Am 12. Februar 2026 wird gewählt - Was erwarten Menschen in Bangladesch von der nächsten Regierung?

Vor zwei Jahren war die Wahlbeteiligung in Bangladesch auf einem Rekordtief. Es folgte ein Volksaufstand und ein Regierungswechsel. Nun sind für den 12. Februar Wahlen angesetzt, die von vielen als historisch bezeichnet werden, auch wenn die vorherige Regierungspartei nicht zugelassen ist. NETZ stellt hier Stimmen aus verschiedenen Interviews und Artikeln der Bangladeschischen Tageszeitung The Daily Star zusammen. Die befragten Fachleute äußern Erwartungen und benennen Probleme. Die Zusammenschau zeigt wieder einmal: Bangladesch ist ein komplexes Land mit vielen Herausforderungen, aber auch klugen und konstruktiven Vorschlägen, wie diesen zu begegnen.
Die nächste Regierung muss Armut bekämpfen und Lohnerhöhungen erreichen

Mahbubur Rahman aus Savar arbeitete in einer Bekleidungsfabrik, musste aber nach Krankheit kündigen und versucht nun, seine Familie mit einem geringen Lohn als Gärtner zu versorgen. Sein Abstieg von fester Beschäftigung in prekäre Arbeit verdeutlicht laut Ökonomen einen zentralen Trend, der in den Wahlprogrammen vor den Wahlen im Februar berücksichtigt werden muss.
Ökonomen warnen, dass es einen Plan für Verteilungsgerechtigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen braucht, da sonst die wirtschaftliche Kluft die soziale Stabilität gefährden könnte. Nach den wirtschaftlichen Schocks der Pandemie und hoher Inflation macht Bangladesch keine Fortschritte bei der Armutsbekämpfung mehr. Die Armutsquote stieg laut Power and Participation Research Centre von 18,7 Prozent (2022) auf 27,93 Prozent (Mitte 2025). Der Wirtschaftswissenschaftler Mustafizur Rahman bezeichnete diese Entwicklung als „sehr besorgniserregend“.
Kurzfristige finanzielle Hilfe sei notwendig, aber keine nachhaltige Lösung. Eine dauerhafte Verringerung der Armut erfordere die Schaffung von Arbeitsplätzen im Handel, Export und in kleinen Unternehmen. Die Krise betrifft nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern drängt auch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem formellen Sektor. Harun Or Rashid verließ seinen Job als Wachmann wegen unzureichenden Lohns und fährt nun eine Rikscha. Er wäre jedoch lieber im formellen Sektor beschäftigt.
Zahid Hussain, ehemaliger Chefökonom der Weltbank in Dhaka, betont, dass politische Parteien Arbeitsplätze und Löhne in den Mittelpunkt stellen müssten. Dafür sei auch eine klare Strategie zur Diversifizierung der Exporte nötig, da die Wirtschaft weiterhin stark vom Bekleidungssektor abhängt. Während dieser jährlich über 40 Milliarden USD einbringt, erzielt kein anderer Sektor mehr als 1 Milliarde USD.
Um den akuten Geldmangel armer Haushalte zu lindern, wird von Thinktanks ein „universelles Mindesteinkommen“ vorgeschlagen. Es soll schrittweise arme Familien in mehreren Distrikten abdecken. Diese Investitionen seien nötig, um zu verhindern, dass benachteiligte Gruppen weiter zurückfallen. Mustafizur Rahman fordert höhere direkte Steuern zur Stärkung von Gesundheit, Bildung und sozialen Sicherheitsnetzen und betont, dass Korruptionsbekämpfung wirtschaftlich notwendig sei.
Trotz breitem Konsens über notwendige Reformen herrscht Skepsis über den politischen Willen. Anu Muhammad, Ökonom, kritisiert, dass Wahlprogramme oft Versprechen enthalten, deren Umsetzung jedoch selten erfolge. Die Priorisierung von Armutsbekämpfung und Ungleichheitsabbau erfordere grundlegende politische Veränderungen in Bereichen wie Bildung, Energie oder Beschäftigung – Entscheidungen, die die Regierung selbst treffen müsse.
Forderungen von Wirtschaftswissenschaftler*innen an die nächste Regierung
- Die Schaffung von Arbeitsplätzen mit angemessenen Löhnen priorisieren
- Ein Mindesteinkommen für alle garantieren
- Den Zugang zu bezahlbarem Kredit für Jugendliche und arme Bevölkerungsgruppen verbessern
- Den Arbeitsmarkt reformieren, um informelle Arbeitskräfte zu schützen
- Die Exporte über den Bekleidungssektor hinaus diversifizieren
- Die Regierungsführung stärken und ein progressives Steuersystem aufbauen
- Die Preise stabilisieren und die Inflation kontrollieren
Die Wähler müssen Politiker in Sachen Gesundheit und Bildung zur Verantwortung ziehen
Meinungsbeitrag von Anu Muhammad

Am 25. Januar sprang eine 20-jährige Patientin mit Nieren- und Herzproblemen aus dem achten Stock des Dhaka Medical College Hospital in den Tod. Die Verstorbene, Mutter eines vier Monate alten Babys, war seit mehreren Monaten immer wieder in Behandlung, aber ihre Familie konnte sich die Behandlung nicht mehr leisten. Ihre finanziellen Mittel waren erschöpft.
Dieser Vorfall fand in den Medien kaum Beachtung. Aber er hätte uns erschüttern müssen, denn es handelt sich weder um eine isolierte Tragödie noch um eine persönliche Geschichte der Verzweiflung. Es ist ein deutliches und erschütterndes Zeichen für die tiefe Unsicherheit, in der die Mehrheit der Menschen in Bangladesch leben muss.
Im ganzen Land sind unzählige Familien durch die Bezahlung von Arztrechnungen ruiniert worden. Viele können sich eine Behandlung überhaupt nicht leisten. In Bangladesch greift Krankheit nicht nur den Körper an, sondern zerstört ganze Haushalte. Die Menschen verkaufen Land, Schmuck, Vieh und ihre Würde. Und oft reicht selbst das nicht aus. Auf den ersten Blick scheint der Gesundheitssektor zu florieren. Überall entstehen neue private Krankenhäuser und Kliniken. Sie sind modern, gut ausgestattet und unerschwinglich teuer. Hinter dieser oberflächlichen Glanzfassade verbirgt sich jedoch eine dunklere Realität.
Der Zugang zur Gesundheitsversorgung, der als Grundrecht anerkannt ist und seit 1972 in unserer Verfassung verankert ist, rückt für normale Leute immer weiter in die Ferne. Die Gesundheitsversorgung ist teuer geworden, weil sie systematisch kommerzialisiert wurde. Aufeinanderfolgende Regierungen haben mit politischer Unterstützung von Institutionen wie der Weltbank die Privatisierung und marktorientierte Reformen vorangetrieben. Infolgedessen wird die Gesundheitsversorgung nicht mehr als öffentliche Dienstleistung, sondern als profitabler Wirtschaftssektor behandelt. Der Staat hat sich zurückgezogen, und die Bürger sind auf sich allein gestellt.
Die Übergangsregierung hat keine nennenswerten Abweichungen von diesem Kurs eingeleitet. Der aktuelle Haushalt folgt dem gleichen Muster wie bei früheren Regierungen: minimale Mittelzuweisungen für Gesundheit und Bildung, die nicht nur in Südasien, sondern weltweit zu den niedrigsten gehören. Selbst innerhalb dieser begrenzten Mittelzuweisungen gibt es weiterhin Unregelmäßigkeiten. Es gibt keine erkennbare politische Wende, die Gesundheit und Bildung als Grundrechte anerkennt, die eine Strukturreform verdienen.
Diese fehlende Anerkennung ist besonders auffällig, wenn man bedenkt, dass im Namen des Aufbaus eines diskriminierungsfreien Bangladesch Versprechungen gemacht wurden. Diese Verpflichtungen spiegeln sich nicht in den Haushaltsprioritäten wider. Der oben genannte Vorfall und ähnliche Vorfälle sind keine zufälligen Akte der Verzweiflung. Sie sind das Ergebnis anhaltender systemischer Versäumnisse.
Während sich das Land auf eine weitere nationale Wahl vorbereitet, machen die politischen Parteien eine Vielzahl von Versprechungen. Was dabei jedoch auffällig fehlt, ist eine klare und feste Verpflichtung, den Staat in die volle Verantwortung für die Gesundheitsversorgung aller zu nehmen. Dieses Schweigen muss hinterfragt werden. Alle politischen Parteien sollten klar erklären, dass Gesundheitsversorgung ein Grundrecht und ein öffentliches Gut ist und dass der Staat die Verantwortung für den universellen Zugang tragen muss. Dies erfordert eine nachhaltige Aufstockung der Haushaltsmittel sowie die Stärkung öffentlicher Einrichtungen, darunter staatliche Krankenhäuser, Kliniken und kommunale Gesundheitszentren.
Ein wichtiger und oft übersehener Schritt zur Stärkung der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist die Rechenschaftspflicht auf höchster Ebene. Es muss eine politische Verpflichtung geben, dass der Präsident, der Premierminister, die Minister, die Beamten und alle Regierungsvertreter in öffentlichen Krankenhäusern behandelt werden. Eine solche Verpflichtung oder verbindliche Vorschrift würde das System grundlegend verändern. Wenn die Machthaber gezwungen wären, sich auf öffentliche Krankenhäuser zu verlassen, würde ihre eigene Dringlichkeit institutionelle Reformen vorantreiben. Die Kapazitäten würden sich verbessern, die Finanzierung würde steigen und längst überfällige Reformen würden endlich Aufmerksamkeit bekommen. Im Moment passiert das Gegenteil. Die Machthaber reisen auf Kosten der Öffentlichkeit ins Ausland, um sich dort behandeln zu lassen. Diejenigen, die Geld haben, machen es ihnen nach. Und weil die Mächtigen nicht auf das heimische System angewiesen sind, gibt es kaum Anreize, es zu verbessern.
Eine Gesellschaft, in der Menschen sterben, weil sie sich keine Behandlung leisten können, und in der Lehrer wegen ihres Unterrichts bedroht werden, ist nicht nachhaltig. Bangladesch muss sich auf eine Zukunft zubewegen, in der jeder Bürger ohne Angst oder Diskriminierung Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung hat und in der Würde kein Privileg, sondern ein Recht ist.
Vorschläge von Expert:innen für die nächste Regierung (Gesundheitssektor)
- Hochwertige Erstversorgung stärken
- Die Kosten im Gesundheitswesen reduzieren
- Mindestens 15 % des nationalen Haushalts für den Gesundheitssektor bereitstellen
- Governance und Funktionsfähigkeit staatlicher Krankenhäuser verbessern
- Private Gesundheitseinrichtungen systematisch prüfen
- Qualitativ hochwertige Ausbildung und Fortbildung für Gesundheitsfachkräfte

Backlash bei den Wahlen: Warum Frauen aus der Politik ausgeschlossen werden
Kommentar zur Rolle von Frauen im Wahlkampf von Tasmiah T Rahman
In Bangladesch mangelt es nicht an Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, jedoch an Frauen in der Wahlpolitik. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Präsenz von Frauen im öffentlichen Leben stetig ausgeweitet. Mädchen sind mittlerweile in der Sekundarstufe zahlreicher als Jungen. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist stark zurückgegangen. Die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Frauen hat durch Mikrofinanzierungen und den Bekleidungssektor zugenommen. Diese Fortschritte sind das Ergebnis nachhaltiger staatlicher Politik, des Engagements von Nichtregierungsorganisationen und gezielter Investitionen in Frauen.
Auch innerhalb des Staates hat die Vertretung von Frauen zugenommen. Frauen sind heute in allen Verwaltungsebenen tätig. Diese Veränderung ist wichtig, weil sie zeigt: Wenn Institutionen regelbasiert sind, kommen Frauen in großem Umfang voran. Was jedoch die Parteipolitik und Wahlen angeht, brechen die Zahlen ein. Frauen sind zunehmend in der Regierungsführung und im Dienstleistungsbereich vertreten, werden aber systematisch von der politischen Macht ausgeschlossen. Diese Diskrepanz sagt uns etwas Wichtiges: In Bangladesch wurden Frauen für das Wirtschaftswachstum professionalisiert, aber nicht für die Regierungsführung politisiert.
Trotz eines Vorschlags der Nationalen Konsenskommission, wonach einzelne politische Parteien fünf Prozent der Kandidaten für allgemeine Sitze mit Frauen besetzen müssen, haben die meisten politischen Parteien dies nicht umgesetzt. Ehemalige Reformkommissarinnen für Frauenangelegenheiten und Frauenrechtsaktivistinnen kritisierten die Parteien dafür, dass sie ihre Versprechen nicht eingehalten und die politische Beteiligung von Frauen eingeschränkt hätten. Ironischerweise wurde das Land an der Spitze der politischen Hierarchie von Frauen regiert. Dies war jedoch nicht der Fall, dass sich die Führungsrolle von Frauen durch die Parteistrukturen und Wahlkanäle hindurch ausbreitete. Die Autorität der Frauen ist personalisiert, aber nicht institutionalisiert. Präsenz hat für Frauen aus der Basis und der Mittelschicht nicht zu Teilhabe geführt.
Dies macht die aktuelle politische Situation besonders bedeutsam. Mit einer Übergangsregierung unter der Führung von Dr. Muhammad Yunus gab es die Erwartung, dass die politische Vertretung von Frauen institutionell abgesichert werden würde. Das ist nicht geschehen. Trotz ihres reformistischen Mandats hat die Übergangsregierung keine sinnvollen Maßnahmen ergriffen, um die Präsenz von Frauen in der politischen Entscheidungsfindung zu schützen oder auszuweiten. Dieses Versagen birgt die Gefahr, die politische Teilhabe von Frauen weiter zurückzuwerfen, insbesondere in einer Zeit, in der die Parteistrukturen den Zugang aktiv einschränken.
Die Ausgrenzung von Frauen aus der Wahlpolitik wird oft mit Kultur, Konservativismus oder mangelnder „Wählbarkeit” begründet. Was wir jedoch beobachten, lässt sich besser als politischen Backlash verstehen. Frauen werden auf reservierte Sitze verwiesen. Wettbewerbsfähige Wahlkreise gelten als „zu riskant“. Eine Episode innerhalb der National Citizen Party veranschaulicht dies: Als eine Allianz mit der Jamaat-e-Islami beschlossen wurde, verließen mehrere weibliche Führungskräfte aus Protest die Partei. Ihr Austritt zeigte, wie strategische Entscheidungen ohne Frauen getroffen wurden.
Der digitale Raum verstärkt diese Ausgrenzung weiter. Frauen, die sich politisch äußern, sind unverhältnismäßig starker Belästigung im Internet ausgesetzt. Parteien interpretieren diese Feindseligkeit als Wahlnachteil und rechtfertigen damit ihre Zurückhaltung bei der Nominierung von Frauen. Das Ergebnis ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf.Der wachsende wirtschaftliche Spielraum von Frauen hat sich für Bangladesch als positiv erwiesen. Gleichzeitig stützt die Arbeit von Frauen den exportorientierten Bekleidungssektor. Diese Erfolge wurden durch Verhandlungen zwischen Staat, NGOs, Zivilgesellschaft und den Frauen selbst erzielt.
Aber der Backlash droht diesen Weg an der Schwelle zur Politik zu stoppen. Wenn der ausgehandelte Raum für Frauen bei wirtschaftlicher Teilhabe und bürokratischem Dienst stehen bleibt, ohne sich auf Wahlmacht auszuweiten, läuft Bangladesch Gefahr, eine Obergrenze zu institutionalisieren. Diese Gegenreaktion einzudämmen ist entscheidend, damit die "Investitionen" in Frauen nicht an der zentralen Frage scheitern: Wer darf regieren?
Die Bürokratie muss frei von Parteipolitik sein
Vorschläge für die nächste Regierung
- Einstellungsverfahren überarbeiten, um leistungsgerechten Zugang sicherzustellen
- Effizienz und Integrität als Grundlage für Versetzungen und Beförderungen festlegen
- Qualifizierte und kompetente Personen in Spitzenpositionen berufen
- Das schwache, korruptionsanfällige rechtliche Rahmenwerk verbessern
- Null Toleranz gegenüber Korruption und Missständen in der Verwaltung durchsetzen
- Ein Machtgleichgewicht zwischen Abgeordneten (MPs) und Upazila-Vorsitzenden herstellen

Als ein weiteres wichtiges Thema wird die Politisierung der Verwaltung benannt. Politische Parteien, so Expert*innen, sollten sich in ihren Wahlprogrammen klar zur Reform der öffentlichen Verwaltung verpflichten und parteipolitische Loyalitäten aus der Bürokratie heraushalten. Sie sollten darlegen, wie sie den Einstellungsprozess überarbeiten und eine leistungsorientierte Vergütungsstruktur einführen wollen. Effizienz und Integrität sollten die Hauptkriterien für Beförderungen und Versetzungen sein.
Qualifizierte und kompetente Personen müssten auf allen Ebenen ernannt werden. Der aktuelle Zustand des öffentlichen Dienstes sei beklagenswert. Ausbildungseinrichtungen müssten neu strukturiert werden, und Menschen mit starkem Interesse an Weiterbildung sollten Führungsverantwortung erhalten. Desweiteren gelten Rechtsreformen als Voraussetzung für Transparenz und Rechenschaftspflicht. Der bestehende Rechtsrahmen lasse viel Raum für Korruption, und viele Beschäftigte hätten keine Konsequenzen zu befürchten.
Die nächste Regierung müsse dringend Ungleichheiten bei Leistungen und Vergünstigungen innerhalb gleicher Rangstufen beseitigen. Höhere Positionen sollten durch faire Verfahren vergeben werden, nicht durch Nähe zu politisch einflussreichen Personen. Es dürfe keine Toleranz gegenüber Korruption geben, und qualifizierte, ehrliche Beschäftigte müssten geschützt werden. Konflikte zwischen politischen Entscheidungsträgern und Verwaltungsleitungen erschweren vielerorts die Arbeit vor Ort. Eine unabhängige, nicht politisch missbrauchte Verwaltung sei notwendig.
Die Wahlprogramme sollten eine faire Gehaltsstruktur und klare Regeln für Beförderungen enthalten. Der Unterschied zwischen hohen Gehaltsgruppen mit großzügigen Vergünstigungen und einfachen Angestellten mit niedrigen Löhnen sei extrem und müsse beendet werden. Verbesserungen seien nur möglich, wenn die Lohndiskriminierung verringert werde.
Erwartungen von Unternehmen vor den Wahlen
- Inflation kontrollieren durch koordinierte fiskal‑ und geldpolitische Maßnahmen
- Sicherheit und öffentliche Ordnung gewährleisten, besonders in Industriegebieten
- Geschäftsfreundlichkeit verbessern (Ease of Doing Business)
- Unterbrechungsfreie und bezahlbare Energieversorgung sicherstellen
- Genehmigungs- und Lizenzierungsverfahren vereinfachen
- Logistik- und Transportkosten senken durch Infrastrukturverbesserungen
- Zugang zu bezahlbarer Finanzierung ausweiten, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Es braucht einen Plan für die Migranten, die Bangladesch Milliarden bringen

Migrationsexpert*innen haben politische Parteien aufgefordert, in ihren Wahlprogrammen klare Zusagen zur Reform des Arbeitsmigrationssektors aufzunehmen. Migration sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, bringe dem Land Milliarden ein, sei aber schlecht geregelt und unterfinanziert. Parteien sollten sich auf langfristige Planung, Kompetenzentwicklung, gute Regierungsführung und Arbeitnehmerschutz konzentrieren.
Gefordert wurden unter anderem mehr Budget für Sozialleistungen für Arbeitsmigrant*innen, eine langfristige nationale Migrationsvision, die Wiedereröffnung geschlossener Arbeitsmärkte sowie die Erschließung neuer Zielstaaten. Zudem seien eine angemessene Qualifizierung von der Schule bis zur Universität, die Verringerung der Rolle von Vermittlern, digitale Registrierungssysteme und bessere Überweisungskanäle notwendig. Die Regierung gebe derzeit nur einen sehr kleinen Anteil des Staatshaushalts für Migration aus, obwohl der Sektor enorme Einnahmen generiere. Mindestens ein höherer Budgetanteil sei nötig, um Schutz und Wohlergehen von Arbeitsmigrant*innen zu sichern.
Fachleute betonten die Bedeutung guter Regierungsführung und qualitativ hochwertiger Migration. Politische Einflussnahme auf Rekrutierungsprozesse müsse vermieden werden. Die Entsendung qualifizierter Arbeitskräfte könne Überweisungen erhöhen und das Leid von Migrant*innen reduzieren. Zudem sollten bestehende Reformvorschläge endlich umgesetzt und Rückkehrer besser unterstützt werden. Hervorgehoben wurde die Notwendigkeit digitaler Registrierungsmöglichkeiten für Menschen aus allen Landesteilen sowie stärkerer Sozialleistungen im Ausland, etwa durch besser ausgestattete Botschaften. Rückkehrer benötigten Unterstützung bei Wiedereingliederung und Investitionsmöglichkeiten.
Die Bildung muss wieder auf Kurs gebracht werden
Eine Priorität für die nächste Regierung
Trotz vieler Reden über die Bedeutung der Bildung wurden kaum Reformen umgesetzt, und das System treibt ohne klares Ziel dahin. Pädagog*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft warnten, dass politische Kehrtwenden, schwache Umsetzung, fehlende langfristige Planung, schlechte Lernergebnisse und geringe Investitionen dazu geführt haben, dass Bangladesch bei seinem grundlegendsten Entwicklungsziel zurückgefallen ist: hochwertige Bildung für alle.
Lehrpläne und Bewertungssysteme wurden häufig geändert, was zu Verwirrung bei Schüler*innen, Lehrkräften und Eltern führte. Einschulungszahlen sind gestiegen, jedoch ohne bessere Lernergebnisse. Die Alphabetisierungsrate liegt weiterhin bei nur rund 50 Prozent. Armut, Kinderarbeit, frühe Heirat, Klimafolgen, Lehrermangel und schlechte Infrastruktur führen dazu, dass besonders benachteiligte Kinder – vor allem Mädchen – die Schule abbrechen.
Die Bildungsausgaben liegen weit unter den international empfohlenen 4 bis 6 Prozent des BIP. Lehrerfortbildung, Ernährung, schulische Einrichtungen und grundlegendes Lernen wurden vernachlässigt. Es ist rätselhaft, warum von der Übergangsregierung keine Bildungsreformkommission eingerichtet wurde, obwohl dies dringend nötig wäre.
Bangladesch braucht ein stabiles Bildungssystem, das vor politischen Schwankungen geschützt ist. Eine ständige Bildungskommission könnte verhindern, dass bei Regierungswechseln ständig Kursänderungen erfolgen. Grund‑ und Sekundarschulbildung sollten unter einem einheitlichen Planungsrahmen stehen. Die Investitionen müssen auf 4 bis 6 Prozent des BIP steigen. Ein universelles Schulernährungsprogramm, bessere Unterstützung und Anerkennung von Lehrkräften sowie die Sicherstellung grundlegender Lese‑, Schreib‑ und Rechenkenntnisse in der Primarstufe sind zentrale Empfehlungen für die nächste Regierung.
Welche Regierung auch gewählt wird, hat eine für die weitere Entwicklung Bangladeschs entscheidende Aufgabe: unter immer schwierigeren externen Bedingungen die Entscheidungen an den Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten. Hierfür bedarf es stets aktive und wache Bürger*innen, die zeigen, was möglich ist, und auf Probleme hinweisen. NETZ wird an ihrer Seite stehen.
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