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Flechten am sozialen Netz - Soziale Sicherung in Bangladesch

Flechten am sozialen Netz - Soziale Sicherung in Bangladesch

3-2010 | Wie hoch ist das Existenzminimum in Deutschland und was folgt daraus für den Staat, um Bedürftige dabei zu unterstützen, ihre materiellen Bedürfnisse zu befriedigen? Wie kann der Staat darüber hinaus ihr Recht auf Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben gewährleisten? Deutschland diskutiert gegenwärtig, ob Kinder von Bedürftigen Gutscheine erhalten sollen, damit sie Bildungs- und Freizeitangebote wahrnehmen können.

Und in Bangladesch? Hartz IV für 30 Millionen extrem Arme? Grundschule per Gutschein? Leistungen im Rahmen des staatlichen Sicherungsnetzes werden vermehrt als Instrument der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern angesehen. In Bangladesch bilden die Familien, die Nachbarn und die Dorfgemeinden das wichtigste Netz zur sozialen Grundsicherung für Menschen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen zu führen. Verwandte, Nachbarn oder Gemeindemitglieder nach Unterstützung zu fragen, hat aber in Bangladesch seit jeher auch Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen und Machtstrukturen manifestiert. Und in vielen Fällen ist das soziale Umfeld selbst so arm, dass nicht geholfen werden kann.

Bangladesch baut gegenwärtig ein System staatlicher Unterstützungsleistungen für Bedürftige auf. Doch wie funktioniert das soziale Sicherungsnetz in einem Land, in dem 30 Millionen Menschen extrem arm sind. Und sind staatliche Transferleistungen ein wirksames Instrument zur Reduzierung extremer Armut?

Ab Seite 6 zeigt die NETZ-Freiwillige Lisa Wevelsiep, welche Probleme Dorfbewohner beim Zugang zu Transferleistungen haben. Bangladesch-Experte Peter Davis erklärt auf den Seiten 8-11 welche Mechanismen dafür sorgen, dass Anspruchsberechtigte von Programmen zur sozialen Sicherung häufig nicht von diesen profitieren. Hierzu nimmt auch der renommierte Wissenschaftler Binayak Sen vom Bangladesh Institute for Development Studies im Interview ab Seite 12 Stellung.

Peter Dietzel und Kai Fritze zeigen schließlich (Seite 15 folgend), wie Dorfbewohner Druck von unten aufbauen, um Zugang zu Alten- oder Witwenrenten zu erstreiten. Außerdem zeigen sie, wie Programme der sozialen Sicherung Bestandteil einer sich auf Selbsthilfe konzentrierenden Entwicklungszusammenarbeit sein können.

Ab Seite 20 finden Sie Neuigkeiten zur Arbeit der Ehren- und Hauptamtlichen von NETZ und Aktionen in Bangladesch und Deutschland.

Meghna Guhathakurta, Wissenschaftlerin aus Bangladesch, hat als Kind den bangladeschischen Unabhängigkeitskrieg von 1971 miterlebt und ihre Erlebnisse in einem Zeitzeugenbericht festgehalten. Die eindrucksvolle Dokumentation ist ab Seite 25 zu lesen.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Dirk Saam, Referent für Entwicklungspolitik

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