Recycling Jede Schraube nochmal umdrehen

Dholaikhal, eine Ansammlung von Werkstätten im alten Dhaka, sorgt mit Erfindungsreichtum und bemerkenswerten Durchhaltevermögen dafür, dass die Fabriken und Fahrzeuge des Landes am Laufen bleiben. Dafür wird mit Ersatzteilen gearbeitet, die andernorts längst entsorgt worden wären.
Der Stadtteil ist bekannt für seine Mechaniker, die - obwohl viele von ihnen nie zur Schule gegangen sind - ein ganzes Auto in weniger als einer Stunde zerlegen können. Während der Covid-19-Pandemie haben sie von kleinen Miniaturbeatmungsgeräten bis hin zu großen Wasserbehältern alles Mögliche gebaut und repariert. Dholaikhal steht damit gleichermaßen für Stolz, Scham und ein bemerkenswertes Stück Geschichte.
Seine Entstehung verdankt dieses geschäftige Viertel dem nahegelegenen Hafen Sadarghat, an dessen Docks seit der britischen Kolonialzeit große Raddampfer Passagiere aus aller Welt nach Dhaka brachten. Die Schiffe mussten regelmäßig gewartet werden, von kleinen Ausbesserungen bis zu umfassenden Überholungen. So entwickelte sich am Ufer des Buriganga nach und nach Dholaikhal. Die Raddampfer mögen heute an Bedeutung verloren haben, Dholaikhal jedoch nicht. Früher Herz des kolonialen Binnenwassertransports, wandelte sich der Stadtteil über die Jahrzehnte und versorgt heute neben der Autoindustrie auch die Bekleidungsbranche mit Kleinteilen. In den etwa 7.000 bis 8.000 Werkstätten, verteilt auf die engen, vom Geruch von Motoröl durchzogenen Gassen, werden Kühlschränke repariert, gebrauchte Klimaanlagen verkauft und verschiedenste Maschinen produziert.
Wiedergewinnen, Überholen, Wiederverwenden
„Hier ist alles gebraucht“, erzählt Mohammad Rafiq von Tansen Motors, ein erfahrener Händler, der seit mehr als 40 Jahren hier tätig ist. „Fast alles ist generalüberholt und wird wiederverwendet.“ Das sei keineswegs negativ, betont er, vielmehr sei genau das der Grund, warum dieser Ort existiert. Dholaikhal liefert, was zahlreiche klein- und mittelständische Unternehmen in Bangladesch dringend benötigen: funktionstüchtige Ersatzteile zu erschwinglichen Preisen.
Die Lieferkette beginnt Tausende von Kilometern entfernt. Die meisten Teile, die in Dholaikhal gehandelt werden, kommen aus Japan, das für seine strengen Wartungsgewohnheiten und zuverlässigen Komponenten bekannt ist.
Fahrzeuge, die dort das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, werden zu Demontagezentren, oft in Dubai, verschifft. Dort werden sie Stück für Stück auseinandergenommen. Motoren, Federungen, Kompressoren, Elektronikmodule und Filter werden in Container verpackt und nach Bangladesch verschickt. Dort übernimmt Dholaikhal. In den Werkstätten werden die Teile gereinigt, überholt, poliert, neu lackiert und getestet. Einige erreichen Dhaka in nahezu schrottreifem Zustand und erfordern umfangreiche Reparaturen, andere benötigen nur kleinere Eingriffe. Doch in jedem Fall sorgt dieser Prozess dafür, dass die Produkte weiter im Umlauf bleiben und die Kosten für Verbraucher sinken. Für Busbesitzer, Lkw-Betreiber, kleine Fabrikmanager und normale Autofahrer ist der Kauf neuer Teile oft zu kostspielig oder zu langsam, denn Importverfahren können sich über Wochen hinziehen. Dholaikhal bietet eine schnellere und kostengünstigere Lösung.
Der Umfang ist gewaltig
In den 1980er Jahren gab es in Dholaikhal laut der Bangladesh Engineering Association etwa 500 bis 600 Geschäfte. Heute gibt es mehr als 5.000 offiziell registrierte Geschäfte im Kerngebiet, umgeben von vielen weiteren informellen Ständen. Dort beschäftigt sind 60.000 bis 70.000 Menschen, in Berufen wie Mechaniker, Dreher, Schweißer, Polierer, Montagearbeiter, Transportunternehmer und Zwischenhändler. Laut der SME Foundation, eine von der bangladesischen Regierung geführte Organisation, trägt der Leichtmaschinenbau etwa 3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, mit einer Wertschöpfungsrate von 30 bis 35 Prozent. Allein die in Dholaikhal angesiedelten Werkstätten erzielen einen Jahresumsatz von etwa 348 Mio. €.
Vieles davon geschieht informell, ohne zentrale Planung oder moderne Infrastruktur. Die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich stark nach Qualifikationsgrad: Polierer oder Demontierer arbeiten häufig als Tagelöhner, während spezialisierte Drehmaschinenbediener auf feste Anstellungen zählen können. Mohammad Kamal, der gerade ein Federungsteil poliert, sagt, dass die Bezahlung nicht hoch ist. „Aber wenn man sich auskennt, kann man sich gut etwas dazuverdienen ... Ich mag die Herausforderung und die erforderliche Präzision.“
In den Werkstätten werden von Betonmischern bis hin zu landwirtschaftlichen Geräten und maßgefertigten Einzelteile alles hergestellt. Einige Produkte werden sogar exportiert. Unternehmer sind sich sicher, dass die Exporte mit geeignete Prüf- und Zertifizierungsstellen steigen könnten.
Wie geht es weiter?
Die SME Foundation hat mehrere Empfehlungen für die Entwicklung Dholaikhal ausgearbeitet. Zunächst sollen technische Fortbildungen, akkreditierte Prüflabore und spezielle Kredite für technologische Modernisierungen geschaffen werden. Zudem schlägt die Stiftung Messen sowie Treffen von Käufer*innen und Verkäufer*innen im In- und Ausland vor. Außerdem soll es Informationsbesuche und Technologieaustausch mit China, Taiwan, Vietnam, Malaysia, Südkorea und Thailand sowie einen Aufbau gemeinsamer Einrichtungen geben. Langfristig soll der Dholaikhal weiter gestärkt werden, indem neue Industrie-Cluster gegründet, ein Sonderinvestitionsfonds angelegt und die Branche durch Importkontrollen geschützt wird.
Das Ziel ist es einen Sektor zu modernisieren, der trotz geringer formaler Unterstützung über Jahrzehnte gewachsen ist.
Bis dahin bleibt Dholaikhal etwas chaotisch, aber voller Einfallsreichtum. Es mag nicht wie ein modernes Industriegebiet wirken, erfüllt aber genau dessen Funktion: Es hält Fabriken am Laufen, wartet Transportflotten und liefert kritische Komponenten für Branchen vom Bauwesen bis Landwirtschaft.
Dieser Artikel erschien im Englischen Original am 21. November 2025 in der Zeitung "The Daily Star".










