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Kulturaustausch

Kulturaustausch

01-2019 | In Abwandlung eines Songs der Liedermacherin Bettina Wegner textet NETZ derzeit öfter mal: „wenn unsere Bilder nicht mehr stimmen“. Darstellungen von Unrechtverhältnissen in unserer Welt nehmen wache Menschen auch in unseren Breitengraden oft als – mehr oder minder versteckte – Fortsetzung kolonialer Rassismen wahr. Zu Recht. Denn viele Menschen in Deutschland denken bei diesen Bildern nicht unbedingt über die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Ursachen nach, die zu Armut und Elend in Ländern des Südens führen. Tendenziell verbinden viele damit eher schablonenhafte Vorstellungen von „Menschen, denen wir helfen müssen“. Immer wieder stellen wir in unserer Bangladesch-Partnerschaft fest, dass Darstellungen von konkreten Lebenswirklichkeiten ungewollt solche Klischees bedienen können.

Was tun? Die Bedeutung der Bildkommunikation nimmt weiter zu, die Informationsüberlastung wächst und das Informationsinteresse lässt nach. Welche Bilder erzählen von der oftmals brutalen sozialen Realität in Bangladesch – ohne Stereotypen zu reproduzieren? Welche Bilder vermitteln etwas über die Ursachen von Armut und Reichtum auf eine Weise, dass sich die Betrachterinnen und Betrachter nicht abwenden oder verteidigen, weil sie sich angegriffen fühlen, sondern Neugier und Interesse entfalten – und vielleicht sogar eigene Privilegien hinterfragen? Welche Bilder regen zu Empathie für Menschen an, deren Leben am stärksten von Unrechtsverhältnissen beschnitten ist?
Am besten fragen wir jemanden, die oder der sich mit Kommunikationsdesign auskennt. Noch besser wäre es, Menschen zu finden, die NETZ nicht gegen Bezahlung unterstützen, sondern unsere Suche nach Antworten auf diese spannenden Fragen auch als eigenen Lernprozess sehen.

Einige Jahre zuvor hatte ich – außerhalb des Bangladesch-Kontexts – die Frankfurter Academy of Visiual Arts kennengelernt. Deren Didaktik, kreative Prozesse anzuregen und neue Sichtweisen zu stimulieren, faszinierte mich. Franziska Gaube, unsere Referentin für entwicklungspolitische Bildung, nahm also die Sache in die Hand und fragte Seyyal und Tomaso Carnetto an, die künstlerische Leitung der Academy. Tomaso strickte ein Praxisprojekt für das  4. und 5. Semester in Kooperation mit NETZ, das sich in das Lehrplan-Konzept der Academy „zukunftsfähige Lebensräume gestalten“ einfügte.
Die Studentinnen und Studenten setzten sich mit extremer Armut in Bangladesch auseinander, mit Frauenrechten, mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen Bangladesch und Deutschland. Ihre Beschäftigung mit eigenen alltäglichen Ritualen entwickelte sich dann zur Spurensuche: Wie begrüßen und verabschieden wir uns? Wann tanze ich? Wie schmücken wir unsere Körper?  Und wie tun dies Menschen in Bangladesch? Wie gestalten sie ihre alltäglichen Rituale? Die Design-Studierenden entdeckten kulturelle Verknüpfungen zwischen den Welten und brachten sie auf vielfältigste Weise zum Ausdruck. In einer Ausstellung in Wetzlar präsentierten sie ihre Werke. Sehr viele davon finden Sie nun in dieser NETZ-Ausgabe. 

Wenn Sie auf der letzten Seite dieses Heftes angekommen sind, werden Sie feststellen, dass bei der Kooperation mit der Academy of Visiual Arts etwas anderes herausgekommen ist, als wir in NETZ erwartet hatten. Zugleich eröffnen die Ergebnisse neue Zugänge und Horizonte. Das erlebte ich in Gesprächen mit Ausstellungsbesuchern ebenso wie bei mir selbst. In bangladeschischen Dörfern lasse ich mir nun ausführlicher die Wirkung traditioneller Heilpflanzen erklären, nehme die Bewegungsabläufe beim Waschen der Kleidung intensiver wahr oder unterhalte mich über Begrüßungsformen. Die Gespräche über unsere Alltagsrituale eröffnen wertvolle Begegnungen. Denn wir sprechen über unsere Bedürfnisse nach Bewegung, Zusammenhalt, Essen, Spiritualität, Schönheit und so weiter, aus denen die Rituale entstehen.

Ich wünsche Ihnen beim Lesen und Schauen viele Entdeckungen – von Gemeinsamkeiten, von Realitäten jenseits der Klischees, von unerwarteter Ausdruckskraft selbstbestimmten Lebens.

Peter Dietzel, Geschäftsführer NETZ e.V.

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Kontakt

Dagmar Schwarze-Fiedler

Dialog mit Spenderinnen und Spendern
schwarze-fiedler@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-10

In meinen Filmen geht es um die Zustandsbeschreibung der Gesellschaft und wie die Menschen unter diesen Bedingungen leben. Genau das berücksichtigen die NETZ-Projekte besonders. Mir liegt viel daran, dass meine Filme diese unterstützen.