Projektbereich 3: Menschenrechte

Für das Recht auf Würde

Kinderehen, Landraub, brennende Siedlungen: Systematisch und in vielen Einzelfällen werden Grundrechte ganzer Bevölkerungsgruppen in Bangladesch verletzt. Gesellschaftliche Machtstrukturen tragen zu Diskriminierung bei. Laut Weltgesundheitsorganisation sind 57 Prozent aller Frauen direkter Gewalt ausgesetzt. Hinzu kommt die Kehrseite des Wirtschaftswachstums: Konflikte um Ressourcen eskalieren, Minderheiten werden gewaltsam von ihrem Land vertrieben. Die Auswirkungen des Klimawandels verstärken diese Entwicklungen. Erfahrene Menschenrechtsorganisationen, Dorfgemeinschaften und NETZ treten gemeinsam für die Würde eines jeden Menschen ein.

Mili Soren hat gemeinsam mit ihrer Menschenrechtsgruppe erfolgreich das Müttergeld von der Lokalverwaltung eingefordert, das ihr und ihrem Neugeborenen zwei Jahre lang zusteht.

9.200 Menschrechtsaktivisten engagieren sich landesweit in 17 Distrikten gewaltfrei gegen Diskriminierung und Unrecht.

2.544 Familien, Witwen und Menschen mit Behinderung haben ihnen zustehenden Sozialleistungen bei staatlichen Stellen eingefordert und erhalten. 

Die Menschen haben in 2.148 Fällen Aufklärung von Behörden eingefordert.

Mili Soren: Gemeinsam stark

„Ich gehöre zur indigenen Gruppe der Santal – deswegen habe ich es im Alltag schwer. Behördengänge sind eine große Hürde, dabei habe ich ein kleines Kind und konnte die Mutterschaftshilfe gut gebrauchen. Doch sobald ich in die Lokalverwaltung kam, wurde ich vertröstet oder eingeschüchtert. Allein und ohne Bestechungszahlung wollte mir niemand helfen. Deshalb mache ich bei der Menschenrechtsgruppe mit. Wir sind gemeinsam stark, gehen zu den Behörden und fordern erfolgreich unser Recht auf Sozialleistungen ein. Wir werden weiterkämpfen bis wir die volle Anerkennung erhalten, die uns zusteht.“

Das Menschenrechts-Projekt mobilisiert Menschen vom Dorf bis zur Hauptstadt mit Schulungen, politischem Dialog und Ideen zur gewaltfreien Transformation von Konflikten. In Gruppen organisiert, setzen sich die Aktiven für ein gerechtes Miteinander ein. 

Die drei Menschenrechtsorganisationen Research Initiatives Bangladesh, Pollisree und Manab Kallyan Parished unterstützen die Aktivistinnen vor Ort. Deren Gruppen verhindern Kinder-Ehen, fordern Zugang zu Land für Landlose und die transparente Vergabe von Stipendien an Jugendliche. Sie nutzen das Informationsfreiheitsgesetz, um Korruption und Willkür zu unterbinden. 128 Menschenrechtsgruppen arbeiten auf lokaler Ebene. Sie bestehen aus Frauen und Männern, älteren und jüngeren Dorfbewohnern sowie Angehörigen indigener und religiöser Minderheiten. 

Auf regionaler Ebene haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Dorfgruppen zu 44 Bezirksgruppen vernetzt. Dies ermöglicht den wichtigen Dialog mit Behörden. Durch gemeinsame Workshops bauen sie die Zusammenarbeit stetig aus.

Projektwirkung

Sehr gut: Eine indigene Gemeinschaft erhielt Land zurückerstattet, das ihr zuvor unrechtmäßig entwendet worden war. Jetzt kann das Dorf dort wieder Markt abhalten und Feste feiern. 

Wegweisend: Lokale Behörden haben Projektteilnehmerinnen den Zugang zu staatlichen Trainings in Tierhaltung und Nähen freigemacht.

Herausfordernd: Das Projekt befähigt die Lokalbevölkerung, das Informationsfreiheitsgesetz zur Einforderung eigener Rechte zu nutzen. Nicht bei allen Behörden ist die Bereitschaft zur Kooperation gleichermaßen gegeben. Korruption und Willkür sind nach wie vor große Hürden auf dem Weg zur Umsetzung, insbesondere indigene Gruppen werden im Kontakt mit der Lokalverwaltung schikaniert. Es erfordert Zeit und hohe Sensibilität, lokale Autoritäten schrittweise einzubinden für einen gleichberechtigten Dialog.

Zu verbessern: Erfolge und die Vernetzung mit anderen Menschenrechtsaktivisten können noch deutlicher sichtbar gemacht werden.

Ziel 2017

Vorbereitung zur Ausweitung des Projekts auf neue Regionen.  

Recht auf Würde

Recht auf Würde

540 Euro machen einen Menschenrechtsrat mit 10 Mitgliedern ein ganzes Jahr lang stark.

Kontakt

Anastasia Rau

Referentin für Grundbildung und Menschenrechte
rau@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-20

"Schulbildung ist wichtig, für alle Mädchen und überall, denn sie trägt zur Entfaltung der Persönlichkeit bei. Kinder-Ehen dagegen schaden nur. Deshalb finde ich den Einsatz von NETZ für die Rechte von Mädchen in Bangladesch hervorragend."