Wer bezahlt unsere Kleidung
bei KiK und Lidl?

Im Jahr 2007 ließ die „Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung“ eine Studie über die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten der beiden deutschen Unternehmen Lidl und KiK in Bangladesch durchführen. 107 Arbeiterinnen und 29 Arbeitern aus sechs Fabriken wurden befragt. Durchgeführt wurde die Studie von Mitarbeitern der bangladeschischen Nichtregierungsorganisation Alternative Movement for Resources and Freedom (AMRF) Society. Dieser und der folgende Beitrag wurden (in gekürzter Fassung) folgender Broschüre entnommen: „Wer bezahlt unsere Kleidung bei Lidl und KiK?“, herausgegeben von der „Kampagne für ‚Saubere‘ Kleidung“, erschienen im Januar 2008. Diese Broschüre kann für 3,50 Euro, zuzüglich der Versandkosten, bei NETZ bestellt werden.


Arbeitsrechtsverletzungen bei Lieferanten

Bangladesch ist Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation („International Labour Organization“, ILO) und hat sich damit zur Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Organisation verpflichtet. Lidl und KiK verfügen über einen Verhaltenskodex als Grundlage ihrer Beziehungen zu ihren Lieferanten. Die Kodexe enthalten zumindest die Kernarbeitsnormen.

Unter den rund 4.500 Textilfabriken, die in Bangladesch für den Weltmarkt produzieren, die Lieferanten von Lidl und KiK ausfindig zu machen, war schwierig. Besonders kompliziert erwies sich die Suche nach den Fabriken, die ihrerseits Arbeitsaufträge erhalten von den für den deutschen Markt produzierenden Lieferanten, die so genannten Sub-Lieferanten. Im Rahmen der Studie konnten schließlich sechs Fabriken anhand von Etiketten und Lieferscheinen ausfindig gemacht werden. Fünf beliefern Lidl und drei beliefern KiK. Zwei Fabriken gehören demselben Unternehmer.

Die Studie hat schwerwiegende Arbeitsrechtsverletzungen bei den Lieferanten von Lidl und KiK aufgedeckt. Diese werden nach der folgenden Aufzählung ausführlicher erläutert.

  • In keiner Fabrik gibt es eine Gewerkschaft oder einen Betriebsrat.
  • Die Arbeiterinnen leisten fast regelmäßig zwei Überstunden am Tag, manchmal arbeiten sie noch länger in die Nacht hinein.
  • Überstunden sind mit Ausnahme von einer Fabrik nicht freiwillig, werden auch vorher nicht angekündigt. Wer keine Überstunden leistet, fliegt aus der Fabrik.
  • In zwei Fabriken wird an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, in zwei an sechs Tagen, in den verbleibenden zwei Fabriken werden sechs bis sieben Tage gearbeitet.
  • Eine der Fabriken bezahlte nicht einmal den seit Oktober 2006 angehobenen Mindestlohn.
  • Die Abrechnung des Lohnes erfolgt in keiner Fabrik nach transparenten Kriterien.
  • Löhne werden in mindestens drei Fabriken erst Mitte bis Ende des Folgemonats gezahlt.
  • Überstunden werden unregelmäßig und intransparent bezahlt. Die Arbeiterinnen erhalten keine Abrechnung, auf der sie nachvollziehen können, wie viel Überstunden ihnen wie finanziell vergütet werden.
  • Frauen werden schlechter bezahlt als Männer. Dies wird damit begründet, dass sie angeblich „leichtere“ Arbeit verrichten.
  • Aufseher verhalten sich Frauen gegenüber diskriminierend. Zum Teil werden die Arbeiterinnen sogar beschimpft und geschlagen.
  • Wer krank wird, verliert den Job. Medizin muss selber bezahlt werden. Nur kleinere gesundheitsbedingte Ausgaben werden von einigen Fabriken übernommen.
  • Nach der Geburt von Kindern werden Arbeiterinnen zwar in einigen Fabriken wieder eingestellt, doch verlieren sie ihre Ansprüche aus früheren Zeiten. Sie fangen daher wieder mit einem Anfängergehalt an.
  • Verlässt eine Arbeiterin den Arbeitsplatz bereits nach einem halben Tag, wird dafür ein Tagesgehalt vom Monatslohn abgezogen.
  • Gefiltertes Trinkwasser wird nur in einer Fabrik zur Verfügung gestellt.
  • Einige der Fabriken haben zwar offiziell eine Kantine, doch die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie die Kantinen nicht nutzen können.
  • Kindertagesstätten sind in einigen Fabriken räumlich vorhanden, werden aber nicht wirklich betrieben. Sie sind nur eine Fassade für externe Besucher.
  • Die meisten Befragten haben noch nie etwas von einem Verhaltenskodex gehört.
  • Vor den Kontrollen von Einkäufern werden die Angestellten über deren Besuche informiert und, unter der Androhung des Rauswurfs angewiesen, nicht die Wahrheit zu sagen.
  • Eine Fabrik wurde wegen eines Aufstandes der Beschäftigten für einen Monat geschlossen. Bei Wiedereröffnung wurden die Anführerinnen entlassen. Die ausstehenden Monatslöhne wurden ihnen nicht mehr ausgezahlt.

Keine Arbeitsverträge

Mit Ausnahme von sechs Frauen sagten alle anderen Befragten, dass sie keine Arbeitsverträge oder ähnliche Nachweise der Beschäftigung haben. 68 Personen gaben an, dass sie eine Personalkarte erhalten hätten. Diese wird monatlich neu ausgestellt und dient dazu, die Identität der Arbeiterinnen festzuhalten, und ist gleichzeitig ein Nachweis der Anstellung.

Status der Beschäftigten unklar

Beschäftigte der Bekleidungsindustrie sollten fest angestellt sein und auf einer monatlichen Basis von 30 Tagen entlohnt werden. In Wirklichkeit aber werden sie wie Zeitarbeiter behandelt. Wenn es keine Arbeit gibt, gibt es auch keinen Lohn. Faktisch heißt das, dass sie keine Arbeitsplatzsicherheit wie normale Beschäftigte besitzen. Wenn sie mal krank sind und einen Tag fehlen, wird ihnen dieser Tag vom Lohn abgezogen. Hat die Fabrik keine Aufträge, dann werden die Beschäftigten nicht bezahlt. Wie für Zeitarbeiter üblich, werden sie aber auch nicht nach jedem Arbeitstag, sondern erst am Ende des Monats bezahlt; oft sogar erst im Verlauf des nächsten Monats.

Lange Arbeitszeit

Die Beschäftigten in den untersuchten Fabriken beginnen ihren Dienst um 8 Uhr morgens. Mit Ausnahme von 23 Arbeiterinnen, die eine Regelarbeitszeit von 8 Stunden haben, arbeiten alle anderen länger. 38 Personen gaben an, bis 22 Uhr arbeiten zu müssen. Die Arbeitszeit beträgt so in der Regel zwischen 9 und 14 Stunden, mit einer Stunde Mittagspause. In zwei Fabriken wird an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, in zwei Fabriken wird mal sechs Tage, mal sieben Tage pro Woche gearbeitet. Nur zwei Fabriken halten die 6-Tage-Woche ein. Während des Fastenmonats Ramadan wird in manchen Fabriken von morgens 7 bis abends 20.30 Uhr oder 22.00 Uhr gearbeitet, mit weniger als 2 Stunden Pause. Die Frauen arbeiten also zeitweise 80 bis 100 Stunden die Woche, nach der ILO-Konvention Nr. 1 sind jedoch nur maximal 60 Stunden pro Woche erlaubt.

Unangekündigte Überstunden

Die Arbeiterinnen müssen Tagesziele erfüllen und Überstunden ohne Bezahlung leisten, sollte das vorgegebene Pensum nicht erreicht werden. Fast alle Befragten gaben an, dass Überstunden keine Option, sondern verpflichtend sind. Nur in einer Fabrik kommt es kaum zu Überstunden und wenn, dann werden sie freiwillig geleistet. Die Fabriken informieren die Arbeiterinnen nicht im Voraus, wann sie Überstunden machen müssen. Sie bekommen dies erst am Morgen bei Arbeitsbeginn mitgeteilt. So haben sie keine Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten.

Niedrigstlöhne

Nachdem zwölf Jahre lang der Mindestlohn von der Regierung Bangladeschs trotz Inflation und steigender Lebenshaltungskosten nicht angehoben worden war, kam es im Jahr 2006 zu massiven Protesten. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und der Regierung, wurde der monatliche Mindestlohn auf 16 Euro festgesetzt. Trotz Veröffentlichung des neuen Lohnsystems im Amtsblatt der Regierung haben viele Fabriken dieses immer noch nicht eingeführt. Die Anhebung der Mindestlöhne garantiert allerdings bei weitem nicht die Abdeckung elementarer Grundbedürfnisse. Entsprechend der Aussagen der Befragten benötigt eine vierköpfige Familie zwischen 35 bis 100 Euro pro Monat. Von den untersuchten Fabriken wird in einer der Mindestlohn nicht gezahlt. Nur sieben Befragte gaben einen Monatslohn zwischen 35 und 55 Euro an. Alle anderen Personen nannten einen Lohn zwischen 14,30 bis 29,70 Euro. Die Miete für eine 16-Quadratmeter-Wohnung kostet bereits 9 Euro monatlich. Die aktuelle Verteuerung von Nahrungsmittel bedroht die Existenz der Familien hunderttausender von Arbeiterinnen in der Textilindustrie.

Schlechte Gesundheitsversorgung

Nach Jahren der Arbeit in einer dieser Fabriken sind die Frauen und Männer physisch und psychisch ausgelaugt und erschöpft. Sie leiden an Gliederschmerzen, nachlassender Sehkraft, chronischen Kopfschmerzen und Symptomen von Unterernährung. Arbeiterinnen, die erkranken, müssen unbezahlten Urlaub nehmen. Arbeiterinnen können zwar nach der Geburt eines Kindes wieder in der gleichen Fabrik anfangen zu arbeiten, aber ihre bisherige Zeit in der Fabrik wird nicht angerechnet. In zwei der Fabriken besteht die Regelung, dass Arbeiterinnen, die länger als drei Jahre in der Fabrik gearbeitet haben, drei Monate Mutterschaftsurlaub bei halber Bezahlung erhalten. Auffällig ist, dass die beiden Fabriken des gleichen Besitzers sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen aufweisen.

Diskriminierung und Belästigung der Arbeiterinnen

Mehr als 85 Prozent der Beschäftigten in der bangladeschischen Textilindustrie sind Frauen. Nach Angaben der Befragten stellen Fabrikeigentümer bevorzugt Frauen ein, da diese, im Gegensatz zu den Männern, mehr arbeiten und nicht protestieren. Zudem können sie oft aus Sicherheitsgründen und aufgrund ihrer Unterbringung – sie wohnen häufig bei Verwandten oder mit anderen Näherinnen zusammen – nicht so leicht die Fabrik wechseln. Frauen leisten Überstunden, wie die Fabrik es von ihnen verlangt, und erhalten einen geringeren Lohn als ihre männlichen Kollegen. Die Frauen erdulden diese Diskriminierung, weil sie oft keine Alternativen haben. Es gibt kaum andere Arbeitsplätze für Frauen ohne Schulabschluss – außer die Arbeit als Tagelöhnerin in der Landwirtschaft, Steinklopferin oder als Dienstmädchen, wo sie noch schlechter bezahlt werden. Letztere können sich zudem gegen sexuelle Belästigungen des Hausherrn nicht wehren.

Verbale und physische Diskriminierungen sind häufig. Einige Befragte berichten sogar von Schlägen infolge eines vermeintlichen Fehlverhaltens. Beleidigungen und ein ruppiger Ton durch die Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. In einer der sechs Fabriken allerdings wird solch ein Verhalten von Seiten der Manager angezeigt. Die Befragten berichten darüber hinaus von Entlassungen, die auf entwürdigende Weise abliefen. Frauen sind oft sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Ihre Vorgesetzte versuchen sie mit Gehaltserhöhungen und Beförderung zu locken.

Die offene Diskriminierung gegenüber Frauen wird auch daran deutlich, dass sie oft nur einfache Maschinen bedienen dürfen. Sie schneiden Fäden ab und arbeiten als Helferin oder Näherin. Männliche Kollegen bügeln und bedienen die größeren Maschinen. Frauen werden normalerweise nicht zur Aufseherin ernannt. In den sechs Fabriken gab es nur eine Frau, die diesen Arbeitsplatz innehatte.

Keine Vereinigungsfreiheit, keine Gewerkschaften

In keiner der sechs Fabriken gibt es eine Gewerkschaft oder einen Betriebsrat. Die Angst vor Entlassungen ist so groß, dass die meisten Arbeiterinnen es nicht wagen, sich zu organisieren, und schon gar nicht, öffentlich zu protestieren und ihre Rechte einzuklagen. Fast alle Befragten wünschen sich allerdings eine Gewerkschaft in ihrer Fabrik. 53 Befragte haben in den letzten fünf Jahren an Demonstrationen teilgenommen.

In einer Fabrik organisierte eine Arbeiterin die Belegschaft und erreichte, dass die Arbeit nach einem Brand zügig wieder aufgenommen werden konnte. Hierfür wurde sie allerdings von ihren Vorgesetzten entlassen. In einer anderen Fabrik gab es einen Aufruhr wegen schlechter Bezahlung. Die Anführerinnen wurden entlassen, und der noch ausstehende Lohn der letzten Monate wurde ihnen nicht ausgezahlt.

Verhaltenskodex unbekannt

Nahezu alle befragten Personen haben das Wort „Verhaltenskodex“ noch nie gehört. Jedoch ist ihnen bewusst, dass ihre Fabriken von oder im Auftrag von ausländischen Einkäufern besichtigt werden und diese gelegentlich auch mit ihnen reden. Den Angaben der Befragten zufolge veranstalten die Besitzer der Fabriken während dieser Besichtigungen eine Show. Toiletten werden geputzt. Die Arbeiterinnen werden aufgefordert, zu erklären, dass in ihrer Fabrik keine Kinder arbeiten, dass die Arbeitsatmosphäre angenehm ist und der Lohn pünktlich ausgezahlt wird. Sie sollen außerdem erzählen, dass sie regelmäßig Urlaub erhalten, keine erzwungenen Überstunden leisten und auch nicht nachts arbeiten müssen. Bei Fragen nach ihrem Lohn sollen die Arbeiterinnen einen höheren Lohn als den tatsächlichen angeben. Sehr junge und jung aussehende Arbeiterinnen werden bei Besuchen von Einkäufern gezwungen, dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Bei unangekündigten Besuchen werden sie auf den Toiletten eingesperrt. Die Befragten berichten von Fälle, in denen Arbeiterinnen den Einkäufern die reale Situation darlegten und daraufhin ihren Arbeitsplatz verloren.

Die „Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung“ fordert von Lidl und KiK

Setzen Sie den Verhaltenskodex der „Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung“ bei Ihren Zulieferern um und lassen Sie dies durch eine externe unabhängige Instanz kontrollieren. Verändern Sie Ihre Einkaufspraktiken, so dass Ihre Lieferanten Sozialstandards einhalten können.

Stellen Sie Transparenz her: Nennen Sie Ihre Lieferanten in den Produktionsländern und berichten Sie regelmäßig über die unternommenen Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Sozialstandards müssen in Produktion und Verkauf eingehalten werden, insbesondere: Zahlung existenzsichernder bzw. tariflicher Löhne für alle geleisteten Arbeitsstunden und Organisationsfreiheit der Beschäftigten.


Einkaufspraktiken und ihre Auswirkungen

Diese von den Befragten der Studie genannten Arbeitsrechtsverletzungen sind zum einen im unerfahrenen und schlechten Management lokaler Fabrikbesitzer begründet, zum anderen sind sie die direkte Konsequenz der Einkaufspraktiken der Unternehmen aus Europa und den USA. Doch wie werden eigentlich Aufträge vergeben und welchen Druck üben die Einkäufer aus Deutschland und den anderen Industrienationen auf die Zulieferer in Bangladesch aus?

Der Weg eines Auftrags

Ein Unternehmen wie KiK und Lidl – im Folgenden als Einkäufer bezeichnet – hat seinen Sitz in Deutschland. Es kann seine Aufträge auf unterschiedliche Art und Weise platzieren. Eine Möglichkeit ist, den Auftrag direkt an den Lieferanten in Bangladesch zu vergeben. Das passiert jedoch relativ selten. Eine andere Möglichkeit ist der Weg über einen Importeur. Lidl und Aldi etwa kooperieren vor allem mit Importeuren, von KiK ist das weniger bekannt. Dieser Importeur arbeitet direkt mit einem Fabrikbesitzer in Bangladesch zusammen und erteilt ihm den Auftrag. Oft haben die Importeure sogar eigene Niederlassungen in den Produktionsländern und senden den Auftrag an ihr jeweiliges Landesbüro. Wenn der Einkäufer nicht mit Importeuren zusammenarbeitet, hat er auf jeden Fall eine Vertretung entweder vor Ort oder in der Region. Dieses Büro vergibt letztendlich den Auftrag an eine lokale Fabrik. Die Fabrik wiederum stellt die Ware entweder selber her oder gibt den Auftrag oder Teile davon an eine andere Fabrik weiter, weil sie selbst nicht die bestellte Menge in der gewünschten – oft sehr kurzen – Zeit produzieren kann oder mit anderen Aufträgen ausgelastet ist.

Ungleiche Machtstrukturen prägen Einkaufspraktiken

Dieses System basiert auf ungleichen Machtstrukturen. Die Stärksten – die Einkäufer – stehen oben an der Spitze. Die Schwächsten sind die Angestellten in den Textilfabriken. Einkäufer nutzen ihre gewaltige Kaufkraft, um Lieferanten zu zwingen, schneller, billiger und flexibler zu produzieren.

„Die Preise haben sich in den letzten zehn Jahren halbiert, die Lebenskosten haben sich dagegen verdoppelt“, klagt ein Lieferant. Bei einer im Jahr 2005 durchgeführten Untersuchung von acht Textilfabriken in Dhaka berichten die Fabrikbesitzer, dass die Preise für Kleidung, die das englische Handelshaus Tesco ihnen bezahlt, 5 bis 10 Prozent niedriger sind als drei Jahre zuvor. „Wir können nicht wirklich verhandeln, weil wir Angst haben, dass sie den Auftrag an einen anderen Lieferanten oder an ein anderes Land vergeben“, so ein Fabrikbesitzer.

Viele der internationalen und deutschen Einkäufer nutzen ihre Macht oft schamlos aus. Zum Beispiel kommt es vor, dass sie die Lieferanten nicht mehr um ein Angebot bitten, bevor ein Auftrag vergeben wird. Die Einkäufer geben die Preise und andere Bedingungen einfach vor. Der Lieferant kann diese nur akzeptieren oder den Auftrag ablehnen. Für Verhandlungen ist kein Raum. Aufgrund des enormen Wettbewerbsdruck in den Produktionsländern findet sich immer ein Lieferant, der jeden noch so niedrigen Preis akzeptiert. Der Einkäufer spielt so die Lieferanten gegeneinander aus und bekommt so den günstigsten Preis.

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards ist nur möglich, wenn die Einkäufer dazu gebracht werden ihre Einkaufspraktiken zu ändern. Preise und Lieferzeiten dürfen nicht einseitig diktiert werden. Langfristige, sichere und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten müssen aufgebaut werden. Eine sichere und regelmäßige Abnahme von Waren muss den Lieferanten garantiert werden.

Die „Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung“ fordert von der Bundesregierung

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen haben sich als unzureichend erwiesen, deshalb sind verbindliche, gesetzlich verankerte Unternehmensverpflichtungen notwendig.

  • Unternehmen müssen in einem jährlichen Bericht über die Einhaltung der Menschenrechte und der Normen der Internationalen Arbeitsorganisation in ihren Unternehmen und bei ihren Zulieferern Rechenschaft ablegen.
  • Bei Verletzung der Sozialstandards müssen Sanktionen und Haftungsregeln eingeführt werden.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 4/2008 der Bangladesch-Zeitschrift NETZ zum Thema "Kleider machen Leute - Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie". Die Zeitschrift können Sie in unserer Mediathek bestellen.