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Halbierung der Armut bis 2015

Halbierung der Armut bis 2015

4-2004 | Aufregung unter den Frauen in Bhola-Sadar im Süden Bangladeschs: Sie beschweren sich über die schlechte Gesundheitsversorgung in ihrem Dorf. Einmal pro Woche, so sagen sie, sollte ein Arzt die hiesige Krankenstation aufsuchen und die Armen behandeln. Meistens kommt der Arzt gar nicht. Wenn er kommt, setzt er lediglich seine Unterschrift unter ein Stück Papier, um zu beweisen, dass er seine Aufgabe erfüllt hat. Dann verschwindet er wieder. Behandlungen finden nicht statt. Seine Zeit ist zu wertvoll, um sie mit Armen zu verbringen. In der Stadt gibt es zahlungskräftigere Patienten. Der Bürgermeister der Gemeinde ist ebenfalls in der Dorfversammlung zugegen. Ungeheuerlich sei das, was er da zu Gehör bekäme. Er wisse gar nicht, dass der Arzt aus der Stadt seine Pflichten vernachlässige. Wirklich? Es ist unwahrscheinlich, dass ihm diese Vorgänge entgangen sind. Doch er muss sein Gesicht wahren. Er verspricht, dass er sich umgehend kümmern werde...

Gleich, ob es um Zugang zu Gesundheit, Bildung oder zu Lebensmittelkarten geht: Aus jedem der 87.000 Dörfer Bangladeschs können Ihnen die Menschen jeden Tag solche Vorfälle berichten.

Im Jahr 2000 haben die Vereinten Nationen die Millenniums-Entwicklungsziele verabschiedet: Bangladesch war mit dabei und hat sich dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2015 die Armut spürbar zu reduzieren. Wo steht Bangladesch heute, fünf Jahre nach dem Treffen der Regierungs-Chefs? Welche Erfolge sind sichtbar? Kann Bangladesch die Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015 erreichen? Diesen Fragen geht die vorliegende NETZ-Ausgabe nach. Dabei konzentrieren wir uns auf die Millenniums-Entwicklungsziele 1 bis 5. Sie sind für Bangladesch besonders bedeutsam. Wir untersuchen dies beispielhaft anhand des Distrikts Bhola, der im Golf von Bengalen liegt, und des Distrikts Netrakona im zentralen Norden des Landes. Denn vor Ort, bei den betroffenen Menschen, wird am stärksten offensichtlich, welche Probleme zur Erreichung der Ziele aus dem Weg geräumt werden müssen.

Vor allem muss der politische Wille vorhanden sein, die Armut zu reduzieren. Dazu bedarf es einer Politik, die die Rechte der Armen schützt. Sie dürfen nicht Opfer von Strukturen werden, die sie immer weiter an den Rand der Gesellschaft drängen. Nur so können die Millenniums-Entwicklungsziele erreicht werden.

Auch die deutsche Bundesregierung steht in der Verantwortung. Aufbauend auf den Millenniums-Entwicklungszielen hat sie das Aktionsprogramm 2015 ins Leben gerufen. Das Aktionsprogramm betont unter anderem die Erhöhung der Teilhabe der Armen am wirtschaftlichen Wachstum als Ansatzpunkt zur Halbierung extremer Armut. Aus dieser Richtung müsste mehr kommen.

Armutsbekämpfung ist eine internationale Gemeinschaftsaufgabe. Möglichst viele Menschen in Bangladesch und in Deutschland müssen sich bewusst werden, dass die Millenniums-Entwicklungsziele eine einmalige Chance bieten, Armut spürbar zu reduzieren. Diese Möglichkeit darf nicht verpuffen. Um die 2015-Ziele zu erreichen, bleiben noch zehn Jahre. Jetzt aber los!

Mit freundlichen Grüßen Dirk Saam

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