Neue Studie veröffentlicht Armut in Bangladesch steigt auf 28% an

Die Armut in Bangladesch hat in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen. Laut einer neuen Studie des Power and Participation Research Centre (PPRC) lebt inzwischen fast jede*r Vierte unterhalb der Armutsgrenze, während fast jede*r Zehnte in extremer Armut gefangen ist. Weitere 18% der Bevölkerung sind in Gefahr, in Armut geraten zu können.
„Das Land steht vor den Folgen mehrerer sich überschneidender Krisen: der Corona-Pandemie, der anhaltend hohen Inflation und der politischen Unsicherheit“, sagte PPRC-Direktor Hossain Zillur Rahman bei der Vorstellung der Studie.
Mehr Ausgaben für Lebensmittel
Ein zentraler Befund der Studie ist die wachsende Belastung durch steigende Preise. Über die Hälfte der monatlichen Ausgaben fließt in Lebensmittel. Für Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport oder Wohnen bleibt deutlich weniger Einkommen verfügbar.
Auch die Ungleichheit in der Gesellschaft hat sich verstärkt. In den Städten ist der Abstand zwischen wohlhabenden und armen Haushalten inzwischen besonders groß. Während wohlhabende Familien deutlich höhere Einkommen erzielen und Reserven aufbauen, sind die Ärmsten auf Kredite oder Unterstützung angewiesen, um ihren Alltag bestreiten zu können.
Bangladesch steht vor einer "Beschäftigungskrise". Fast vier von zehn Erwerbstätigen gelten als unterbeschäftigt, da sie weniger als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders Frauen haben es schwer: Ihre Erwerbsbeteiligung stagniert bei einem Viertel. Viele Arbeitnehmer*innen arbeiten zudem in prekären, informellen Jobs.
Bestechung und Frustration im Alltag
Die Befragung zeigt auch: Viele Menschen erleben Korruption im Alltag. Obwohl Bestechungszahlungen in Behörden leicht zurückgingen, berichten die Haushalte von steigenden Zahlungen an die Polizei und lokale Endscheidungsträger*innen. „Ohne Geld funktioniert nichts“ – so beschreiben drei Viertel der Befragten ihre Erfahrungen mit öffentlichen Dienstleistungen.
Neben Bestechung nennen die Menschen lange Wartezeiten, bürokratische Hürden und unklare Abläufe als Hauptgründe für Frustration.
Neue Formen der Verwundbarkeit
Der Bericht weist auf fünf neue Faktoren hin, die Armut verschärfen: chronische Krankheiten, steigende Verschuldung, Armut in Haushalten mit weiblicher Leitung, Ernährungsunsicherheit und fehlende sanitäre Einrichtungen.
Mehr als die Hälfte aller Familien hat mindestens ein Mitglied mit einer chronischen Erkrankung, was zu zusätzlichen Kosten und neuen Schulden führt. Haushalte, denen Frauen vorstehen, gelten als besonders armutsgefährdet - etwa jeder Vierte Haushalt, der als arm eingestuft wird, wird von einer Frau geführt. Diese Haushalte gehören zu den am stärksten benachteiligten in der Gesellschaft und benötigen daher besondere Unterstützung. Steigende Schulden führen zudem zu einer Verstärkung der Ernährungsunsicherheit und der Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen ist für mehr als ein Drittel der Bevölkerung nicht gesichert.
„Dies sind neue Dimensionen der Verwundbarkeit“, erklärte Zillur Rahman. „Wir müssen darauf mit sozialen Sicherheitsnetzen reagieren, die den realen Lebenssituationen gerecht werden.“
Zeichen von Resilienz
Trotz aller Schwierigkeiten macht die Studie auch Hoffnung. Überweisungen von Arbeitsmigrant*innen tragen in vielen Haushalten zur Stabilisierung bei. Der Binnenmarkt bleibt lebendig, und die digitale Vernetzung ist inzwischen weit verbreitet. Drei von vier Haushalten verfügen über Smartphones – ein Potenzial, das für Bildung, Arbeitsmöglichkeiten und soziale Teilhabe genutzt werden kann.
Dennoch ist der Zukunfts-Optimismus in der Gesellschaft ungleich verteilt: Während wohlhabendere Familien mehrheitlich positiv in die Zukunft blicken, äußern zwei Drittel der armen Haushalte überwiegend Sorgen und Pessimismus.
Dieser Artikel erschien im Englischen Original am 26. August 2025 in der Zeitung "The Daily Star".


