
Öffentliche Anhörung bringt Gewaltfälle ans Licht
In Bangladeschs Rechtssystem sind öffentliche Anhörungen ein wichtiges Instrument der sozialen Rechenschaftspflicht. Sie ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, direkt mit Behörden über Missstände, Korruption oder mangelhafte Leistungen zu sprechen. Anders als klassische Gerichtsverfahren fällen sie keine rechtskräftigen Urteile, doch stärken die Rechenschaftspflicht der Verwaltung und helfen, Machtmissbrauch einzudämmen.
Eine dieser öffentlichen Anhörungen fand im Bezirk Thakurgaon statt - auch Menschenrechtsverteidiger*innen aus NETZ Projekten waren dabei. Vorgestellt wurden vier Fälle von Gewalt gegen Frauen. Die Überlebenden schilderten ihre Erfahrungen: Eine Frau wurde von ihrer Schwiegermutter mit einer heißen Pfanne verbrannt. In einem anderen Fall wurde eine Frau nach dem Tod ihres Mannes von den Verwandten ihrer Schwiegerfamilie aus dem Haus geworfen, weil sie zwei Töchter und keinen Sohn hatte. Eine Schwangere wurde von ihrer Schwiegerfamilie gefoltert und verstoßen, eine weitere Frau schwer misshandelt, ihr Säugling wurde ihr entrissen und sie wurde aus dem Haus geworfen.
Die Jury für die Anhörung bestand aus einem Rechtsanwalt, einem ehemaligen Polizeibeamten und einem Anwalt. Der zuständige Beamte für Gesundheit und Familienplanung der örtlichen Polizeistation, ein Vertreter des Sozialamtes und der Bildungsbeauftragte des Landkreis waren als Gastredner anwesend. Darüber hinaus nahmen auch Mitglieder von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vertreter*innen der lokalen Zivilgesellschaft und Journalist*innen an der öffentlichen Anhörung teil. Die Mitglieder der Jury hörten sich die Details an und erklärten, dass die Vorfälle gemäß des Gesetzes zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen und Kinder strafbar seien. Sie forderten die Behörden auf, die Fälle strafrechtlich zu verfolgen.


