Das Land


BANGLADESCH
ist mit einer Bevölkerung von über 160 Millionen Menschen auf einer Fläche von nur 148.460 qkm - d.h. etwa der doppelten Größe Bayerns - der Flächenstaat mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt (1.145 Menschen je qkm).

Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist gesunken, doch angesichts der begrenzten natürlichen Ressourcen des Landes viel zu hoch. Für das Jahr 2030 geht die Weltbank von annähernd 200 Millionen Menschen aus.

Der größte Teil des Landes liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Die Mündungsarme der Flüsse Jamuna, Ganges und Meghna, die das Schwemmlanddelta durchziehen, verursachen häufig Überschwemmungen, die im Frühjahr und Spätsommer durch tropische Wirbelstürme, verbunden mit hohen Flutwellen im Küstenbereich, zu Katastrophen führen können.

Zweidrittel der Bevölkerung leben auf dem Land und sind vorwiegend von der kleinbäuerlichen Subsistenzlandwirtschaft abhängig. Die Verteilung des Landes ist ungleich, die unteren 40% aller Haushalte besitzen nur 3% der Landfläche. Die Landwirtschaft stellt mit einem Anteil von 20% des Bruttoinlandsproduktes in der Bedeutung für die Wirtschaft des Landes einen abnehmenden Sektor dar.

Der öffentliche Sektor, zum Teil hochdefizitäre staatseigene Betriebe sowie eine zentralistische und schwerfällige staatliche Verwaltung, stellt ein Entwicklungshemmnis eigener Art dar. Er zeichnet sich durch die Fehlverwendung von Ressourcen, deren anderweitiger Einsatz für die Entwicklung des Landes viel sinnvoller wäre, und geringe Effizienz aus und gilt weitgehend als korrupt.

Das Land zählt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 1.080 US-Dollar (Stand: 2014) im Jahr zu den ärmsten der Welt. Der Anteil der Menschen, die unter der Armutsschwelle (Pro-Kopf-Einkommen von unter 1,25 US-Dollar pro Tag) leben, betrug 2012 nach Angaben der UN 31%. Dies ist zwar eine leichte Abnahme gegenüber den Vorjahren, bedeutet aber angesichts des Bevölkerungswachstums letztlich einen Anstieg der absoluten Zahl der Armen. 16,4% der Bevölkerung müssen als extrem arm bezeichnet werden - sie leben mit weniger als 1.805 kcal Nahrung pro Tag und sind von Entwicklungserfolgen weitgehend ausgeschlossen.

Frauen sind aufgrund repressiver Traditionen, wirtschaftlicher Abhängigkeit, Analphabetismus und rechtlicher Zurücksetzung durchgängig benachteiligt in den Familien, im öffentlichen Leben und im politischen Raum. Es gibt zwar eine Reihe von Gesetzen zum Schutz der Frau - z.B. gegen Kinder-Ehe, Mitgift und Polygamie - aber diese werden nicht konsequent angewandt.

Die Menschenrechtslage ist weiterhin nicht befriedigend. Der Staat schützt Angehörige von Minderheiten oder Journalisten nur unzureichend vor Übergriffen durch gewalttätige Gruppen. Das Rechtssystem funktioniert höchst unzureichend. Vor allem Frauen und Landlose sind die Leidtragenden direkter und indirekter Gewalt in Bangladesch, bei Landkonflikten, Kidnapping, Fatwas, Mitgiftforderungen. Doch nur die wohlhabende Bevölkerung kann Gerichte in Anspruch nehmen. Die überwältigende Mehrheit der armen Menschen sind der Willkür der Behörden und der Besitzenden ausgeliefert. Diese Mechanismen der Ausübung von Macht tragen dazu bei, dass die untere Bevölkerungsschicht in Armut gehalten wird.