"Bedürfnisse erkennen"

Menschen mit Behinderung nehmen an NETZ Projekten teil

Viele Menschen mit Behinderung sind in Bangladesch von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. In Schulen und in der Arbeitswelt ist Inklusion noch immer ein kaum beachtetes Thema. Staatliche Sozialleistungen für Menschen mit Behinderung sind selten ausreichend, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Oft sind die Zahlungen aufgrund von Korruption und Mängeln in der Verwaltung ohnehin fehlgeleitet. Den meisten NGOs fehlt es an Know-How und Bewusstsein für die Situation von Menschen mit Behinderung, um sie in ihre Entwicklungsprogramme aufzunehmen. Für die Betroffenen hat das in vielen Fällen schlimme Folgen: Sie sind in Bangladesch deutlich häufiger von extremer Armut bedroht.

Da NETZ es sich zur Aufgabe macht, mit den Ärmsten der Bevölkerung Bangladeschs zusammenzuarbeiten, nehmen auch Menschen mit Behinderung an den Projekten teil.


Hunger überwinden

Im Projekt "Ein Leben lang genug Reis" werden die ärmsten Frauen unterstützt, damit sie für sich und ihre Familien dauerhaft Einkommen erwirtschaften können. Sie erhalten dafür Startkapital, beispielsweise in Form von Kühen, Ziegen, Saatgut oder einer Rikscha.

Darüber hinaus gründen sie Dorfgruppen als Plattform für wöchentliche Treffen und gegenseitige Unterstützung. Menschen mit Behinderung sind gleichwertige Mitglieder in den Gruppen. Je nach ihren Fähigkeiten bekommen sie ein Startkapital. Darüber hinaus ist es wichtig, dass ihre besonderen Bedürfnisse erkannt werden und diesen Rechnung getragen wird. Hierfür arbeitet NETZ mit Handicap International zusammen. Die Organisation setzt sich weltweit für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ein. Sie wurde 1982 gegründet und ist derzeit in etwa 60 Ländern tätig. Seit 1997 arbeitet Handicap International in Bangladesch. Das primäre Ziel ist, lokale Organisationen durch Schulungen und technische Unterstützung zu stärken, damit sie eigenständig für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung aktiv werden können. Mit NETZ arbeitet Handicap International in Bangladesch seit 2010 zusammen.

Erfahrene Mitarbeiter von Handicap International besuchen alle Teilnehmerinnen des NETZ-Projekts oder ihre Familienmitglieder, die eine Behinderung haben. Sie erfassen den individuellen Bedarf und leiten die angemessene Unterstützung in die Wege: das können Rollstühle oder Gehhilfen sein, Hörgeräte oder auch notwendige Operationen.

Bildung für alle
In Bangladesch haben drei Millionen Mädchen und Jungen nicht die Möglichkeit, einen Grundschulabschluss zu machen. Betroffen sind meist Kinder marginalisierter Bevölkerungsgruppen, beispielsweise aus extrem armen Familien oder indigenen Gruppen. Die Situation von Kindern mit Behinderung ist besonders prekär. UN-Angaben zufolge gehen 90% von ihnen gar nicht zur Schule. Bei Umfragen zur Erfassung schulpflichtiger Kinder in Bangladesch wurden sie lange erst gar nicht erfasst. Im Grundbildungsprojekt von NETZ bekommen sie die Möglichkeit, eine Grundschule zu besuchen. Die Lehrkräfte und Mitarbeitenden der Partnerorganisationen erhalten zu Projektbeginn ein speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung zugeschnittenes 3-tägiges Training. Bei Auffrischungskursen werde Inhalte vertieft. Ein Fonds ermöglicht den Erwerb von notwendigen Instrumenten wie Hörgeräten oder Gehhilfen. Beim Bau von neuen Schulgebäuden wird auf einen barrierefreien Zugang geachtet. Die Partnerorganisationen und NETZ arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung der Integration von Kindern mit Behinderung, unter Beratung von Handicap International.

Oftmals ist es ein langer Weg, Familien davon zu überzeugen, dass auch Kinder mit Behinderung die Schule besuchen sollen. Ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein, dass auch sie ein Recht auf Bildung haben, ist in Bangladesch noch nicht vertieft. Der Prozess des Umdenkens ist langwierig, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen. Ein wichtiges Element in den Projekten von NETZ ist es, die Mitarbeitenden und Lehrkräfte zu schulen und für die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. Im Vordergrund steht dabei stets, die Grundlage dafür zu schaffen, dass niemand ausgeschlossen wird und Menschen mit Behinderung gleichberechtigt an Entwicklungsprozessen partizipieren können.