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Nachruf Zum Gedenken an Azadul Kabir Arzoo

Md. Azadul Kabir Arzoo

Mit großer Anteilnahme haben wir erfahren, dass Md. Azadul Kabir Arzoo, Gründungsdirektor der Jagorani Chakra Foundation (JCF), am 24.1.2026 verstorben ist. Über Jahrzehnte hinweg hat er JCF aufgebaut und hinterlässt eine Organisation, die heute zu den wichtigen Akteuren der Entwicklungsarbeit in Bangladesch zählt. Arzoo glaubte fest an die Fähigkeiten derjenigen, die in der Gesellschaft am wenigsten gesehen werden. Sein Ansatz war geprägt von der Überzeugung, dass auch Menschen, die mit extremer Armut leben, selbst ihre Entwicklung voranbringen können. 

Ein Beispiel dafür ist die Arbeit in Chuadanga: 2002 startete JCF dort ein Programm zur Überwindung extremer Armut, unterstützt von NETZ. Als sich die ersten Frauengruppen bildeten, lag das durchschnittliche Haushaltseinkommen bei 13 Eurocent am Tag, viele Frauen konnten nicht lesen oder schreiben. Ihr Alltag war geprägt von harter Not. Arzoo hatte damals die Vision, dass sie eines Tages eine eigene große Selbsthilfe-Organisation führen würden. Viele zweifelten – er nicht. 2016 feierten tausende Frauen schließlich die Unabhängigkeit ihrer eigenen Organisation, der Aamra Joie Society. Arzoos Vertrauen in ihre Fähigkeiten war ein entscheidender Teil dieser Entwicklung.

Unter seiner Leitung wuchs JCF zu einer der großen Organisationen des Landes: 14.700 Dörfer, 53 Distrikte, über 8.500 Mitarbeitende und 723 Büros. Doch trotz dieser Größe blieb Arzoo immer nah an den Menschen, für die er arbeitete.

Auch für NETZ war er über viele Jahre ein wichtiger Gesprächspartner. Als wir darüber nachdachten, wie Programme zur Überwindung extremer Armut weiterentwickelt werden können, gehörte JCF zu den wenigen Organisationen mit belastbaren Erfahrungen und einem mutigen, menschenzentrierten Ansatz. Bis heute ist der Austausch mit dem Team von JCF ein wertvoller Bestandteil unserer Partnerschaft.

Arzoo setzte sich stark dafür ein, dass NGOs eigenständig und stabil arbeiten, nicht allein durch Mikrofinanzierung, sondern durch vielfältige, lokale Initiativen. Dieser Ansatz führte zu lebendigen und manchmal auch kontroversen Gesprächen über die Rolle von NGOs, Verantwortung, Korruption und die Balance zwischen Idealismus und praktischer Umsetzung. Arzoo scheute diese Debatten nicht – im Gegenteil, er suchte sie, weil er glaubte, dass offene Auseinandersetzung Fortschritt ermöglicht.  In Gesprächen, auch in kontroversen, ging es ihm immer um die Verantwortung von Organisationen gegenüber den Menschen, denen sie dienen.

Wie viele andere Partner in Bangladesch hat auch er Deutschland besucht, Interessierte getroffen, Projekte vorgestellt und Diskussionen angestoßen. Viele erinnern sich an ihn als offen, zugewandt und voller Ideen. Und als jemanden, der nie die Menschen aus dem Blick verlor, denen sein Engagement galt: jene, die am wenigsten haben und am dringendsten Unterstützung brauchen.

Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei seiner Familie und den Kolleg*innen von JCF.

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