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Kein Schutz in Sicht? Flucht und Fluchtursachen in Bangladesch

Kein Schutz in Sicht? Flucht und Fluchtursachen in Bangladesch

01-2016 | Kaum etwas hat im vergangenen Jahr und bis heute nachwirkend die Öffentlichkeit hierzulande so sehr beschäftigt wie das Thema Flucht. Die Vielzahl an Menschen, die nach Europa und Deutschland kamen, um Schutz zu suchen vor Krieg, Verfolgung und Diskriminierung, ist Gegenstand zahlreicher Debatten geworden. Von Mitgefühl und Unterstützung bis zu Ablehnung und Gewalt reichen die Reaktionen.

Dass diese Menschen Deutschland vor unlösbare Probleme stellen, wie Rechtspopulisten immer wieder Stimmung machen, ist Unsinn – genauso wie das Bild der vermeintlich  „unaufhaltsamen Flüchtlingsflut“, das all jene teils schwer traumatisierten Menschen pauschal diffamiert. Zweifellos wird der Zuzug derer, die bleiben können, unsere Gesellschaft verändern. Aber wie sich die Veränderung gestaltet, haben wir selbst in der Hand.

Was oft als Flüchtlingskrise bezeichnet wird, ist auch eine Rückwirkung weltweiter Unrechtsstrukturen auf den Globalen Norden, die dieser durch aggressive Handels- und Außenpolitik selbst geschaffen hat. Laut Vereinten Nationen sind derzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Doch Flucht ist nicht erst jetzt ein wichtiges Thema. Seit Jahrhunderten flüchten Menschen in der ganzen Welt vor Kriegen, Hunger und Unterdrückung, auf der Suche nach Arbeit und einer Perspektive.

Die Geburtsstunde Bangladeschs ist verbunden mit einer der großen Flüchtlingsbewegungen im 20. Jahrhundert. Im Unabhängigkeitskrieg 1971 flohen bis zu zehn Millionen Menschen, darunter sehr viele Hindus, vor den Gräueltaten des pakistanischen Militärs und ihrer Kollaborateure ins benachbarte Indien.

Wie sieht es heute aus? Menschen fliehen aus Bangladesch vor Verfolgung – insbesondere Blogger boten jüngst Beispiele – oder weil ihnen als Minderheiten grundlegende Rechte vorenthalten werden. Andere verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit.

Um dies zu ändern, müssen Fluchtursachen verstanden und behoben werden: Der Einsatz gegen strukturelle Ursachen von Armut wie Korruption und die Missachtung grundlegender Rechte muss gestärkt werden.

Aber Bangladesch ist auch ein Fluchtziel. Hunderttausende Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit aus dem benachbarten Myanmar haben sich in Bangladeschs Südosten niedergelassen – weil sie in ihrem Ursprungsland nicht als Bürger anerkannt werden. Lesen Sie dazu die Geschichte von Sayed Alam, die Ulrike Märkel recherchiert hat, auf den Seiten 6 und 7. Ab Seite 8 beschreiben Lena Boeck und Elisabeth Olfermann die gefährliche Fluchtroute durch den Golf von Bengalen.

Flucht ist nicht immer etwas Internationales. Auch im eigenen Land werden Menschen vertrieben – beispielsweise von Brigaden der bangladeschischen Grenzsicherung. Den Fall schildert das Dighinala-Landschutzkomitee (Seiten 11 bis 14). Über den indischen Zaun entlang der Landgrenze zu Bangladesch lesen Sie auf den Seiten 15 bis 18.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Sven Wagner

 

 

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