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Flickenteppich Textilindustrie. Zwei Jahre nach Rana Plaza passt vieles nicht zusammen.

Flickenteppich Textilindustrie. Zwei Jahre nach Rana Plaza passt vieles nicht zusammen.

"Die Zustände haben sich kaum verbessert", "Viele Opfer sind nicht entschädigt", "Textilindustrie hat nichts gelernt", titelten deutsche Tageszeitungen und Nachrichtensender anlässlich des zweiten Jahrestagesdes Einsturzes des Rana-Plaza-Gebäudes, in dem am 23. April 2013 1.134 Menschen ums Leben gekommen sind. Diese Schlagzeilenreflektieren das Gefühl, dass viele Anstrengungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungenfür die vornehmlich weiblichen Näherinnen in Bangladeschs Textilfabriken seitdem ins Leere gelaufen sind.

In der Tat hätte in zwei Jahren mehr passieren müssen. Nur in Etappen und nach viel Überzeugungsarbeit haben sich deutsche und internationale Einkäufer auf Entschädigungszahlungen eingelassen- aber längst nicht alle und auch nicht in erhofftem Ausmaß. In Bangladesch haben eine neue Arbeitsgesetzgebung und höhere Löhne für Hoffnung gesorgt. Diese musste alsbald einer Ernüchterung weichen, weil vieles, was auf Papier steht, in der Realität kaum Anwendung findet. Die Sicherheit in den Fabriken habe sich durch weitreichende Überprüfungen verbessert, sagen Betroffene in Bangladesch, ihre Lebensbedingungen seien aber unverändert schlecht und Arbeitsrechte könnten sie nach wie vor kaum wahrnehmen.

Ab Seite 6 gibt die Wissenschaftlerin Fahmida Khatun einen Überblick über die Maßnahmen, die seit April 2013 ins Leben gerufen wurden, um die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Bangladesch zu verbessern. Nazma Akther, wortstarke Arbeits-und Frauenrechtsaktivistin, ordnet im Gespräch ab Seite 9 die Wirkungskraft dieser Maßnahmen ein - mit dem Blick darauf, was wirklich bei den Näherinnen angekommen ist.

Und was macht die Politik in Deutschland und Europa? Die Bundesregierung hat 2014 das "Bündnis für nachhaltige Textilien"gegründet. Das Bündnis soll Maßnahmen erarbeiten, um die Arbeits- und Lebensbedingungen entlang der Textillieferkette zu verbessern. Was das zivilgesellschaftliche Netzwerk Kampagne für Saubere Kleidung - selbst Mitglied des Bündnisses - dazu sagt, ist ab Seite 15 zu lesen.

Auch das EU-Parlament ist tätig und verlangt von der EU-Kommission erstmals rechtsverbindliche Vorschläge, damit Unternehmen verpflichtet werden, innerhalb ihrer gesamten Lieferkette soziale Standards sowie Arbeits und Umweltnormen einzuhalten. Die Forderungen an die europäische Politik lesen Sie auf Seite 14. Zudem finden Sie auf den Seiten 13 und 14 einen Erfahrungsbericht des EU-Abgeordneten Josef Weidenholzer, der im Februar 2015 Textilfabriken in Bangladesch besucht hat.

Und wir als Konsumenten müssen den Modemarken und der Politik weiterhin zeigen, dass es uns nicht egal ist, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung produziertwird.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Dirk Saam

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