Startseite
Jetzt spenden

16-Tage-Aktion gegen Gewalt gegen Frauen Digitale Gewalt gegen Frauen bleibt oft unsichtbar

Gruppe von Jugendlichen macht Selfie

Gewalt gegen Frauen geschieht ständig und steigt weiterhin an, doch die öffentliche Aufmerksamkeit dafür bleibt oft aus. Was sind die Gründe dafür? Liegt es vielleicht daran, dass wir durch die ständige Konfrontation damit abgestumpft sind und Gewalt gegen Frauen mittlerweile als „normal“ wahrnehmen? Oder wird der Protest vielleicht schlicht überhört, weil die Betroffenen Frauen sind?

Formen digitaler Gewalt

Sexuelle Kommentare online, Trolling, das Versenden sexuell aufreizender Bilder in privaten Nachrichten, hasserfüllte und herabwürdigende Äußerungen gegen die Meinungen von Frauen, Erpressung durch gefälschte Accounts, Drohungen, persönliche Fotos oder Informationen im Internet zu verbreiten, geschlechtsspezifische Beleidigungen, abwertende Kommentare über die Freiheit und gesellschaftliche Rolle von Frauen – all das ist inzwischen alltäglich.

Oft wird sogar versucht, Frauen durch Angriffe auf ihr Privatleben, ihren Körper und ihren Charakter zu diskreditieren - um sie mundtot zu machen oder politische Meinungsverschiedenheiten zu unterdrücken. Und die Justiz? Für die Betroffenen wirkt sie oft wie ein weiterer Hohn.

Besorgniserregende Zahlen

Die Nutzung von Technologie zur Ausübung von Gewalt gegen Frauen nimmt in alarmierendem Maße zu. Allein in den Monaten Januar und Februar 2025 wurden bei der Polizeiabteilung „Cyber Support for Women“ (PCSW) in Bangladesch 1.192 Beschwerden eingereicht. Seit der Gründung dieser Abteilung im November 2020 bis Februar 2025 gingen insgesamt 43.834 Beschwerden ein. Das zeigt, wie stark Frauen von technikbasierter Belästigung betroffen sind.

Eine Studie von NETZ Bangladesch aus dem Jahr 2023 ergab, dass 78,7 Prozent der Frauen Opfer digitaler Gewalt wurden und dies obwohl die wenigsten der befragten Frauen regelmäßig Online unterwegs sind. Nur 57 % der Frauen verwenden mindestens einmal pro Woche das Internet. Dennoch sind sie auf verschiedene Weise Opfer von Online-Gewalt geworden, wie z. B.:

  • heimliches Fotografieren mit anschließender Drohung, die Bilder online zu verbreiten
  • Druck zur Aufnahme außerehelicher Beziehungen
  • Erpressung mit Geldforderungen

Folgen für die Betroffenen

Die meisten Betroffenen ergreifen keine rechtlichen Schritte. Nachdem sie ihre Familie informiert haben, wird 84 % geraten, die Internetnutzung zu reduzieren oder ganz einzustellen – was keine dauerhafte Lösung ist, sondern zusätzlichen psychischen Druck erzeugt.

Die Studie zeigt außerdem: 14,3 Prozent der belästigten Schülerinnen haben ihre Schulbesuche reduziert oder die Schule gewechselt, und 35 Prozent der Frauen erlitten aufgrund von Online-Drohungen psychische Traumata.

Was kann getan werden?

Um Online-Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, dürfen wir Frauen nicht von Technologie fernhalten, sondern müssen sie befähigen und stärken, Technologie kompetent und bewusst zu nutzen. Gleichzeitig müssen Gesetze gegen Online-Belästigung wirksam umgesetzt werden.

Kürzlich wurde die „Cyber Security Ordinance 2025“ veröffentlicht, die juristische Strafen für Straftaten im Online- oder Cyberraum vorsieht. Damit das Gesetz greift, müssen die Beschwerdeverfahren deutlich vereinfacht und die Botschaften klar an die Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Zudem sollten digitale Lösungen wie Apps zur Meldung von Vorfällen, Hotlines und technische Hilfen und Online-basierte psychosoziale Beratungsdienste ausgebaut und gestärkt werden.

Mentalitätswandel ist entscheidend

Am wichtigsten ist jedoch: Ohne einen Wandel in Einstellung und Mentalität wird Gewalt gegen Frauen nicht abnehmen. Deshalb müssen Kinder von klein auf in gegenseitigem Respekt, Empathie und Gleichberechtigung erzogen werden.

Hier sind politische Führung, staatliche Institutionen, Wirtschaftsorganisationen sowie Familien und die gesamte Gesellschaft gefordert, sensibel und verantwortungsbewusst zu handeln.


Verfasst von Sara Zaman, NETZ Projektreferentin für Menschenrechte, Dhaka.

Dieser Artikel erschien im Original auf Bangla am 27. November 2025 in der Zeitung "Prothom Alo". 

Mehr BeiträgeAlle Beiträge

Ihre Spende kommt an.

Alle Projekte ansehen
Jetzt spenden

Sichere SSL-Verbindung