Leitbild

Die Kolonialzeit wirkt bis heute. Aufgearbeitet ist sie nicht, und auch in der Entwicklungszusammenarbeit sind ihre Spuren deutlich erkennbar. Wie gehen Entwicklungsorganisationen damit um? Wiederholen sie in ihrer Arbeit eurozentristische Muster, die geradewegs aus dem Kolonialismus kommen? Verbreiten sie systematisch das Bild eines „rückständigen“ Südens, für den sie Problemlösungen aus dem „entwickelten“ Norden bereithalten? Verstehen sie sich unhinterfragt als Wohltäterinnen für „die Armen“, ohne jene Machtverhältnisse anzugreifen, welche Armut erst verursachen? Vor allem junge Menschen hinterfragen traditionelle Konzepte der Entwicklungsarbeit von NGOs, deren Botschaften in der Öffentlichkeit und in der politischen Bildung. NETZ setzt sich mit diesen Fragen auseinander, in Workshops, in der täglichen Arbeit oder in der Bangladesch-Zeitschrift NETZ, beispielsweise in der Ausgabe Koloniale Kontinuitäten. Im Mai 2007 hat die Mitgliederversammlung dieses Leitbild von NETZ verabschiedet. Im Zuge der Weiterentwicklung des Selbstverständnisses von NETZ wird es gegen eine Neufassung ausgetauscht werden.

 

NETZ kämpft für Menschenwürde und gegen Hunger in Bangladesch. Partnerschaftlich und professionell unterstützt NETZ Selbsthilfe – für Ernährung, Bildung und Menschenrechte.

  1. NETZ ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Verein mit Sitz in Deutschland. Ehren- und Hauptamtliche, Privatpersonen, Gruppen, Kirchengemeinden und Unternehmen engagieren sich für mehr Gerechtigkeit in Bangladesch. Jede und jeder kann mitmachen: bei Aktionen, mit Ideen und mit Spenden.
  2. NETZ kämpft gewaltfrei und konstruktiv für Menschenwürde und Menschenrechte. Für die, die am Rande der Gesellschaft leben – wenig geachtet und in ihrer Entfaltung behindert. Dabei geht es besonders um Frauen und Minderheiten. NETZ trägt ihre Stimmen in die Öffentlichkeit und in Wirtschaft und Politik – auf nationaler und internationaler Ebene.
  3. NETZ kämpft gegen Hunger, weil es unerträglich ist, dass jedes zweite Kind in Bangladesch chronisch unterernährt ist und dies bei Millionen Kindern dauerhafte Schäden verursacht. NETZ konzentriert sich deshalb bewusst auf die Ärmsten der Armen.
    In Bangladesch leben 60 von 150 Millionen Menschen unterhalb des Existenzminimums, trotz fruchtbarer Böden und wirtschaftlichen Wachstums. Das Land hat eine reiche Kultur, aber die Hälfte der Kinder hat nicht die Möglichkeit, die Grundschule abzuschließen. Es gibt Machtmissbrauch und Korruption, doch es gibt auch viele mutige Menschen und Organisationen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen.
  4. Partnerschaftlich verbindet NETZ Menschen aus Bangladesch und Deutschland – durch Austausch, gleichberechtigten Dialog und Aktionen. Die Partnerschaft ist geprägt von Solidarität, Verantwortungsbewusstsein und Respekt. Projekte werden unter Beteiligung der Bevölkerung vor Ort entwickelt und durchgeführt – in gemeinsamer Verantwortung mit den Partnerorganisationen in Bangladesch.
  5. Professionell heißt für NETZ: die Entwicklungsarbeit kommt an. Effizient, transparent und wirksam. Seit 1979 arbeitet NETZ für Bangladesch – zusammen mit qualifizierten Kooperationspartnern vor Ort und Europa.
  6. NETZ unterstützt Selbsthilfe für Ernährung, Bildung und Menschenrechte gemeinsam mit Organisationen aus Bangladesch. Selbsthilfe-Strukturen werden aufgebaut, Einkommen und Schulen gefördert, Ernährung und Gesundheit verbessert, Frauenrechte und der Zugang zum Rechtssystem eingefordert. Damit werden dauerhafte gesellschaftliche Veränderungen eingeleitet.

    Download Leitbild NETZ Bangladesch (pdf, 3 MB)