Die Versalzung breitet sich aus
Salzwasser dringt in Bangladeschs Küstenregionen immer weiter vor. Was lange vor allem die unmittelbare Küstenzone betraf, reicht inzwischen immer weiter in landwirtschaftlich geprägte Gebiete.
Erhebungen zeigen, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen entlang der Küste und darüber hinaus betroffen sind. Allein seit 2009 sind weitere 100.000 Hektar fruchtbares Ackerland betroffen.
Besonders spürbar sind die Folgen im Südwesten des Landes.
In den Distrikten Khulna, Satkhira und Bagerhat kämpfen viele Menschen mit sinkenden Erträgen und einem zunehmenden Mangel an Süßwasser. Die Versalzung betrifft Böden ebenso wie Grundwasser und erhöht den Druck auf die Landwirtschaft.
Gleichzeitig breitet sich das Problem in neue Regionen aus. Erstmals sind nun auch Gebiete weiter im Landesinneren von der Versalzung betroffen. Das Salzwasser erreicht zunehmend bislang fruchtbare Anbauregionen.
Neben natürlichen Ursachen wie Sturmfluten haben menschliche Eingriffe die Versalzung deutlich beschleunigt.
Seit den 1960er Jahren schützen Deiche und Polder tiefliegende Gebiete vor Überschwemmungen. Gleichzeitig verändern sie vielerorts den natürlichen Wasserfluss im Delta. Dringt bei Fluten Salzwasser ins Landesinnere vor, kann es oft nicht mehr vollständig abfließen. Beschädigte oder schlecht gewartete Schleusen verschärfen das Problem.
Hinzu kommt, dass weniger Süßwasser aus den Flüssen in den Südwesten Bangladeschs gelangt. So bleibt mehr Salz in Flüssen und Böden zurück.
Auch die Ausweitung der Garnelenzucht hat zur Veränderung beigetragen.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Reisfelder in sogenannte Ghers umgewandelt – eingedeichte Wasserflächen für die Aufzucht von Garnelen. Dafür wird Salzwasser benötigt.
Um die Becken zu fluten, werden Deiche teilweise geöffnet oder verändert. So breitet sich die Versalzung auf weitere landwirtschaftliche Flächen aus.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt deutlich das Ausmaß der Versalzung.
In den vergangenen fünf Jahrzehnten gingen mehr als 323.000 Hektar zuvor nicht versalztes Ackerland verloren. Ein Teil dieser Flächen weist inzwischen einen besonders hohen Salzgehalt auf. Mehr als 115.000 Hektar sind so stark betroffen, dass viele Kulturpflanzen dort nur noch deutlich geringe Erträge liefern.
Für die Landwirtschaft hat das weitreichende Folgen.
Nicht nur Reis, sonder auch andere Nutzpflanzen wie Hülsenfrüchten und Senf wachsen schlechter. Die Auswirkungen reichen über die Lebensmittelproduktion hinaus.
Wo weniger Reis angebaut wird, steht auch weniger Futter für die Viehhaltung zur Verfügung.
Die Versalzung wird voraussichtlich weiter zunehmen. Steigende Meeresspiegel, Zyklone und Sturmfluten treiben das Salzwasser immer wieder ins Landesinnere.
Um gegenzusteuern, setzen Fachleute auf salztolerante Nutzpflanzen, angepasste Anbaumethoden, ein besseres Wassermanagement sowie die Instandsetzung von Schleusen und Poldern.
Dieser Artikel von Wasim Bin Habib und Sohel Parvez erschien im Englischen Original am 11. August 2026 in der Zeitung "The Daily Star".


