Vielfalt als Chance - Indigene Völker in Bangladesch

Vielfalt als Chance - Indigene Völker in Bangladesch

3-2009 | Am 12. Juni 2009 ereignete sich ein furchtbarer Überfall in Bangladesch. Khatipur Sonadanga, ein kleines Dorf im Nordwesten des Landes und Heimat eines indigenen Volkes, wurde angegriffen: 74 Häuser wurden niedergebrannt, die Bewohner verprügelt und ihrer wenigen Habseligkeiten beraubt. Der Grund: Die Gier nach Land.

Am 3. September 2009 wurde Panay Mala ermordet. Die 50-jährige war eine Tripura, ein indigenes Volk, das in den Chittagong Hill Tracts lebt. Panay Mala musste sterben, weil bengalische Siedler ihr Land an sich bringen wollten.

Diese Attacken sind keine Einzelfälle. Immer wieder werden Angehörige indigener Gruppen Opfer von Landraub, Frauen Opfer von physischer Gewalt. In Khatipur Sonadanga, so berichten Augenzeugen, beteiligte sich die Polizei nach dem Eintreffen am Tatort an den Gewaltexzessen und Plünderungen. Ein immer wiederkehrendes Muster wird offenbar: Lokale Eliten, die sich Land aneignen wollen, heuern Schlägertrupps an, um die indigene Bevölkerung zu vertreiben. Die Polizei hält still - wissend, am Ende des Tages auch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Durch den Landraub wird den Menschen ihre Existenzgrundlage genommen, die Verarmung verschärft. Zugang zu staatlichen Dienstleistungen wie Bildung oder sozialen Sicherungssystemen wird indigenen Gruppen weitestgehend verwehrt.

Die indigenen Völker sind bis heute in der Verfassung nicht anerkannt. Gewalt gegen Minderheiten und deren Ausgrenzung aus der bangladeschischen Gesellschaft werden durch eine fragwürdige Gesetzgebung legitimiert. Das 1974 eingeführte "Gesetz zum übertragenen Eigentum" konnte die Regierung dazu nutzen, willkürlich Land und Vermögensgegenstände von Angehörigen nicht-muslimischer Gemeinschaften zu beschlagnahmen. Dieses Gesetz, obwohl offiziell außer Kraft gesetzt, dient auch heute noch als Grundlage für Enteignungen.

Es gibt auch Erfolge zu verzeichnen: Die Medien nehmen sich des Themas Minderheitenrechte verstärkt an. In den Chittagong Hill Tracts gibt es ermutigende Maßnahmen der Regierung, um die Rechte der indigenen Bevölkerung zu stärken. Dies ist auch der Verdienst einer immer stärker werdenden zivilgesellschaftlichen Bewegung in Bangladesch.

NETZ unterstützt indigene Gruppen auf Dorfebene darin, Einkommen zu erwirtschaften und Zugang zum Rechtssystem sowie zu staatlichen Dienstleistungen zu bekommen. Kinder erhalten eine Grundschulbildung. In der politischen Lobbyarbeit setzt sich NETZ auf EU-Ebene dafür ein, dass die Rechte der Minderheiten in Bangladesch geschützt werden - auch in Khatipur Sonadanga.

In dieser Ausgabe erfahren sie mehr über den Kampf der indigenen Völker, sich Freiräume zu verschaffen und gehört zu werden.

Eine gute Lektüre wünscht Ihnen

Dirk Saam

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