Freitag, 19. Februar 2021

Der Freiburger Klaus Salzmann ging vor 30 Jahren als erster Freiwilliger mit NETZ e.V. nach Bangladesch, um dort ein halbes Jahr lang die Entwicklungsarbeit, Land, Leute und Kultur kennen- und lieben zu lernen.

Freiburg/Wetzlar/Dhaka – Nahezu menschenleer war der Frankfurter Flughafen, als Klaus Salzmann am 29. Januar 1991 den Flieger Nach Bangladesch bestieg. „Weil die USA kurz davor Kampfhandlungen gegen den Irak begonnen hatten, um Kuwait zu befreien“, erinnert sich der Freiburger heute. Vor 30 Jahren machte sich der damals 21-jährige auf, um einen Freiwilligendienst mit NETZ Bangladesch e.V. zu absolvieren.

Die Organisation mit Sitz im hessischen Wetzlar arbeitet seit über 30 Jahren vor Ort für die am meisten benachteiligten Menschen. Sie unterhält Projekte für Bildung, Landwirtschaft und Menschenrechte. „Ich durfte die unterschiedlichen Arbeitsgebiete der Entwicklungsarbeit in der Hauptstadt Dhaka und vor allem auf dem Land kennenlernen und in unzähligen Begegnungen die Vielfalt des Landes erfahren“, berichtet Klaus Salzmann von seinem Dienst damals. Sein Hauptprojekt: Eine Musikkassette mit bengalischen Friedensliedern produzieren. Und das war zugleich die Chance für ihn, tief in das Kulturleben von Bangladesch einzutauchen: „Die Freundschaft mit Ahmed Sofa, einem Poeten und wunderbaren Menschen, und die Begegnung mit dem Maler Sultan bereichern mein Leben bis jetzt“, sagt Klaus Salzmann, der heute als Lehrer am St.-Ursula-Gymnasium  Deutsch, Geschichte und katholische Religion unterrichtet.

Sicherlich sie es auch nicht immer einfach gewesen, resümiert Klaus Salzmann. Er war als einziger Freiwilliger zu jener Zeit in dem wenig bekannten Land unterwegs; es gab weder Smartphones noch Skype. Das einzige Kommunikationsmittel: „Briefe und einmal im Monat ein Telefonat mit meinen Eltern“, erinnert er sich. Das war vor allem schwierig, als im April 1991 ein heftiger Wirbelsturm Bangladesch heimsuchte und sich die Familie in Deutschland große Sorgen machte, weil sie eine Woche kein Lebenszeichen von Sohn Klaus bekam. Doch vor allem die schwierige Erfahrung hat ihn geprägt: „Den Besuch auf der vom Wirbelsturm zerstörten Insel Moheshkhali werde ich nie vergessen“, resümiert Klaus Salzmann. „Er begründete den jahrelangen Einsatz von NETZ für die betroffenen Menschen.“

Nach dem Freiburger sind jedes Jahr mehrere junge Erwachsene nach Bangladesch ausgereist, um einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Das Programm hatte sich über Jahre etabliert. Viele junge Menschen haben jeweils bis zu ein Jahr in Bangladesch verbracht, die Arbeit und Menschen vor Ort kennengelern, eigene kleine Projekte gestaltet und vor allem: viel Wissen und wertvolle Erinnerungen mitzurückgebracht.

So hat die Begegnung mit Bangladesch auch Klaus Salzmann bis heute spürbar geprägt: Seit 30 Jahren ist er nun Mitglied beim Verein NETZ e.V. Er engagierte sich bei NETZ im Arbeitskreis Freiwillige, der NETZ-Zeitschrift und im erweiterten Vorstand. Seit 2008 ist er Erster Vorsitzender des Regionalablegers NETZ-Baden-Württemberg e.V. An seiner Schule engagieren sich viele Jugendliche in der Eine-Welt-AG, die er seit 2005. Zudem unterstützen seine Schüler „Classroom Global“, ein Schul-Projekt, ebenfalls getragen von NETZ, dass Kindern in Bangladesch Bildungchacen eröffnet.