Projektbereich 1:
Ein Leben lang genug Reis

200.000 Menschen haben mehr Nahrung und mehr Rechte

Hunger ist in Bangladesch für Millionen Menschen Realität. Familien vor allem in strukturschwachen ländlichen Regionen sind betroffen. Mütter können ihre Kinder nicht mit genügend Essen, Kleidung und Medizin versorgen. Weil ihre elementaren Rechte missachtet werden. Diese Situation dauerhaft zum Positiven zu ändern, ist möglich. Mit Starthilfe bauen sich Familien zukunftssichere Existenzen auf, in Selbsthilfe-Organisationen gestalten die Frauen das Leben in ihren Dörfern mit. NETZ unterstützt sie dabei.

Der Kartoffelvorrat bringt Sicherheit für Tamsila Begums Familie

50.952 Familien hat NETZ 2016 unterstützt, dauerhaft eigenes Einkommen zu erwirtschaften und sich selbstständig vom Hunger zu befreien – darunter auch Familien in den indischen Bundesstaaten Westbengalen und Jharkhand.

192.749 Menschen haben dadurch mehr Einkommen und bessere Nahrung.

526 Familien hat NETZ 2016 neu in das Programm aufgenommen.

Tamsila Begum: Vom Hunger zur Selbsversorgung

„Wir haben den ständigen Hunger überwunden – jetzt können wir in Würde leben“, sagt Tamsila Begum aus dem Dorf Ichly. Ihr größter Wunsch war es, abends ohne das lähmende Gefühl des Mangels zu Bett gehen zu können: „Die Familie sollte endlich satt werden“. Das hat Tamsila Begum geschafft. Grundlage war das Startkapital – eine Kuh, Hühner und Saatgut. Die kleine Landwirtschaft, die sie aufgebaut hat, wuchs beständig und ist heute Lebensgrundlage, berichtet die zweifache Mutter. Ein Reis- und Kartoffelspeicher steht im Haus. Daneben hat Tamsila Begum Nähzeug angeschafft und fertigt Hemden, die ihr Mann auf dem Markt verkauft.

Gemeinsam stark gegen Unrecht: Frauen in Balapara

Das NETZ-Projekt verbindet: Frauen, die mitmachen, gründen Dorfgruppen für die gegenseitige Unterstützung. Die Gruppen wiederum schließen sich zu Selbsthilfe-Verbänden zusammen und vertreten die Belange der ärmsten Bevölkerung einer ganzen Region. „Es gibt noch viele Arme, so wie wir einst“, sagt Mazeda Begum, Vorsitzende des Selbsthilfe-Verbands Balapara. „Denen helfen wir nun, nachdem wir es selbst geschafft haben“. Die Frauen wissen am besten: Armut ist nicht selbst verschuldet. Sie fordern, dass Sozialleistungen an Bedürftige ausgezahlt werden, treten Korruption in Behörden entgegen und unterbinden Kinder-Ehen. Zu jedem Treffen bringen die Frauen eine Handvoll Reis mit, aus diesen „Reisbanken“ unterstützen sie Familien, die in Not geraten. Aus selbstverwalteten Kredittöpfen geben sie Anschub für neue Investitionen in Landwirtschaft und Handwerk.

Ansatz und Methoden des Projekts veröffentlicht NETZ für Praktiker, Experten und andere Interessierte detailliert auf www.end-extreme-poverty.org.

 

Programm "Ein Leben lang genug Reis"

Wer und wer wurde erreicht?
Aufbau von Selbsthilfe-Strukturen der Menschen in extremer Armut.50.952 Frauen haben sich in 2.593 Dorfgruppen organisiert.
Schulungen: Landwirtschaft und Viehzucht, Gründung kleiner Geschäfte, Frauen- und Bürgerrechte, Gesundheitsvorsorge.14.660 Frauen haben teilgenommen und ihr Wissen zu eigenen Rechten und nachhaltiger Einkommensschaffung vertieft.
Die 50.952 Familien erzielen mit ihrem Startkapital und gestärkt durch die Schulungen dauerhaft eigenes Einkommen.

Über 192.000 Familienmitglieder haben eine wesentlich verbesserte Ernährung.

Startkapital: Kühe, Ziegen, Hühner, Saatgut, eine Rikscha oder Pachtland für den Anbau von Reis und Gemüse.

526 Familien hat NETZ 2016 neu in das Programm aufgenommen.

Die Frauen sind Akteurinnen der Dorfentwicklung, setzen ihre Rechte und die Anliegen von benachteiligten Menschen durch.

In 23.311 Fällen haben Familien mit Beistand der Dorfgruppen die staatlichen Sozialleistungen erhalten, die Ihnen zustehen.

Sie engagieren sich für eine Lokalpolitik zugunsten der Ärmsten.

Die Dorfgruppen haben 240 Selbsthilfeverbände gegründet, die in der Lokalpolitik Gehör finden.

 

 

Projektwirkung

Sehr gut: 35 Selbsthilfe-Verbände haben bereits eigene Mitarbeiterinnen für die Buchführung ihrer Kreditfonds angestellt. 15 Projektteilnehmerinnen hat die Dorfbevölkerung in Gemeindeparlamente gewählt, um dort ihre Interessen zu vertreten. 

Wegweisend: 62,8 Tonnen Reis haben die Dorfgruppen in „Reisbanken“ gesammelt. Landlose Familien haben sich das Nutzungsrecht für 48,7 Hektar staatliches Land erstritten. Im Distrikt Joypurhat haben indigene Frauen durchgesetzt, für ihre Feldarbeit den gleichen Lohn wie Männer zu erhalten.

Herausfordernd: Der Kampf gegen strukturelle Ursachen von Hunger wie Landraub oder Korruption in Behörden ist komplex, denn er stellt Machtverhältnisse infrage. Bis Menschen in Armut ihre Rechte erhalten und an demokratischen Entscheidungen gleichberechtigt teilhaben, ist es ein weiter Weg. Dafür benötigen Selbsthilfe-Organisationen intensive Unterstützung. Wenige Institutionen sind bereit, solche langfristigen Empowerment- Prozesse zu fördern. 

Zu verbessern: In zwei Selbsthilfe-Verbänden stagniert die Tätigkeit aufgrund interner Konflikte.

Konkreter Plan der Balapara Selbsthilfeorganisation

Ziele 2017

1. NETZ stärkt weiter die Selbsthilfe und gesellschaftliche Teilhabe von fast 51.000 Frauen, die derzeit im Projekt mitmachen. Ab 2019 übernehmen ihre Selbsthilfe-Organisationen alle Verantwortung.

2. Gemeinsam mit Teilnehmerinnen und Partnerorganisationen aktualisiert NETZ die Projektkonzeption. Im Anschluss wird ein Ausweitungsprojekt entwickelt, durch das weitere Familien Unterernährung überwinden und ihre Rechte erstreiten können.

3. Die Ärmsten leiden am stärksten unter den Folgen des Klimawandels. NETZ entwickelt ein Pilot-Projekt im Süden Bangladeschs, wo die Situation besonders prekär ist.

Ein Leben lang genug Reis

Ein Leben lang genug Reis

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"Projekte die den Menschen in Bangladesch helfen aus der Armut zu entkommen beeindrucken mich und den Einsatz auf politischer und gesellschaftlicher Ebene finde ich bewundernswert."

Kontakt

Philipp Kappestein

Teamleiter Existenzgründung und Empowerment
kappestein@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-0