Projektbereich 3: Menschenrechte

NETZ kämpft für Gleichberechtigung aller Menschen

Systematisch und in vielen Einzelfällen werden Grundrechte ganzer Bevölkerungsgruppen in Bangladesch verletzt: Frauen leiden unter häuslicher Gewalt, religiöse Minderheiten und Indigene werden diskriminiert. Viele Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, Mitgiftzahlung ist gängige Praxis. Der Staat verwehrt Familien, die unter der Armutsgrenze leben, das Recht auf Nahrung. Gemeinsam mit bedeutenden Menschenrechtsorganisationen fördert NETZ zivilgesellschaftliches Engagement, um staatliches und gesellschaftliches Unrecht zu stoppen.

5.000 Menschrechtsaktivistinnen setzen sich für benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein.

Im Einzugsgebiet von insgesamt 700.000 Menschen arbeiten die Aktivistinnen gewaltfrei gegen Diskriminierung und Unrecht.

1.023 Projektteilnehmerinnen haben ihnen zustehende Sozialleistungen bei staatlichen Stellen eingefordert und erhalten.

In 2.165 Fällen wurden Behördenauskünfte eingefordert. 89 Prozent wurden beantwortet.

Kämpfen als Menschenrechtler gegen Diskriminierung und Willkür: marginalisierte Bevölkerungsgruppen in Bangladesch wie diese Straßenkehrer in Saidpur.

Menschenrechtsanwältin Hamida Begum

Nachdem sie von Gewalttätigkeiten gegen eine Witwe in Kishoreganj erfahren hatte, machte sich Menschenrechtsanwältin Hamida Begum auf den Weg. Sie traf dort auf die allein lebende Ambia Akhter, die von ihren Nachbarn misshandelt wurde – nur weil sie ihr Recht geltend machte. Das benachbarte Ehepaar hatte begonnen, ein Haus auf einem Stück Land der Witwe zu bauen. Diese ging dagegen vor und erstattete Anzeige. Daraufhin misshandelten die Nachbarn Ambia Akhter, um sie zum Schweigen zu bringen. Weil das Ehepaar in der Gemeinde sehr einflussreich ist, unterstützte niemand die Witwe – bis Menschenrechtsanwältin Hamida Begum ins Dorf kam und bei der Lokalverwaltung vorsprach. Zuerst versuchte der leitende Beamte, Hamida Begum abzuwimmeln. Doch nachdem sie ankündigte, die Witwe bei einer Klage zu unterstützen, bestätigte die Behörde deren Rechtsanspruch und Ambia Akhter bekam ihr Land wieder.

Die Partnerorganisationen von NETZ, Ain o Salish Kendra (ASK) und Research Initiatives, Bangladesh (RIB), schulen und unterstützten Menschenrechtaktivistinnen. Diese beraten Menschen in entlegenen Dörfern und Städten zu ihren Rechten. Sie bringen Opfer von Menschenrechtsverletzungen mit Anwälten in Verbindung, begleiten sie in Krankenhäuser oder zur Polizei. Oder sie erklären, wie Behörden rechenschaftspflichtig gemacht werden können.

294 Menschenrechtsgruppen spielen hierbei eine entscheidende Rolle. 2015 fanden 1.942 Treffen statt, in denen die Aktivistinnen Lösungsstrategien erarbeiteten. Die Menschenrechtsgruppen bringen die Anliegen ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen bei wichtigen, die ganze Gemeinschaft betreffenden Entscheidungen ein. Sie machen sich insbesondere für Frauenrechte stark und schaffen ein Bewusstsein in ihren Gemeinden. So bekommen Frauen Zugang zu öffentlichen Entscheidungsprozessen beispielsweise lokalen Schiedsgerichten.

Herausforderungen

Konflikte um den Zugang zu Ressourcen werden zunehmend gewalttätig ausgetragen. Dadurch sind benachteiligte Bevölkerungsgruppen von Landraub, schlechtem Zugang zu qualitativ guter Bildung sowie Ungleichheit bei beruflichen Chancen betroffen. Eliten nutzen politische Instabilität aus oder religiöse Identität als Vorwand, um eigene Interessen durchzusetzen und sich beispielsweise Land anzueignen, welches religiösen Minderheiten oder indigenen Bevölkerungsgruppen zusteht. Zudem führen politische Machtkämpfe zu einem Anstieg von Gewalt und repressiven Aktionen gegen Andersdenkende. Um zu ermöglichen, dass politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen sowie der sozio-ökonomische Wandel des Landes friedlich und gerecht verlaufen, ist es erforderlich, Kompetenzen einer gewaltfreien Konflikttransformation auf- und auszubauen.

Ziele

  1. NETZ wird die Menschenrechtsarbeit der Aktivistinnen der bestehenden 294 Gruppen weiter stärken.
  2. 2016 wird mit finanzieller Unterstützung der EU die Gründung von 172 Gruppen ermöglicht, in denen sich 4.200 Menschenrechtsaktivistinnen mit lokalen Behörden für den Schutz der Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen einsetzen. Zudem werden gezielt Kompetenzen gewaltfreier Konflikttransformation entwickelt.