Projektbereich 1:
Ein Leben lang genug Reis

170.000 Menschen haben den Hunger besiegt

Hunger ist in Bangladesch für Millionen von Menschen Realität. Viele Familien vor allem in strukturschwachen ländlichen Regionen sind betroffen. Mütter können ihre Kinder weder mit genügend Essen, noch Kleidung und Medizin versorgen. Weil sie kein ausreichendes Einkommen haben und ihre Grundrechte missachtet werden. Diese Situation dauerhaft zum Positiven zu ändern, ist möglich. Mit Starthilfe bauen sich die Familien zukunftssichere Existenzen auf – für ein Leben ohne Hunger. Wer sich bei NETZ mit Spenden oder auf andere Weise engagiert, bereitet den Weg dafür.

Kleinbäuerin Anisa Khatun zeigt dem deutschen Botschafter Dr. Thomas Prinz stolz ihre Kühe.

51.603 Familien hat NETZ 2015 durch das Programm „Ein Leben lang genug Reis“ unterstützt, dauerhaft eigenes Einkommen zu erwirtschaften und sich selbstständig vom Hunger zu befreien – darunter Familien in den indischen Bundesstaaten Westbengalen und Jharkhand. Mit der Replizierung des Projekts in Indien fördert NETZ den Süd-Süd-Austausch.

Insgesamt 211.800 Menschen hat das Programm bereits erreicht. Über 170.000 haben dauerhaft den Hunger besiegt.

719 Familien hat NETZ 2015 neu in das Programm aufgenommen.

Zum Beispiel: Anisa Khatun

„Bevor wir hier mit dem Selbsthilfeprojekt begonnen haben, überlebten wir mit einer Mahlzeit am Tag, höchstens zwei“, erklärt Anisa Khatun aus dem Dorf Char Baghdora. Wie viele andere besaß sie weder eigenes Land noch Vieh, war als eine der ärmsten Frauen stigmatisiert und vom Dorfleben ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am NETZ-Projekt „Ein Leben lang genug Reis“ begann Anisa Khatun, ihre Lebensgrundlage zu verbessern: Die 32-Jährige erhielt eine Kuh, Hühner und Saatgut, dazu Schulungen in Anbau und Tierhaltung. Damit baute sich die Familie eine Existenz auf, ihre Gewinne konnte Anisa Khatun investieren, unter anderem für eigenes Land. Zusammen mit anderen Frauen im Dorf gründete sie eine Gruppe – der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Dorfentwicklung. Zu den wöchentlichen Gruppentreffen bringt jede Frau eine Handvoll Reis mit. Über 25 Kilogramm hat die Gruppe bereits in ihrer „Reisbank“ gesammelt. „Damit unterstützen wir Familien, die in Not geraten“, erklärt Anisa Khatun.

 

Programm "Ein Leben lang genug Reis"

Wer hat die Unterstützung erhalten?
Aufbau von Selbsthilfe-Strukturen der Menschen in extremer Armut.51.603 Frauen haben sich in 2.544 Dorfgruppen organisiert.
Schulungen: Landwirtschaft und Viehzucht, Gründung kleiner Geschäfte, Frauen- und Bürgerrechte, Gesundheitsvorsorge.11.256 Frauen haben teilgenommen und wurden von Entwicklungsarbeitern gezielt auf die Projektarbeit vorbereitet.
Die 51.603 Familien erzielen mit ihrem Startkapital und gestärkt durch die Schulungen dauerhaft eigenes Einkommen.

Über 170.000 Familienmitglieder haben eine sichere und wesentlich verbesserte Ernährung.

Startkapital: Kühe, Ziegen, Hühner, Saatgut, eine Rikscha oder Pachtland für den Anbau von Reis und Gemüse.

719 Familien hat NETZ 2015 neu in das Programm aufgenommen.

Die Frauen sind Akteurinnen der Dorfentwicklung, setzen ihre Rechte und die Anliegen von benachteiligten Menschen durch.

In 7.428 Fällen haben Familien mit Beistand der Dorfgruppen die staatlichen Sozialleistungen erhalten, die Ihnen zustehen.

Sie engagieren sich für eine Lokalpolitik zugunsten der Ärmsten.

Vertreterinnen der Dorfgruppen haben 230 Selbsthilfeverbände gegründet, die in der Lokalpolitik Gehör finden. 5 Frauen waren in ihrem Gemeinderat tätig.

Wenn der Hunger besiegt ist: Selbständig entwickeln

Frauen wie Anisa Khatum zeigen, wie erfolgreich der Selbsthilfeansatz funktioniert: Nachdem die Familien mit Hilfe von Startkapital eine kleine Landwirtschaft aufgebaut und den eigenen Hunger überwunden haben, tragen sie die Veränderung weiter ins Dorf. Frauen, die früher ob ihrer fatalen Lebensumstände verachtet und ausgestoßen waren, sind inzwischen geachtete Akteurinnen der ländlichen Entwicklung. Heute sind ihre Dorfgruppen Ansprechpartner und Ratgeber für die Gemeinschaft. Die Frauen unterstützen andere dabei, gegen korrupte Strukturen in der Lokalverwaltung vorzugehen und Rechte sowie Sozialleistungen einzufordern. Einige versorgen als Veterinärhelferinnen Nutzvieh im Dorf, andere beraten die Nachbarschaft bei der Gemüsezucht. Mit eigenständig verwalteten Kredittöpfen unterstützen die Frauengruppen in Not geratene Familien und geben Anschub für neue, eigene Projekte. Die Frauen kennen die Situation und wissen: Armut und Hunger sind nicht selbst verschuldet. Betroffene haben aber keine Chance, sich zu wehren, wenn politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger nicht auf ihre Belange eingehen. Das ändern die Frauengruppen des NETZ-Projekts mit ihrem Einsatz und ihren Selbsthilfestrukturen.

Ansatz und Erfolge des Projekts sind für Entwicklungsexperten und andere Interessierte detailliert auf der NETZ-Plattform www.end-extreme-poverty.org veröffentlicht.

 

Grund zum Feiern

Im November 2015 hat die „Aamra Joiye Society“ als erste eigenständige Organisation extrem armer Frauen in Bang-ladesch ihre offizielle Registrierung erlangt. In der „Aamra Joiye Society“ haben sich mehr als 6.700 Frauen aus 268 Dorfgruppen zusammengetan, die zuvor von täglich weniger als 0,20 Euro pro Kopf gelebt hatten.

NETZ und seine Partnerorganisation Jagorani Chakra Foundation haben die Frauen seit 2002 unterstützt.

Herausforderungen: Strukturen verbessern

Für neu aufgenommene Familien ist das Projekt „Ein Leben lang genug Reis“ der erste und entscheidende Schritt auf dem Weg aus Armut und Hunger. Nachdem die Projektteilnehmerinnen ein einigermaßen gesichertes Einkommen erreicht haben, gehen sie gemeinsam gegen strukturelle Ursachen von Armut und Hunger vor: Landraub, schlechte Arbeitsbedingungen für Tagelöhner auf den Feldern sowie Korruption in den Behörden. Durch den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Lokalpolitik und Gesellschaft nehmen die Frauen Einfluss auf bestehende Verhältnisse. Die Impulse dafür entstehen innerhalb der Dorfgruppen des Projekts. Doch die wirtschaftliche und familiäre Weiterentwicklung der Teilnehmerinnen ist situationsabhängig unterschiedlich.   Zudem  sind nicht alle Gruppen gleichermaßen aktiv und selbstbewusst in ihrem Auftreten. Die Nutzung von Ressourcen wie staatliches Land wird entlang gesellschaftlicher Machtverhältnisse entschieden; bis Menschen in Armut ihre Rechte erhalten und an demokratischen Entscheidungen  gleichberechtigt teilhaben können, ist es ein langer Weg.

Ziele 2016

1. NETZ will die bestehende Selbsthilfe von 51.500 Frauen und ihre gesellschaftliche Teilhabe weiter stärken, um die Verantwortung schrittweise komplett an die Teilnehmerinnen zu übertragen.

2. Für 16.680 dieser Frauen will NETZ ein Neuprojekt ermöglichen, das mithilfe von Spenden und dem Bundesentwicklungsministerium finanziert werden soll.

3. NETZ will 160 Frauen mit ihren Familien neu in das Projekt aufnehmen.

4. Gemeinsam mit Partnern entwickelt NETZ ein Ausweitungsprojekt, durch das mindestens 8.000 weitere Familien nachhaltig Unterernährung überwinden und ihre Rechte erstreiten können.

Ein Leben lang genug Reis

Ein Leben lang genug Reis

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Die NETZ-Projekte liegen mir am Herzen - die Teams in Bangladesch und Deutschland leisten täglich tolle, menschennahe Arbeit.

Kontakt

Philipp Kappestein

Teamleiter "Ein Leben lang genug Reis"
kappestein@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-0