Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung

In der Weltöffentlichkeit wird Bangladesch häufig sehr eindimensional wahrgenommen – den Blick vor allem auf die Herausforderungen gerichtet: als ein Land, in dem Millionen hungern und in dem Naturkatastrophen und Korruption Entwicklung und Wohlstand verhindern.   

Nein, in Bangladesch sind nicht alle Menschen arm. In den Städten gibt es immer höhere Gebäude, zunehmend mehr Autos, Fernsehgeräte und Handys. Selbstverständlich gibt es viele hoch gebildete Menschen, einige private Krankenhäuser nähern sich westlichen Standards. Das Land hat seit der Unabhängigkeit im Jahr 1971 viel erreicht. Der Zugang zu Grundbildung wurde verbessert, die Kindersterblichkeit signifikant reduziert und demokratische Institutionen gestärkt. Medien und Zivilgesellschaft haben die wichtige Funktion inne, staatliches Handeln zu kontrollieren. Unternehmensgründer haben zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Teile der Wirtschaft schaffen den Anschluss an die globalen Märkte. Die Wirtschaft wächst konstant jährlich um 5-6%. 

Doch kann Bangladesch allein aufgrund eines stabilen Wirtschaftswachstums alle Probleme lösen? Wohl kaum. Dafür taugt schon allein das Bruttoinlandsprodukt als Maß für die wirtschaftliche Leistung und als Indikator für Wohlstand nicht. Darin werden alle in einem Jahr produzierten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft addiert. Ob aber das Wachstum jeden Einzelnen wohlhabender macht, misst es nicht. So haben von den Wachstumsraten in Bangladesch in den letzten Jahren vor allem die einkommensstärksten 10% der Bevölkerung profitiert, der Anteil der einkommensschwächsten 40% am Volkseinkommen ging gar zurück. 

Um Wohlstand zu messen, müssen auch Aspekte wie der Zugang zu Gesundheit, politisches Mitspracherecht, die Qualität der Regierungsführung, soziale Beziehungen und der Grad der wirtschaftlichen und physischen Unsicherheit berücksichtigt werden. Wenn Bangladesch wirtschaftliche Rekord-Wachstumsraten erzielt, bestehende Machtstrukturen den Ärmsten aber Zugang zu Ressourcen, Rechten und Dienstleistungen verwehren, wird Armut in Bangladesch nicht nachhaltig reduziert werden. Staatliche Großprojekte, die zu massiven sozialen und ökologischen Schäden führen, generieren zwar Wirtschaftswachstum, produzieren möglicherweise aber auch Armut.  

Mehr und mehr Menschen gelingt es, sich unter größten Anstrengungen aus der Armut herauszuarbeiten. Trotzdem schaffen es längst nicht alle, sich aus der Armut zu befreien. Viele bekommen niemals die Möglichkeit dazu. Sie haben kaum etwas zu essen, sind chronisch unterernährt. Der Zugang zu Gesundheitsleistungen bleibt ihnen versperrt. Häufig sind sie Gewalt ausgesetzt. Ihre Kinder können nicht zur Schule gehen. Extreme Armut ist brutal. Für über 30 Millionen Menschen ist sie Realität. Die Regierung des Landes tut zu wenig, um dies zu ändern. Globale Entwicklungen wie das Ansteigen der Nahrungsmittelpreise oder der Klimawandel verschlechtern die Situation.  

Bangladeschs Erfolge müssen wertgeschätzt werden, aber es bedarf weiterer Anstrengungen um die Armut nachhaltig zu bekämpfen. 

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Dagmar Schwarze-Fiedler

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Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-10

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