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Experten fürs Leben - Alte Menschen in Bangladesch

Experten fürs Leben - Alte Menschen in Bangladesch

4-2011 | Überall auf der Welt werden die Menschen immer älter. Dieser globale Trend gilt als Zeichen des Fortschritts. Die durchschnittliche Lebenserwartung wird darum auch als ein Indikator für den Entwicklungsstand einer Gesellschaft herangezogen. Gleichzeitig bringt das Älterwerden aber große Herausforderungen mit sich: Wer kümmert sich um die Senioren, wenn sie pflegebedürftig werden? Wie viele alte Menschen können die sozialen Sicherungsnetze tragen, bis sie reißen? Achten wir die alten Menschen in unserer Mitte, indem wir ihnen einen menschenwürdigen Lebensabend ermöglichen oder betrachten wir sie als Hemmnisse des Fortschritts und gewähren ihnen lediglich einen Platz am Rande unser Gesellschaft?

Was in Deutschland durch den Ausbau des Sozialstaates in den 1960er und 1970er Jahren heute ein kontrovers und vieldiskutiertes Thema ist, bleibt in Bangladesch allenfalls eine politische Randnotiz. Rente bekommen in Bangladesch fast ausschließlich ehemalige Beamte. Zwar gibt es eine staatliche Beihilfe für extrem arme alte Menschen, doch reicht diese bei weitem nicht für den Lebensunterhalt – und sie erreicht auch nur wenige Menschen. Dabei ist die absolute Zahl alter Menschen in Bangladesch mit 10 Millionen schon jetzt signifikant. Der Prognose, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2025 fast verdoppelt haben wird, dürfen sich die politischen Entscheidungsträger nicht länger verschließen.

Traditionell verbringen alte Menschen in Bangladesch ihren Lebensabend im Kreis der Familie, die Verantwortung für ihr Wohlergehen übernehmen. Doch die bangladeschische Gesellschaft ist im Wandel. Werte und Familienstrukturen ändern sich. Paart sich dieser Trend mit Armut und politischer Passivität, dann entsteht ein Vakuum an Verantwortung, das vielen Älteren die Lebensgrundlage nimmt. Politik und Gesellschaft sind gefordert die Herausforderung zu identifizieren und anzugehen.

Ab Seite 4 berichtet Sven Wagner von der Lebenssituation und den Herausforderungen, denen sich extrem arme alte Menschen im ländlichen Bangladesch tagtäglich konfrontiert sehen.

Über die Mängel der staatlichen Unterstützung und den sich wandelnden sozialen Status alter Menschen berichtet A.S.M. Atiqur Rahman, Professor am Institut für Soziale Arbeit an der Universität von Dhaka (Seiten 8-9). Einblicke in den Alltag einiger ausgewählter alter Menschen lesen Sie ab Seite 10.

Die Arbeit der Organisation HelpAge und die Hürden, die es Bangladesch zu überwinden gilt, um die Lebenssituation alter Menschen in Bangladesch zu verbessern, thematisiert Landesdirektorin Nirjharinee Hasan im Gespräch mit NETZ ab Seite 12. NETZ-Mitarbeiter Dirk Saam informiert ab Seite 20 über die aktuelle politische Situation in Bangladesch.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Kai Fritze, Redaktionsmitglied

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