Textilindustrie

Bangladesch ist im letzten Jahrzehnt zum zweitgrößten Textilproduzent der Welt aufgestiegen. Nur China produziert noch mehr Textilwaren. Rund vier Millionen Menschen arbeiten in Bangladesch in der Textilindustrie, 90% von ihnen sind Frauen, darunter viele junge Arbeiterinnen im Alter von 15 bis 30 Jahren. Mit einem Anteil von 80% an den Exporten stellt die Textilproduktion einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Die Europäische Union ist der größte Abnehmer der produzierten Textilien. Fachleute prognostizieren ein Anhalten des Wachstums der Branche in Bangladesch in den kommenden Jahren.

Die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in vielen der Produktionsstätten sind jedoch weiterhin äußerst unzureichend. Die Liste der Vergehen internationaler Arbeitsstandards ist lang: Fehlen von Arbeitsverträgen, lange Arbeitszeiten, unangekündigte Überstunden, keine Existenz sichernden Löhne sowie Gesundheits- und Sozialleistungen, Missachtung der Gewerkschaftsfreiheit, fehlende Vorkehrungen zum Brand- und Arbeitsschutz, Diskriminierung und sexuelle Belästigung. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen mit Todesfällen in den Fabriken. Allein beim tragischen Einsturz der Fabrik Rana Plaza in einem Vorort von Dhaka am 24. April 2013 verloren 1.133 Menschen ihr Leben. Viele Opfer warten weiterhin auf Entschädigung.

Trotz der Häufung von Industrieunfällen ist ein Boykott bangladeschischer Textilwaren keine Lösung. Die Existenz von vier Millionen Näherinnen und Nähern und ihrer Familien hängt von der Textilbranche ab. Um sicherzustellen, dass auch den Angestellten die Früchte des Booms zugutekommen, ist die Regierung Bangladeschs aufgefordert, gemeinsam mit den Fabrikbesitzern und den internationalen Auftraggebern für die Einhaltung internationaler Arbeits- und Sicherheitsstandards Sorge zu tragen.