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Eisenfresser - NETZ Sonderausgabe zum Film

Eisenfresser - NETZ Sonderausgabe zum Film

2007 | Mit seinem Film "Eisenfresser" kehrt der Regisseur Shaheen Dill-Riaz an den Ort seiner Kindheit zurück - den einstmals weißen Strand von Chittagong. Heute findet er dort die Schiffsabwrack-Zone von Bangladesch. In erschreckenden Bildern zeigt er persönliche Schicksale, die mit dem Massenszenario der Entsorgung von Ozean-Riesen untrennbar verflochten sind.

Der Regisseur über seinen Film: "Vor 20 Jahren habe ich den Spielplatz verlassen, der jetzt ein Schiffsfriedhof ist. Karim, mein Schulfreund, der mit Hammer und Schweißgerät vor einem zweiundfünfzigtausend Tonnen schweren Schiff steht, sagt: ‚Wenn du Hunger hast, kannst du alles essen, auch wenn es Eisen ist'. Wie er arbeiten Tausende von Männern in der Abwrack-Zone. Westliche Medien berichten über Umweltzerstörung und gefährliche Arbeitsbedingungen. Aber für die Freunde aus meiner Jugendzeit, die jetzt ‚Eisenfresser' sind, steht das Überleben im Mittelpunkt. Mit dem Film versuche ich, mich ihnen zu nähern und die Welt mit ihren Augen zu zeigen. Es ist nicht nur die Arbeitsprozedur, die diese Welt so eigen macht, sondern auch die bewundernswerte Kraft, die diese Menschen haben. Da stehen urmenschliche Gestalten mit primitiven Werkzeugen vor dem Abfall der Zivilisation, den sie bis auf die letzte Schraube wieder verwerten. Es ist mühsam, es ist lebensgefährlich, es ist eigentlich nicht zu schaffen. Aber sie schaffen es trotzdem - seit vielen Jahren."

Als mir der in Berlin lebende Shaheen Dill-Riaz von der Fertigstellung seines neuen Werkes erzählte, war mir rasch klar, dass wir als Bangladesch-Organisation aktiv werden müssen. Täglich erleben wir in unserer Arbeit in dem südasiatischen Land, wie lokale Macht-Struktuen die Ärmsten im Elend gefangen halten. In der größten Abwrack-Zone der Welt gehen diese Strukturen einen fatalen Pakt mit den Mechanismen des globalen Marktes ein. Die Arbeiter sind die geschundenen Verlierer. Ich danke der Journalistin Brigitte Schmid-Gugler für ihre mehrmonatige Recherche vor Ort. Von ihr stammen die Beiträge in dieser NETZ-Sonderausgabe über die Arbeitswelt der Abwracker.

Keiner der Abwracker möchte seinen Job verlieren, so lange er keine Alternative hat. Doch es gibt sie. Denn der Hunger in den nördlichen Distrikten Gaibandha und Kurigram, der Familienväter zum Geldverdienen in die Abwrack-Zone treibt, kann überwunden werden, wie Entwicklungsprojekte zeigen. Zudem ist es technisch problemlos möglich, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Jeder Reeder, der ein Schiff entsorgen lässt, steht hier in der Verantwortung. Und ein Stück weit auch jeder Europäer, dessen Jeans, CD-Spieler oder Bananen auf dem Weg ins Verkaufsregal mit einem Container-Schiff über die Weltmeere transportiert worden sind.

Peter Dietzel

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In meinen Filmen geht es um die Zustandsbeschreibung der Gesellschaft und wie die Menschen unter diesen Bedingungen leben. Genau das berücksichtigen die NETZ-Projekte besonders. Mir liegt viel daran, dass meine Filme diese unterstützen.