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Gleichberechtigung / Friedensnobelpreis

Gleichberechtigung / Friedensnobelpreis

3-2006 | Es ist später Nachmittag in Jessore. Die Sonne senkt sich über der Distrikt-Stadt und taucht alles in ein gelb-orangenes Licht. Einige Rikschas fahren vorbei und klingeln laut. Der Mann mit Megafon kündigt das Abendprogramm des Kinos an. Wenige Autos sind unterwegs.

„Fillllliiiiisssss“ tönt es von der anderen Straßenseite. „Hey Filliiisss“. Ich hebe nur die Hand und grinse rüber zu Manik, der am Tee-Stand hantiert, und trotz seiner gerade mal zehn Jahre schon wie eine Art König in diesem Straßenabschnitt auftritt. Aber heute zieht es mich nicht zu Manik’s Tee-Bude, sondern zu der von Zafik Hossein, gleich neben dem Gästehaus in dem ich wohne, wenn ich mich in Jessore aufhalte.

Zafik sieht mich schon von weitem. „Geht’s jetzt los?“ fragt er. Ich nicke, und während der Teeverkäufer mir einen süßen Tee mit Milch zubereitet, krame ich meine Fragen für das Interview hervor: Die Rolle der Frau in der bangladeschischen Gesellschaft und Familie. Ein ungewöhnliches Gesprächsthema für Männer? Vielleicht sogar etwas zu heikel? Reagieren sie empört, wenn ich als Europäer mich kritisch mit ihren gesellschaftlichen Normen und Werten auseinandersetze? Ich weiß es nicht. Aber irgendwie hoffe ich, dass ich nicht allzu viel Aufmerksamkeit errege. Doch bereits während ich die erste Frage stelle, sammeln sich mehrere Leute an, um zu sehen, was hier passiert. Sie reden untereinander über mich und manchmal auch mit meinem Interview-Partner. Ich bin etwas angespannt. Zafik lässt sich überhaupt nicht stören. Er bereitet mehrere Tees für das neue Publikum zu und beantwortet meine Frage mit einem leichten Schmunzeln.

„Wer trifft die Entscheidungen in ihrer Familie?“ will ich von Zafik wissen. Kommentare von meiner linken und rechten Seite! Zunächst fühlte ich mich gestört, aber dann bin ich erstaunt. Die Leute diskutieren mit – sachlich, und sind wohl auch ein bisschen amüsiert, dass ich solche Fragen stelle. Da stehen die zwei Tagelöhner in ihren traditionellen Lungis und widersprechen heftig zwei Angestellten der Kleinkreditabteilung einer NGO. Zafik ist clever und sucht sich den Mittelweg.

Die Rolle der Frau in der Familien und der Gesellschaft Bangladeschs: Hier am Tee-Stand ist man sich darüber nicht einig. Auch während weiterer Gespräche mit Männern aus verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen fällt mir auf, dass man(n) gespalten über die aktuelle Entwicklung ist. Doch etwas wird mir immer klarer: Alle nehmen wahr, dass sich die Rolle der Frau in der bangladeschischen Gesellschaft wandelt.

Die Meinungen der Männer können Sie als Ausklang unseres heutigen Themenschwerpunkts lesen. Zuvor kommen in dieser NETZ-Ausgabe über Gleichberechtigung Frauen zu Wort, die über Veränderungen während der letzen Jahre berichten und über die aktuelle Situation in Bangladesch.

Es grüßt Sie

Felix Gossrau

In dieser NETZ-Ausgabe lesen Sie auch:

  • Muhammad Yunnus und Grameen Bank mit Friedensnobelpreis geehrt
  • Armut ins Museum? Kleinkredite können viel - aber nicht alles

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