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Wegen Internet-Gerücht: Gewaltangriffe gegen Hindus

Von Mokammel Shuvo, Alam Palash, The Daily Star

Wie bei früheren Fällen von Gewalt gegen Minderheitengemeinschaften war ein Posting auf Facebook der Auslöser für die jüngsten Angriffe auf Hindus während der Durga-Puja-Feierlichkeiten in Bangladesch – darunter Angriffe am 13. Oktober in Chandpurs Hajiganj Upazila. In dem Facebook-Beitrag wurde behauptet, dass der Koran an jenem Tag in einer dortigen Hindu-Zeremonie entweiht worden sei. Das Gerücht verbreitete sich und führte zu chaotischen Zuständen in Hajiganj.

Wenige Minuten vor dem muslimischen Esha-Gebet versammelte sich eine Gruppe Jugendlicher dort an einer Kreuzung und setzte sich in Bewegung, um gegen den angeblichen Vorfall zu protestieren. Die Jugendlichen marschierten gegen Abend zur Hajiganj-Moschee, die etwa einen Kilometer entfernt lag. Zu dieser Zeit strömten viele Menschen nach dem Gebet aus der Moschee. Bald schlossen sich mehrere hundert, darunter viele Gläubige, dem von den Jugendlichen angeführten Marsch an. Die Gruppe kehrte dann auf dem Straßenzug hin und her - als sie in die Nähe einer Hindu-Einrichtung kamen, begannen die Jugendlichen, Ziegelsteine gegen das Tor zu werfen. Weitere Personen schlossen sich den Angreifern an, und die Gruppe verwandelte sich in einen Mob. Der Angriff dauerte mehrere Minuten lang an. Mehrere muslimische Gläubige der Moschee versuchten vergeblich, den Mob aufzuhalten. Etwa zur gleichen Zeit flogen von der Ziegelsteine über das Mauerwerk auf den Hindu-Schrein. Die Hindu-Anhänger im Innern der Einrichtungen versteckten sich ängstlich. Einige von ihnen wurden verletzt.

Die Einrichtung verfügte zwar über eine Überwachungskamera, aber ein direkt davor errichtetes Tor versperrte die Sicht. Die Polizei war innerhalb von zehn Minuten zur Stelle. Zunächst feuerten sie Tränengas und Schüsse in die Luft, um den Mob zu vertreiben. Doch der Mob rührte sich nicht und begann, Ziegelsteine auf die Ordnungshüter zu werfen, die an dem Tor Stellung bezogen. Mindestens 15 Polizisten wurden verletzt. Eine Weile feuerte die Polizei Kugeln ab, um die Angreifer zu vertreiben. Drei Menschen wurden getötet. Zwei weitere Verletzte starben später, einer von ihnen am Tag darauf im Dhaka Medical College. Die Tageszeitung „The Daily Star“ hat die Abfolge der Ereignisse in Hajiganj nach Gesprächen mit mehreren Dutzend Menschen aus dem Ort, darunter Mitgliedern des Verwaltungsausschusses des Schreins, führenden Politiker und Polizisten, und nach Sichtung von Videomaterial des Vorfalls zusammengestellt. "Die Angriffe waren definitiv im Voraus geplant", sagte Sohel Mahmud, einer der lokalen Polizeichefs. "Weil die Angreifer nicht aufhörten, nachdem sie den Schrein überfallen hatten. Sie griffen bis nach Mitternacht 13 weitere Schreibe in dem Ort an."

Gegen rund 2.000 Personen wurde im Zusammenhang mit den Vorfällen Anzeige erstattet, sagte Harun-or-Rashad, der Leiter der Hajiganj-Polizeistation. Die Polizei habe bisher 15 Personen festgenommen, sagte er. Andere kommunale Angriffe in Cox's Bazar (2012), in Pabna (2013) und in Brahmanbaria (2016) waren nach einem ähnlichen Muster abgelaufen. Der Mob verübte die Angriffe, nachdem er in den sozialen Medien angestachelt worden war. Seit dem Vorfall jetzt in Cumilla am 13. Oktober wurden in mindestens 13 weiteren Bezirken Bangladeschs Angriffe gegen Hindus verübt.

Die Lage um die Entstehungsgeschichte des Facebook-Beitrags bleibt derweil unübersichtlich. So konnten Medien noch nicht eindeutig verifizieren, von wem er zuerst hochgeladen wurde, es gibt jedoch bereits Verdächtige, die offenbar zuvor von der Polizei verhört worden waren. Die Polizei hält sich Medienangaben zufolge zu den Angreifern bedeckt, sagte aber, sie habe einige festgenommen und versuche, alle an dem Chaos Beteiligten zu verhaften.

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