Ressourcenkonflikte


In Bangladesch leben drei von vier Familien in ländlichen Regionen. Knapp die Hälfte der 160 Millionen Einwohner ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Größtenteils sind sie Kleinbauern, die nicht genügend eigenes Land besitzen, um davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Daher müssen sie die Felder reicher Nachbarn bestellen oder sich andere Arbeit suchen, um ihre Familien zu ernähren. Kein anderer Flächenstaat der Welt ist dichter besiedelt als Bangladesch, das gerade einmal doppelt so groß wie Bayern ist. Die Bevölkerung von den Erträgen der eigenen Nahrungsmittelproduktion zu ernähren, ist bereits heute eine immer schwerer zu lösende Aufgabe. Was passiert, wenn im Zuge der Industrialisierung immer weitere Flächen durch neue Großprojekte nicht mehr für die Nahrungsproduktion zur Verfügung stehen? Und die in der Landwirtschaft tätigen Landlosen, von denen viele bereits jetzt zu den Ärmsten gehören, ihre Existenzgrundlage verlieren?  

In mehreren Regionen Bangladeschs protestiert bereits die lokale Bevölkerung lautstark gegen neue Großprojekte, beispielsweise im Dinajpur-Distrikt wo Kohle im offenen Abbau gefördert werden soll. Die Menschen befürchten massive soziale und ökologische Auswirkungen. Sie sind verärgert über die Intransparenz bei der Entscheidungsfindung und über mangelnde Möglichkeiten eigenen Sichtweisen Gehör zu verschaffen. Großprojekte in Bangladesch betreffen meistens die Erschließung und Nutzung natürlicher Ressourcen und die Verwendung von Land. Die Bürger haben hier nur wenig Mitspracherecht. Entscheidungen, die über ihre Köpfe hinweg gefällt werden, sind in den meisten Fällen Entscheidungen über ihre Existenz. 

Die Industrialisierung ist wichtig für die weitere Entwicklung Bangladeschs – es ist aber auch wichtig, dass im Zuge der Durchführung von Großprojekten die Menschen mitgenommen und keine Menschenrechtsverletzungen verübt werden. NETZ setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass bei der Umsetzung von Großprojekten in Bangladesch die Interessen der armen Bevölkerung berücksichtigt werden.