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NETZ Jahresrückblick: Engagement & Globales Lernen

Austausch zur Corona-Lage stand auf der Mitgliederversammlung im Herbst im Vordergrund. Foto: Kai Fritze

Seit Jahrzehnten geht NETZ große Probleme mit lokalem Engagement an. Das gilt für die Familien in unseren Projekten und für die Menschen, die sich in Deutschland und Europa für eine gerechte Welt einsetzen. Selten war dies wichtiger als im Corona-Jahr 2020. Und selten war es dringlicher, kreative Wege zu finden, Menschen in Bangladesch und Indien zu unterstützen. Gemeinsam bewiesen wir im Kleinen und im Großen, dass unsere Solidarität auch in der Krise hält.

Aus dem NETZ Jahresbericht 2020

Im Jahr 2020 gingen viele Engagierte neue Wege, um ihre Verbundenheit und Unterstützung für Bangladesch aufrecht zu erhalten. Mit Elan und Kreativität schufen sie Alternativen für geplante Solidaritätsaktionen, Bildungsveranstaltungen oder Treffen, die coronabedingt abgesagt werden mussten. Dieses verstärkte Engagement war auch eine Antwort auf die Not vieler Familien in Bangladesch infolge des Lockdowns.

Noch bevor die Fallzahlen Zusammenkünfte unmöglich machten, feierten wir die Verdienste des Gründungsmitglieds Peter Dietzel und begrüßten Max Stille und Niko Richter als neue Geschäftsführung. Zu diesem Anlass kamen in Wetzlar Vertreter*innen der Stadt und der Volksrepublik Bangladeschs sowie viele langjährige Weggefährt*innen von NETZ zusammen. Bereits zwei Monate später hatten sich die Pandemie-Vorzeichen geändert. Wir wandelten unsere jährliche Bangladesch-Tagung in eine erfolgreiche dreiwöchige Online-Veranstaltungsreihe um. Die eingeladenen Referent*innen Shahidul Islam und Manjusree Mitra aus dem NETZ-Büro in Dhaka bereicherten die Veranstaltungen durch ihr Fachwissen und die Perspektive aus Bangladesch. So gelang es, ungeachtet der Reisebeschränkungen, den engen Austausch lebendig zu halten. Auch bei weiteren Online-Workshops und Vernetzungstreffen kamen Menschen aus ganz Deutschland im digitalen Raum zusammen – ein Modell auch für die Zukunft. Im Herbst konnte – unter den neuen Hygienebedingungen – die Mitgliederversammlung als Hybridveranstaltung durchgeführt werden. Videogrüße aus Bangladesch, Berichte von den Projekten und Aktiven sorgten für eine lebhafte Tagesveranstaltung und Nähe trotz Abstand. Die Pandemie forderte die gelebte Solidarität und globale Verbundenheit besonders heraus. Zugleich setzte sie Energien frei und half vielen Engagierten, die eigenen Unterstützungsformen erfolgreich neu zu denken. So geht NETZ gestärkt aus der Krise hervor. Für das Engagement aller bedanken wir uns von Herzen.

Entwicklungspolitische Bildung

Wir alle sind Teil globaler Verflechtungen und Ungerechtigkeit. Unsere entwicklungspolitische Bildungsarbeit erklärt, warum das so ist und was wir dagegen tun können. Auch im Jahr 2020 setzten sich viele Menschen mit diesen Zusammenhängen und ihrer eigenen Rolle darin auseinander. Mit Publikationen und angepassten digitalen Workshop-Konzepten für Schüler*innen und Erwachsene gelang es uns, auch über große Distanz Nähe aufzubauen und globale Zusammenhänge und Ungerechtigkeiten erfahrbar zu machen. Die entwickelten Methoden und Materialien sind ein weiterer Grundstein für die Bildungsarbeit der nächsten Jahre. So beschäftigten sich die Schüler*innen der Oberschule in Schüttdorf mit Klimagerechtigkeit und den Folgen des Klimawandels. Während der Bangladesch-Tagung im Frühjahr und in weiteren Online-Workshops befassten sich zahlreiche Menschen mit den Themen Textilindustrie und Klimagerechtigkeit. Sie erarbeiteten Antworten zu den Fragen, welche Rolle sie in den globalen Verflechtungen der Textilproduktion spielen, welche Auswirkungen ihr (Konsum-)Verhalten auf den Klimawandel hat und was sie zum Besseren verändern können. Viele der dort verwendeten Übungen und Methoden sind in einem zweisprachigen Bildungsheft zur Textilindustrie zusammengefasst. Darüber hinaus erstellten wir ein digitales Bildungsheft zum Thema Klimagerechtigkeit mit interaktiven Übungen, Spielen, einem Quiz, Filmen und Informationen, das Schüler*innen selbstständig von zu Hause aus bearbeiten können.

In einem Online-Workshop zu Sprache und Macht behandelten die Teilnehmenden die Geschichte der Muttersprache in Bangladesch und beschäftigten sich mit der Frage, wie Menschen weltweit aufgrund ihrer Sprache diskriminiert werden können. Die Teilnehmenden der Bangladesch-Werkstatt am St. Ursula Gymnasium in Freiburg erfuhren in einem Online-Treffen mehr über ihre Partnerschule und lernten Bangladesch durch ein Quiz besser kennen. Im Rahmen einer „Joint Platform“ erarbeitete eine Gruppe aus Ehrenamtlichen, Vorstand und Geschäftsstelle eine Methodensammlung zu dem Thema Klima und Gerechtigkeit. Die Plattform war 2019 entstanden und beschäftigte sich mit der Frage, wie unsere Bildungsarbeit von Menschen aus Bangladesch und Deutschland, von Ehren- und Hauptamtlichen gemeinsam weiterentwickelt und umgesetzt werden kann.

Solidaritäts-Aktionen

Das gesamte Jahr über sammelten Unterstützer*innen in ganz Deutschland in zahlreichen Aktionen Spenden: Die einen nähten im Frühjahr Alltagsmasken für ihre Mitmenschen und finanzierten mit dem Erlös die Verteilung von Corona-Hilfspaketen für notleidende Familien in Bangladesch. Andere riefen in Zeitungen, Pfarrblättern und Elternbriefen, über soziale Medien und mit Videobotschaften zu Spenden auf. Im Rahmen ihrer Classroom Global Schulpartnerschaft unterstützten die Eltern und Lehrkräfte des Michael-Ende-Gymnasiums in Tönisvorst und des Otto-Hahn-Gymnasiums in Bensberg die Grundbildungsprojekte. Erfolgreiche Einsätze für Bildung in Bangladesch wurden auch am St. Ursula Gymnasium Freiburg, der Lindengrundschule Missen, dem Albert Magnus Gymnasium Rottweil und der Gemeinschaftsgrundschule Wichterich organisiert.

Nach dem Lockdown in Bangladesch und den Überschwemmungen im Sommer unterstützte die Bangladesch-Gruppe in Tübingen-Hirschau mit ihrem Beitrag eine schnelle Krisenreaktion, ebenso die Gemeinden in Bad Bentheim, Uelsen, Wilsum und Emlichheim sowie die Weltläden in Schwalbach, Löffingen, Krefeld, Solms, Herborn und Weimar. Die Aktiven der Initiative „Weitblick“ an der Universität Duisburg-Essen organisierten im Sommer einen dezentralen Spendenlauf und im Winter eine Online-Weihnachtsbäckerei zur Unterstützung ihrer Partnerschule in Bangladesch. Durch ihre Sternsinger*innen-Aktionen ermöglichten 31 Kirchengemeinden im Januar 2020 insgesamt 2.178 Kindern in Bangladesch den Schulbesuch. Zum Jahreswechsel 2020/21 bauten sie innerhalb weniger Tage eine coronakonforme Sternsinger*innen-Aktion auf.

Der Bremer Verein Kinder in Bangladesch e.V. ist NETZ durch seinen Vorsitzenden, NETZ-Mitglied Murat Çil, schon lange verbunden und für sein erfolgreiches Engagement bekannt. 2020 beschlossen die Mitglieder, die Kräfte beim Einsatz für Kinder in Bangladesch in Zukunft mit NETZ zu bündeln, um gemeinsam noch mehr zu erreichen. Ab 2020 unterstützt der Verein 44 Dorfschulen für vier Jahre und viele der Mitglieder möchten NETZ-Mitglieder werden.

Öffentlichkeitsarbeit

NETZ informiert zur Politik und Kultur in Bangladesch, zu globalen entwicklungspolitischen Themen und zur Vereinsarbeit. Mit Newslettern, Pressemeldungen und Stellungnahmen erreicht die Öffentlichkeitsarbeit von NETZ ein bundesweites Publikum. Regionale, nationale und internationale Medien berichteten 2020 30 mal über die Arbeit von NETZ und seinen Partnern in Bangladesch sowie über Solidaritätsaktionen, entwicklungspolitische Bildungsarbeit und das Vereinsgeschehen. Die NETZ-Zeitschrift ist das wichtigste deutschsprachige Magazin zu Bangladesch. Reportagen, Interviews und Hintergrundtexte zu Themenschwerpunkten geben wichtige Einblicke zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Im Berichtsjahr erschienen zwei Ausgaben: „Das hätten wir nicht gedacht – neue Antworten im Projekt Ein Leben lang genug Reis“ und „Vertrieben und vergessen? Rohingya zwischen Myanmar und Bangladesch“. Die Zeitschrift und weitere Meldungen gibt es ab jetzt auch immer aktuell im Bangladesch-Portal.

Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst

Seit 1991 entsendet NETZ junge Menschen nach Bangladesch, die bei unseren Partnern vor Ort mitarbeiten. Von 2019 bis ins Jahr 2020 hinein unterstützte und begleitete uns Sompa Rani als erste Freiwillige aus Bangladesch in der NETZ-Geschäftsstelle in Wetzlar. Aufgrund von Corona konnten im Jahr 2020 weder der Süd-Nord- noch der Nord-Süd-Freiwilligendienst stattfinden. Bis September 2020 leistete Marie Luise Fischer ihren Bundesfreiwilligendienst in der Geschäftsstelle in Wetzlar. Seit September 2020 unterstützt uns die Bundesfreiwillige Louise Sellmair.

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