Dalits in Bangladesch

Früher hießen sie „Unberührbare“, heute nennen sie sich selbst Dalits. Diese Bezeichnung spiegelt das erwachte Selbstbewusstsein einer seit Jahrhunderten sowohl sozial und politisch als auch kulturell und ökonomisch ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe in Südasien wider. Schätzungen zufolge leben in der Region 180 bis 200 Millionen Dalits. Die Situation der Dalits und ihr gewaltfreier Kampf für mehr Rechten rückt in Bangladesch, in Südasien und international immer weiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Doch wer sind die Dalits? Der Begriff „Dalit“ ist eine Selbstbezeichnung jener Bevölkerungsschicht in Südasien, die ehemals als „Unberührbare“ oder „Harijan“ („Kinder Gottes“, so die grobe deutsche Übersetzung der Namensgebung durch Mohandas K. – genannt Mahatma – Gandhi) bezeichnet wurde. Der Begriff geht auf Jyotiba Phule, den Vater der indischen Sozialrevolution, zurück und fand vor allem durch den indischen Juristen und Sozialreformer B.R. Ambedkar seit den 1920er Jahren Verbreitung. Er steht für das erstarkte Selbstbewusstsein dieser Bevölkerungsgruppe, ihren Widerstand gegen soziale und politische Diskriminierung und wirtschaftliche Ausbeutung sowie einen identitätsstiftenden Oberbegriff für verschiedene gesellschaftliche Untergruppen, die aufgrund ihrer Tätigkeit oder Abstammung diskriminiert werden. Entweder werden ihre Tätigkeiten von der Mehrheitsgesellschaft als „unrein“ betrachtet, wie etwa Latrinen- und Straßenreinigung, Abdeckung toter Tiere, oder sie gehören einer sozial ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe, beispielsweise den so genannten „Kastenlosen“ oder der Gruppe der muslimischen Flussnomaden der Bede, an.

Traditionell werden die Dalits als Teil der hinduistischen Bevölkerung betrachtet. In Bangladesch, wie auch in Indien, durchdringt diese Form der sozialen, politischen und ökonomischen Ausgrenzung auch die muslimische und christliche Gemeinschaften. In Bangladesch leben Schätzungen zufolge zwischen 3,5 bis 5,5 Millionen hinduistische, muslimische und christliche Dalits. Sie leben in allen Landesteilen Bangladeschs. Seit 2009 werden auch Dalit-Familien in das NETZ-Projekt Ein Leben lang genug Reis aufgenommen.