Dorfschulen

In entlegenen Gebieten, welche regelmäßig unter schwerwiegenden Fluten leiden und in welchen für Kinder aus extrem armen Familien kein anderer Zugang zu Grundbildung möglich ist, werden die Dorfschulen aufgebaut. Auf Englisch werden diese Schulen NFPE-Schulen genannt. NFPE steht für "non-formal primary education", das heißt informelle Grundschulbildung. Die Lehrer werden durch professionelle Betreuung und pädagogische Leitung unterstützt. Trotz des informellen Systems dieser Schulen, die von einer Nichtregierungsorganisation geführt werden, wird sich an den staatlichen Lehrplan gehalten. Alle Schüler nehmen an den offiziellen Abschlussprüfungen am Ende der 5. Klasse teil, welche ihnen ermöglicht eine weiterführende Schule zu besuchen. Regelmäßige Fortbildungen schulen die Lehrer im Umgang mit dem besonderen Förderbedarf benachteiligter Kinder. Derzeit stellen die Dorfschulen die einzige Bildungsmöglichkeit in den abgelegenen Gebieten des Landes dar.

Hauptmerkmale der Dorfschulen

Die Dorfschulen zielen darauf ab allen Kindern aus extrem armen Familien, vor allem Mädchen, durch das Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens eine Zukunftsperspektive zu geben.

Hauptmerkmale:

  • Innerhalb der Dorfschulen unterrichten die gleichen Lehrer alle SchülerInnen über die gesamte Grundschulzeit in allen Schulfächern

  • Die SchülerInnen müssen keine Schulgebühren zahlen

  • Es findet eine medizinische Grundversorgung für alle SchülerInnen und deren Geschwister statt, inklusive Impfungen und Entwurmungen

  • Während der saisonalen Einkommenskrise „Monga“ von Oktober bis November werden ausgewogene Mahlzeiten an alle SchülerInnen verteilt

  • Übergreifende Fortbildungen sowie eine enge Zusammenarbeit gewährleisten eine schülerzentrierte Qualität der Bildung, um Schulabbrüchen und –abwesenheiten entgegen zu wirken

  • Staatliche Schulbücher, um kinderfreundliche Materialien ergänzt, werden Lehrern und Schülern kostenfrei zur Verfügung gestellt

  • Die Jungen und Mädchen lernen neben sozialen Wertvorstellungen auch ihre Rechten und Pflichten kennen

  • Ehemalige Abgänger der Dorfschulen werden in ihrer weiterführenden Schulkarriere durch NETZ und seine Partnerorganisationen unterstützt

  • Die Regierung ist von der Bildungsqualität an den Dorfschulen überzeugt, weshalb die Schüler nach der 5. Klasse an den offiziellen Abschlussprüfungen teilnehmen dürfen

Der Schulunterricht findet an 6 Tagen die Woche von Samstag bis Donnerstag statt. Staatliche Feiertage werden berücksichtigt. In der ersten und zweiten Klasse beträgt die tägliche Unterrichtszeit drei Stunden, in der dritten Klasse vier Stunden und in der vierten und fünften Klasse fünf Stunden. Die Schüler erhalten dem staatlichen Lehrplan folgenden und durch weitere Materialien ergänzten Unterricht in Bengali, Englisch, Mathematik, Wissenschaft, Umweltstudien und Religion.

Die Effektivität der Dorfschulen

Beeindruckende Indikatoren für die Effektivität dieser Maßnahmen sind die geringen Schulabbruchsquoten innerhalb der Dorfschulen (5-10%) im Gegensatz zu den staatlichen Schulen (40-45%) und die hohe Bestehensrate bei Prüfungen, welche der staatlichen Schule weit voraus ist.

Mehr als 95% der Schüler an Dorfschulen, welche von NETZ und seinen Partnerorganisationen geführt werden, bestehen die offizielle Abschlussprüfung nach der 5. Schulklasse!

Bildung - der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung

Mit dem Abschluss der Grundschulbildung an einer Dorfschule haben die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen erlernt, welche Schlüsselfunktionen in einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung, Selbstbestimmung und Armutsüberwindung sind. Die Regierung Bangladeschs erkennt an, dass sich die Bildungsangebote staatlicher und nichtstaatlicher Schulen auf wichtige Weise ergänzen. Sie hebt die Bedeutung nicht-staatlicher Angebote für die Erreichung des Ziels "Grundschulbildung für Alle" (MDG 2) hervor, insbesondere im Bezug auf entlegene Gebiete und für Kinder aus Familien in extremer Armut. In Bangladesch nehmen nicht-staatliche Schulen nach wie vor eine große Rolle ein. Jede dritte Grundschule ist eine nicht-staatliche Schule, die meisten davon Dorfschulen. Dies soll nur eine vorübergehende Lösung sein. Unser Ziel ist es, allen Kindern den Besuch an verbesserten staatlichen Schulen oder Anandalok-Schulen zu ermöglichen. Entwicklung braucht Zeit. Noch immer haben mehr als 3 Millionen Kinder keinen Zugang zu Grundbildung! In der Zwischenzeit darf keinem Kind der Zugang zu Grundbildung verwehrt bleiben - bis die Regierung und die Dorfgemeinschaften die Lücke im Bildungssektor geschlossen haben.

In allen Dörfern, in denen NETZ und seine Partnerorganisationen eine Dorfschule führen, findet eine enge Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden und Dorfgemeindemitgliedern über die Inklusion benachteiligter Kinder statt. Ziel ist die verstärkte Abdeckung staatlicher Schulen und die Entwicklung neuer Bildungsmöglichkeiten für Kinder aus extrem armen Familien. Am Ende eines jeden Dorfschulzyklus von 4 Jahren findet eine umfangreiche Begutachtung statt, um spezielle lokale Bedürfnisse zu erörtern. Für Kinder, die noch immer keinen Zugang zu einer öffentlichen oder einer Anandalok-Schule haben, wird ein neuer Dorfschulzyklus benötigt.