Aktuelles aus den Projekten – wo stehen die Menschen während der Krise?

Montag, 30. November 2020

Im Frühjahr 2020 droht in Bangladesch eine Ernährungskrise. Die ärmste Bevölkerung ist in existentieller Not: Durch die strikten staatlichen Ausgangsbeschränkungen und die Fabrikschließungen stehen Familien, die auf ein tägliches Einkommen angewiesen sind, plötzlich ohne Arbeit und mit wenig Ersparnissen vor dem Nichts.


In enger Absprache mit NETZ reagieren unsere Partner schnell und zielgerichtet. Sie beginnen sofort, Hilfspakete mit Reis, Linsen, Masken und Seife zu verteilen. Mit der Unterstützung der Spenderinnen und Spender in Deutschland können NETZ und seine Partner auf diese Weise über 25.000 Familien in ihrer größten Not beistehen.


Insbesondere im Sommer, während einer der am längsten anhaltenden Überschwemmungen der letzten Jahrzehnte ihr Land unter Wasser setzt, ist diese Hilfe essentiell. Weil sie mithilfe der Pakete einige Wochen auskommen, sind weniger Familien gezwungen, aus Not ihre Tiere zu verkaufen oder Schulden aufzunehmen. So bewahren sie sich ihre wirtschaftliche Grundlage und können es schaffen, aus eigener Kraft die Krise zu überwinden.


Der bewährte Ansatz des NETZ-Projekts „Ein Leben lang genug Reis“ zeigt gerade jetzt, in Zeiten der Krise, seine Stärken: Die Teilnehmerinnen haben durch Viehzucht, Gemüseanbau und Selbsthilfestrategien ein sicheres Standbein für ihre Familien geschaffen. Wo das tägliche Einkommen durch die Lohnarbeit wegfällt, können sie mit ihren Dorfgruppen die akute Not abfedern. Mithilfe von gemeinsam angesparten „Reisbanken“ unterstützen die Dorfgruppen Familien ohne ausreichendes Essen. Andere verkaufen ihr überschüssiges Gemüse in der Nachbarschaft und sorgen so für ein kleines zusätzliches Einkommen. Bereits in den letzten Jahren haben die Frauen individuelle Strategien für den Fall von Naturkatastrophen und wirtschaftliche Krisen entworfen, die nun zum Tragen kommen.


Die Situation in vielen Familien bleibt dennoch angespannt. Viele finden weiterhin keine Arbeit. Die Preise für Vieh und Nahrungsmittel sind enorm angestiegen. Die starken Überschwemmungen im Sommer haben vielerorts Felder und Häuser zerstört. Angesichts der dramatischen Situation vieler Familien möchten wir noch dieses Jahr 4.300 weitere Frauen in das Projekt aufnehmen. Die Erfahrungen der letzten Monate hat gezeigt, dass wir auf einem richtigen Weg sind: Trotz der immensen Bedrohung bleiben die Menschen stark. Das Netz hält, die Solidarität in all unseren Projekten ist sehr groß.


Um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen, sind die staatlichen Schulen in Bangladesch seit Mitte März geschlossen. Für viele Kinder, besonders aus ärmeren Familien im ländlichen Raum, kann dies allzu leicht das Ende ihrer Schullaufbahn bedeuten. Sie werden von Inhalten, die über das Fernsehen ausgestrahlt werden, oder online-Initiativen nicht erreicht und müssen oft arbeiten, um die Familie zu unterstützen. Dies gefährdet die Erfolge im Grundschulsektor Bangladeschs während der letzten Dekaden.


Mit den Kindern Kontakt zu halten, ist in diesem Moment entscheidend. Schulsozialarbeiter*innen der NETZ-Partner besuchen die Familien und telefonieren regelmäßig mit ihnen. Auch die enge Verbindung zur Dorfgemeinschaft, die in den NETZ-Projekten aufgebaut wird, hilft, alarmierende Fälle von Kinderarbeit aufzudecken und zu intervenieren. Doch erst ein Wiedereröffnen der staatlichen Schulen, voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, wird zeigen, wie viele Kinder wieder in die Schule zurückkehren können. Schon jetzt ist absehbar, dass der Bedarf nach zusätzlichen Initiativen im Bildungsbereich groß sein wird.


Hoffnung geht von den Dorfschulen und Anandalok Schulen aus, die von NETZ gefördert werden. Hier unterrichten Lehrer*innen weiterhin kleinere Gruppen von Schüler*innen im Freien. Der Einsatz der Lehrkräfte ist groß, müssen sie doch oft doppelte Schichten schieben. Oft unterstützen Nachbarn solche Bemühungen und lassen die Kinder z.B. die im freien gelegene Veranda nutzen. So können diese Kinder auch unter den Einschränkungen der Pandemie weiterhin hochwertigen Unterricht erhalten, der ihnen Spaß macht. Doch auch in Bangladesch kommt der Winter in großen Schritten und den ganzen Vormittag auf dem Boden zu sitzen, wird nicht mehr lange möglich sein.


Wie in anderen Teilen der Welt berichten auch Erhebungen von Menschenrechtsorganisationen in Bangladesch einen dramatischen Anstieg von häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Frauen. Eine Protestwelle ging durch Bangladesch und richtete sich gegen Vergewaltigungen, die allzu oft straflos bleiben. NETZ-Partnerorganisationen berichten von drastischen Anstiegen der Verheiratung Minderjähriger aufgrund der ökonomischen Belastung und körperlichen Gefährdung. Gerade vor diesem Hintergrund ist die Arbeit von lokalen Menschenrechtsverteidiger*innen essentiell. Sie alarmieren die Polizei und unterstützen Opfer von Gewalt. Ein besonders wichtiges Zeichen in dieser Zeit sind die von NETZ-Partnern angepasst an die Covid-Situation organisierten Selbstverteidigungskurse, die das Selbstbewusstsein und die Gefahreneinschätzung von Mädchen stärken.

 

 

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