Projektbereich 2: Grundbildung

Zukunftsperspektive für über 29 000 Kinder

Bildung ist elementar: Lesen, Schreiben und Rechnen sind wichtige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Über zwei Millionen Kinder wachsen in Bangladesch ohne diese Perspektive auf – weil sie nicht zur Grundschule gehen. Diese Mädchen und Jungen gehören zu Familien, die in Armut leben. Um das zu ändern, schafft NETZ Zugang zu inklusiver Grundbildung in strukturschwachen Gebieten.

Schulbildung für die Zukunft - Tanjila mit ihrer Mutter Renuka Begum.

233 Grundschulen hat NETZ mit lokalen Partnern 2016 unterstützt – in abgelegenen, von Armut geprägten Regionen. hat NETZ mit Partnerorganisationen 2015 in Bangladesch unterstützt – in abgelegenen, von Armut geprägten Regionen.

29.432 Mädchen und Jungen haben dort qualitativ hochwertige Vor- und Grundschulbildung erhalten – mit Theater, Tanz und Freude an Vielfalt.

Tanjila: Schule statt Standesamt

In der Grundschule war Tanjila eine der Besten. Obwohl ihr Hör- und Sprachvermögen eingeschränkt sind, hat die jüngstevon vier Geschwistern bei der Abschlussprüfung ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Dessen ungeachtet haben die Eltern beschlossen, Tanjila noch minderjährig zu verheiraten. Aus Sorge, dass ihre Beeinträchtigung größer wird und sie später keinen Ehemann findet. Ihre Lehrerinnen sind aufmerksam geworden, nachdem das Mädchen nicht mehr zur Schule kam. Sie suchten das Gespräch mit Tanjilas Eltern und konnten schließlich klarmachen, dass eine Verheiratung dem Mädchen all seine Potenziale nehmen würde. Die Eltern verstanden, dass Tanjila den höheren Schulabschluss schaffen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen kann. Die Hochzeitspläne wurden gestrichen und Tanjila geht nun in die weiterführende Schule.

NETZ fördert vier Schultypen

  1. Anandalok-Schulen werden langfristig in Trägerschaft der Dorfgemeinschaft verwaltet. 180 Kinder besuchen jeweils eine Schule.

  2. Dorfschulen in schwer zugänglichen Regionen: 30 Kinder werden hier zusammen in einfachen Gebäuden unterrichtet.

  3. Unterricht an staatlichen Grundschulen: Bildungs-Sozialarbeiterinnen fördern besonders benachteiligte Kinder.

  4. Vorschulen: zur gezielten Förderung der frühkindlichen Entwicklung.

Ob Kinder mit Behinderung, aus indigenen Bevölkerungsgruppen oder aus den ärmsten Familien – jedes Mädchen und jeder Junge hat ein Recht auf Bildung. Doch gerade sie sind oftmals vom staatlichen Bildungssystem ausgeschlossen. Je ärmer eine Familie ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Kinder nicht zur Schule gehen: die Eltern können die Kosten nicht tragen, die Mädchen und Jungen werden als Arbeitskräfte gebraucht oder der weite Schulweg ist dauerhaft nicht zu bewältigen. Fast jedes zweite Kind schließt die Grundschule nicht ab.

Hier setzt NETZ an: Das Grundbildungsprojekt bringt kinderzentrierte Lehr- und Lernmethoden in abgelegene ländliche Regionen Bangladeschs. Die Schule wird zum wichtigen Bezugs- und Entwicklungsort – hier können sich die Mädchen und Jungen entfalten und ihre Fähigkeiten entdecken. Sie erhalten Schulmaterialien, ohne dass den Eltern dafür Kosten entstehen. Zudem finden ärztliche Vorsorge-Untersuchungen statt, in einkommensschwachen Monaten erhalten die Kinder ein Mittagessen. Der Unterricht folgt dem staatlichen Lehrplan, ergänzt um kreative Methoden. Kinder indigener Gruppen werden auch in ihrer Muttersprache unterrichtet.

Spiel und Spaß sind wichtig - an Anandalok-Schulen können sich die Kinder unabhängig der sozialen Situation ihrer Familie entwickeln.

Von großer Bedeutung sind Einbeziehung und Teilhabe der Lokalbevölkerung. Eltern, Nachbarn, Lehrkräfte und andere engagierte Menschen aus der Umgebung organisieren sich in Schul- Komitees zur Förderung der Schule und des Umfelds, dafür werden sie zusätzlich geschult. 2016 haben die Komitees insgesamt 18.547 Euro Spenden eingeworben und in die jeweiligen Schulfonds der 33 Anandalok-Schulen eingezahlt. Damit finanzieren sie Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Reparaturarbeiten an den Schulgebäuden – der wichtige Schritt zur nachhaltigen Finanzierung.

Das Bildungsprogramm 2016 im Überblick

Was und wer wurde erreicht?

Unterricht an insgesamt 233 Grundschulen ermöglicht und verbessert.

29.432 Kinder; 4.017 davon haben die Grundschul-Abschlussprüfung abgelegt  

100 Vorschulen für frühkindliche Entwicklung. 

3.115 Mädchen und Jungen.

Unterricht an Anandalok-Grundschulen in Trägerschaft der Dorfgemeinschaft. 

4.793 Kinder.

Bildungsqualität an 100 staatlichen Grundschulen verbessert. 

18.628 Mädchen und Jungen darunter viele aus Familien in Armut. 

Schulungen in kinderzentrierten Lehr- und Lernmethoden. 

309 Lehrkräfte nahmen an regelmäßigen Weiterbildungen teil.

Projektwirkung

Sehr gut: 100 Prozent der Kinder an Anandalok-Schulen, die 2016 ihre Grundschul-Abschlussprüfung ablegten, haben bestanden, 86 Prozent mit Bestnote. Diese Leistung von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen ist im nationalen Verleich hervorragend.

Wegweisend: Eine schwere Flut hat im Juli 2016 Projekt-Schulen beschädigt. Gemeinsam mit den Partnern haben die jeweiligen Schul-Komitees die 17 betroffenen Gebäude wieder aufgebaut und renoviert. Zwei Schulen konnten nach Flutschäden in Nachbardörfern neu errichtet werden. 

Herausfordernd: Für Mädchen der Klassen 4 und 5 ist Frühverheiratung ein häufiger Grund, die Schule abzubrechen. Jungen müssen oft saisonbedingt auf dem Feld arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Um das zu verhindern, ist die Einbindung der Eltern in den Schulbetrieb essenziell: durch Hausbesuche, Treffen mit Lehrkräften sowie die Mitgliedschaft in Schulkomitees wird dies sichergestellt.

Zu verbessern: Drei Prozent der Kinder haben die Schule verlassen. Die meisten setzen den Bildungsweg an einem neuen Wohnort fort, denn auf der Suche nach Arbeit oder weil ihr Haus durch Flusserosion zerstört wurde, sind die Familien weggezogen. Andere Kinder wurden zu Hause als Arbeitskraft gebraucht; Lehrkräften und Schulkomitees gelang es nicht, dies zu verhindern. 

Ziele 2017

  1. Unterstützt durch BMZ, Stiftungen und Spender ermöglicht NETZ 39.000 Kindern den Schulbesuch.

  2. 826 Schulkinder an 33 Anandalok-Schulen bereiten sich auf den Abschluss 2017 vor. 

  3. 21 Kinder aus Slumgebieten von Dhaka erhalten qualitativ hochwertige Vorschulbildung. 

  4. NETZ weitet Partnerschaften für hochwertige Bildung aus, u.a. mit dem Bildungsnetzwerk CAMPE in Bangladesch, der deutschen Stiftung Childaid Network und German Doctors.

Jedes Kind braucht Bildung

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WeltKlasse!

Partnerschaft mit Schulen in Bangladesch

Über das NETZ-Partnerschaftsprogramm WeltKlasse! haben Unterstützer in Deutschland und Österreich 2016 insgesamt 89 Grundschulen in Bangladesch gefördert. Zu den Unterstützern zählen Kirchengemeinden, Schulen, Vereine, Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen. Weitere Infos unter: www.bangladesch.org/weltklasse

Kontakt

Anastasia Rau

Referentin für Grundbildung und Menschenrechte
rau@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-20

Auf der Suche nach einer für mich passenden Entwicklungs-organisationen fiel mir NETZ durch differenzierte Informationen und Berichterstattung auf.