Kinder-Ehen, Glücksspiel und Sozialleistungen

Die Menschenrechtsgruppe im Dorf Lankapara

Von Yasmin Feltz

Einmal in der Woche kommen die Mitglieder der Menschenrechtsgruppe in Lankapara zusammen, Amina Bengum, die von den Frauen zur Vorsitzenden gewählt wurde, eröffnet immer das Gespräch. Heute berichten sie über die Erfolge ihrer Gruppe im Distrikt Nilphamari seit deren Gründung 2013. Vor allem haben sie gelernt, das Informationsfreiheitsgesetz (Right to Information Act) zu nutzen: Bei der Lokalverwaltung oder beim Frauenministerium stellen sie Anfragen, wie die Rechte, die allen Bürgern zustehen, eingehalten werden. Das Gruppenmitglied Jahima Khatun berichtet: „Wir sind erfolgreich, weil wir zunächst einen Plan entwickeln und diesen gemeinsam umsetzen.“ 

Jahima Khatun teilt ihre Erfahrungen mit den anderen Frauen bei dem wöchentlichen Treffen der Menschenrechtsgruppe.

Wie auch andere Frauen hat sie inzwischen Zugang zu Sozialleistungen. Vor Projektbeginn waren diese staatlichen Programme wie Arbeit im Straßenbau, Witwenrente und Pension im Dorf unbekannt. „In vielen Fällen verlangen die zuständigen Beamten oder gewählten Gemeinderats-mitglieder dafür eine finanzielle Gegenleistung“, so Jahima Khatun. Oftmals liegen diese Gefälligkeiten bei 15 bis 25 Prozent der Sozialleistung. Diese Form der Korruption ist eine verbreitete Praxis. In der Gruppe entsteht eine lebhafte Diskussion über den Umgang mit solchen Fällen. Einige Mitglieder sagen, dass sie froh sind, jetzt überhaupt Sozialleistungen zu bekommen. Andere wollen sich mit der Korruption der Behörden und Gemeinderäte nicht abfinden und  mit der Gruppe verstärkt dagegen vorgehen. Die Vorsitzende Amina Begum berichtet weiter: „Früher hatten wir ein sehr großes Problem mit Glückspiel in unserem Dorf. Viele unserer Männer und auch jene von außerhalb haben sich damit die Zeit vertrieben und zum Teil unser Haushaltsgeld verloren. Durch unseren Einsatz hat sich das inzwischen zum Besseren verändert. Auch die Gewalt von Männern gegenüber ihren Ehefrauen ist aufgrund unserer Interventionen deutlich zurückgegangen. Mehrmals konnten wir Kinder-Ehen verhindern, es gibt heute viel weniger als früher. Unser Engagement wird im Dorf sehr geschätzt – so sehr, dass sich unserer Gruppe in den letzten drei Jahren zehn neue Mitglieder angeschlossen haben.“ 

Gewalt gegen Frauen und Mädchen gehört zu den am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen in Bangladesch. Sie liegt vor allem in patriarchalischen Machtstrukturen begründet. Doch im gemeinsamen Kampf um Würde und ein selbstbestimmtes Leben in Gleichberechtigung stärken Frauen und Männer vor Ort täglich die elementaren Rechte aller. Lokale Menschenrechtsgruppen wie jene in Lankapara gehen mit positivem Beispiel voran. 

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Für das Recht auf Würde

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