Klimawandel im Fokus der Bangladesch-Tagung 2017

„Wir müssen viel mehr hinterfragen“

In der gemeinsamen Podiumsdiskussion gehen die Teilnehmenden der Bangladesch-Tagung der Frage nach: Was muss sich an globalen Strukturen ändern, damit ein Klima der Gerechtigkeit entstehen kann?

Frankfurt – „Dann muss ich mein Bild davon ja grundsätzlich überdenken“, fasst ein Gast aus dem Publikum zusammen und erntet Zustimmung von vielen Seiten. Klimawandel erscheine ihm vor diesem Hintergrund ja nochmal in einer ganz anderen Dimension. Und er ist einer von vielen. Zur Bangladesch-Tagung von NETZ e.V. haben die vielen Beiträge, Fragen und Gespräche offenbart: Das, was wir gemeinhin als Klimawandel bezeichnen, ist sehr viel komplexer – und viele Akteure haben ihren Anteil daran.

Zur diesjährigen Bangladesch-Tagung hatte NETZ es sich zum Ziel gemacht, den Klimawandel genauer zu betrachten. Die Folgen dessen treffen Menschen in Bangladesch, insbesondere Kleinbauern, indigene Gemeinschaften und Menschen in extrem abgelegenen Regionen – die meisten leben in Armut. Wirbelstürme, Dürren und Überschwemmungen gefährden die Lebensgrundlage von Millionen. Die Szenarien für Bangladesch sind besorgniserregend, doch ist allein das Klimawandel?

Es gehört mehr dazu, das erklärt Prof. Dr. Gregor Falk vom Geografischen Institut der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Sein Eingangsvortrag bietet eine sehr gute Grundlage für das Tagesprogramm. „Den Klimawandel gibt es schon seit Ewigkeiten“, erklärt Falk. „Das ist nichts Neues.“ Er erklärt zunächst die extremen Wetterbedingungen, mit denen die Menschen im Gangesdelta seit jeher zurechtkommen und nach und nach offenbaren sich andere Gründe, warum die Entwicklungen heute so bedrohlich sind: vor allem durch menschengemachte Veränderung.

Angefangen bei der massiven Abholzung von Mangroven in den Sundarbans über Versalzung der Böden durch Shrimpzucht-Farmen bis hin zur Versiegelung natürlicher Flächen durch Industriebau. Viele lokale Verfehlungen – in die durchaus auch internationale Investoren und Unternehmen involviert sind – führen dazu, dass Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren. Hinzu kommen die globalen Ursachen wie der vermehrte Schadstoffausstoß. Doch für alle Verfehlungen werde leider allzu oft der Klimawandel als allgemeiner Sündenbock herangezogen, erklärt Falk. Ohne das Ursachen-Wirkungsgefüge zu hinterfragen. Fatal sei auch, dass den betroffenen Menschen in Bangladesch auch aufgrund dieser vereinfachten Sichtweisen jegliche Handlungsfähigkeit abgesprochen werde.

Dass das keineswegs so ist, wurde zum anschließenden Themen-Marktplatz deutlich. An fünf Ständen konnten die Tagungsgäste ihr Wissen durch bebilderte Kurzimpulse vertiefen: Tibor Aßheuer von der Universität Salzburg erklärte etwa, wie Bewohner in Dhakas Slums ihre Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen stärken.

Mit dem Blick auf die Menschen in ländlichen Regionen erklärt Habibur Rahman Chowdhury, Leiter des NETZ-Teams in Bangladesch, welche Mechanismen die Betroffenen entwickeln, um Naturkatastrophen und den Folgen zu trotzen: sie legen Vorräte an, bauen Häuser erhöht und somit flutsicher und setzen auf Artenvielfalt beim Anbau und passen die Gemüsezucht den veränderten Witterungsbedingungen an.

Am Nachmittag brachten die Gäste ihre Anregungen und Fragen bei der spannenden Publikumsdiskussion ein und hier wurde deutlich: der Klimawandel in Bangladesch kann nicht nur als Wetterveränderung verstanden werden, sondern bedeute auch sozialen und gesellschaftlichen Wandel. Und hier muss genau hingesehen werden: Passen die wirtschaftlichen Ambitionen des Landes zusammen mit Umwelt- und Ressourcenschutz?  Wo gibt es Bewegungen für den Naturschutz, welche Menschenrechtsgruppen arbeiten darauf hin, dass die am meisten von Folgen des Klimawandels Betroffenen Unterstützung bekommen? Schnell kam die Sprache auch auf eigene Handlungsoptionen, denn es wurde deutlich, dass Verantwortung für die Entwicklungen eine globale Frage ist.

In Gruppenarbeiten zum Ende der Tagung haben die Gäste dann daran gearbeitet: Welche Möglichkeiten habe ich in meinem eigenen Umfeld, für Klima- und Umweltschutz und für Nachhaltigkeit werben und selbst entsprechend zu handeln. Die Ideen waren vielfältig: Plastik vermeiden, Lokalpolitiker zum Thema ansprechen, kritisch darauf achten, welche Geschäfte die Hausbank mit dem eigenen angelegten Geld macht. Wir haben vieles in der Hand.

Kontakt

Dagmar Schwarze-Fiedler

Dialog mit Spenderinnen und Spendern
schwarze-fiedler@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-10

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