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Religiöse Minderheiten

Religiöse Minderheiten

2-2004 | Im August 1640 durchquerte der katholische Missionar Sebastiao Manrique auf einem Schiff den Golf von Bengalen. Das Schiff wurde in einem Monsun-Sturm zerstört, doch konnte sich Manrique an Land retten. Er reiste, als muslimischer Kaufmann verkleidet, mit einigen Begleitern weiter. In einem Dorf, in dem Hindus lebten, tötete einer seiner Begleiter einige Pfauen, also Tiere, die für die Hindus heilig sind. Die Dorfbewohner waren darüber sehr aufgebracht und griffen die Reisenden an. Diese konnten flüchten, doch wurden sie in der nächsten größeren Stadt festgenommen. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung.

Zur damaligen Zeit regierten in Bengalen islamische Herrscher. Auch die Gerichte wurden von muslimischen Beamten geleitet. Der zuständige Richter sagte zu Manrique, dass alle, die in ein Hindu-Gebiet reisten, die religiösen Gebräuche der Hindus unbedingt respektieren müssten. Als Kaiser Akbar 65 Jahre zuvor Bengalen eroberte, habe er sein Wort gegeben, dass die Bengalen entsprechend ihren eigenen Gesetzen und Gebräuchen leben könnten. Daran würde auch er, der Richter, sich halten. Derjenige, der die Pfauen getötet habe, müsse deshalb hart bestraft werden.

Dieses Ereignis kann als ein gutes Beispiel für die Religionspolitik der muslimischen Herrscher im vorkolonialen Bengalen angesehen werden. Die Herrscher waren bemüht, sich so wenig wie möglich in die religiösen Gebräuche ihrer Untertanen einzumischen. Seither hat sich viel verändert. In Bangladesch ist seit 1988 der Islam Staatsreligion und viele Angehörige anderer Religionsgemeinschaften fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Immer wieder kommt es zu pogromartigen Ausschreitungen gegen Nicht-Muslime. Hindus, Buddhisten, Christen und andere Minderheiten werden auf vielfältige Weise diskriminiert. Seit 1947 sind Millionen Hindus nach Indien geflüchtet. Die Beiträge dieses Heftes zeigen, in welcher Situation sich die religiösen Minderheiten Bangladeschs heute befinden.

In den letzten Jahrzehnten hatten religiös motivierte Gewalttaten gegen Muslime in Indien häufig Gewalttaten gegen Hindus in Bangladesch zur Folge. Bei den Wahlen im Mai dieses Jahres haben die Parteien, die für religiöse Toleranz eintreten, in Indien einen großen Wahlsieg errungen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Ereignis diesmal eine Stärkung der säkularen Kräfte in Bangladesch bewirkt.

Christian Weiß

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