lernen“, mahnte Guhatakurta und freute sich, dass auch diese Teil der Buchpräsentation waren: In der Runde wurden schließlich drei Videos eingespielt – kurz zuvor in den Dörfern aufgenommen – die zeigten, wie die portraitierten Menschen den Bildband ansehen und sich und ihre Region darin wiedererkennen. „Das sind ja wir! Das ist ja unser Fluss und unser Teich und unser Wald!“, heißt es darin von begeisterten Frauen und Familien. Die Menschen, so Guhatakurta schließlich, leben nicht nur in der Natur, die sie umgibt. Sie achten und schützen diese weit darüberhinaus. „Das Gemeinschaftliche steht hier im Vordergrund. Das ist beispielhaft“, sagte die Wissenschaftlerin. Und diese Botschaft – schlicht und wichtig – trägt schließlich auch der Titel des Werks: „Wir (bengalisch: aamra) – leben mitten am Rand von Bangladesch“.

Das Buch:
„Wir – leben mitten am Rand von Bangladesch“

Gebundene Ausgabe, 156 Seiten, dreisprachig (deutsch, englisch und bengalisch)
Mit Bildern von Noor Ahmed Gelal, Texte von Peter Dietzel
Herausgegeben in Zusammenarbeit mit NETZ Partnerschaft Entwicklung und Gerechtigkeit e.V.
Erhältlich bei NETZ: www.bangladesch.org/Fotoband zum Preis von 30 € zzgl. 5 € Versandkosten

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