Warnung vor Kürzungen NETZ gegen Einschnitte in der Entwicklungs- zusammenarbeit

Protestaktion mit überdimensionalem Bumerang am 10. November vor dem Bundestag: „Die Kürzungen von heute sind die Krisen von morgen!“
Wenige Tage vor der Bereinigungssitzung für den Bundeshaushalt 2026 haben am 10. November 2025 insgesamt 16 zivilgesellschaftliche Organisationen vor weiteren Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe gewarnt – unter ihnen war auch NETZ Bangladesch vor Ort. Auf Einladung von Brot für die Welt forderten sie mit einer Protestaktion vor dem Bundestag, den Haushaltsentwurf anzupassen, damit Deutschland seiner globalen Verantwortung gerecht wird.
Bei der Protestaktion wurde ein überdimensionaler Bumerang verwendet, der unter dem Titel „Die Kürzungen von heute sind die Krisen von Morgen!“ auf die dringend notwendige Korrektur des Bundehaushaltsplanes 2026 hinwies.
Die Organisationen kritisieren, dass die geplanten Kürzungen den Zielen widersprechen, die sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag und im Hinblick auf die Agenda 2030 selbst gesetzt hat: Armut, Hunger und Ungleichheit zu bekämpfen – und die humanitäre Hilfe für Menschen in Not zu stärken. Gleichzeitig sendet Deutschland mit den Einschnitten ein Signal des Rückzugs und schwächt seine Position als international verlässlicher Partner.
Das Budget für humanitäre Hilfe beim Auswärtigen Amt (AA) liegt derzeit bei rund einer Milliarde Euro – das entspricht nur noch 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Bei den Haushaltskonsolidierungen spielen diese Mittel kaum eine Rolle. Für zahlreiche Menschen weltweit ist die humanitäre Hilfe aus Deutschland jedoch existentiell. Hinzu kommt, dass die Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das vierte Jahr in Folge gekürzt werden. Der Etat soll im Vergleich zu 2022 um ein Drittel, auf 9,9 Milliarden Euro, sinken. Der Haushaltstitel Private Träger, aus dem zu einem großen Teil die zivilgesellschaftliche Entwicklungszusammenarbeit finanziert wird, soll um weitere 15 Prozent sinken. Die aktuellen Planungen widersprechen der BMZ-Strategie zur Stärkung der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und werden damit absehbar für zivilgesellschaftliche Akteur*innen im Globalen Süden aber auch hierzulande existenzielle Folgen haben.
Weil auch andere große Geberländer ihre Mittel drastisch kürzen, können humanitäre Organisationen schon jetzt den Bedarf nicht decken. Laut UN-OCHA sind weltweit rund 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wegen der globalen Kürzungen sollen nur noch 114 Millionen Menschen in akuter Not versorgt werden – 186 Millionen Menschenleben sind also in Gefahr.
Die geplanten Kürzungen für die Institutionen GFATM, GPEI, IDA und UNFPA in den Jahren 2025 und 2026 bedrohen bis 2029 darüberhinaus über 650.000 Menschenleben (UNFPA und Globale Fonds), lassen fast 2,8 Millionen Kinder ungeimpft und setzen 18.500 Menschen der akuten Gefahr aus, Lähmungen zu erleiden (GPEI). Zusätzlich drohen durch Kürzungen bei IDA zehntausende weitere Menschenleben verloren zu gehen. Millionen Menschen verlieren den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, und mehrere Milliarden Euro an ökonomischer Rendite bleiben ungenutzt. Die geplanten Einsparungen sind damit kontraproduktiv für die globale Gesundheit, volkswirtschaftlich fragwürdig und strategisch unklug.
Wenn Deutschland diesen gefährlichen Trend durch weitere Einsparungen verstärkt, werden immer mehr Menschen in Krisen allein gelassen. Ihr Recht auf Nahrung, Gesundheit, Bildung und Wohnen wird faktisch verwehrt.



