Der Klimawandel und die Folgen

Auf dem "Nachhaltigkeitssofa" im Rahmen des hessischen Nachhaltigkeitstages in Wetzlar unterhielt sich NETZ-Bildungspromotorin Lena Boeck mit Journalistin Renée Herrnkind über das Thema "Global denken. Lokal handeln". Mit weiteren Mitgliedern des Arbeitskreises Bildung hat Lena die Methodensammlung "Klima und Gerechtigkeit" entwickelt. Sie spricht über den Freiwilligendienst, entwicklungspolitische Bildung und warum es wichtig ist, über den Klimawandel und dessen Folgen zu informieren.

Was fasziniert Dich am Thema Klimagerechtigkeit?

Durch meine Arbeit bei NETZ Bangladesch wurde ich im letzten Jahr täglich mit dem Thema "Nachhaltigkeit" konfrontiert. Dies kommt von meiner momentanen Mitarbeit an einer Methodensammlung zum Thema "Klima und Gerechtigkeit". Im Rahmen der Arbeit dazu erfuhr und erarbeitete ich viel Wissen und konnte dieses auf Bildungsveranstaltungen und Workshops teilen und ausreifen.

Gleichzeitig und unabhängig von meiner Arbeit bei NETZ verstehe ich mich als Individuum der Gesellschaft, das Verantwortung für unsere Umwelt trägt und sich persönlich mehr Nachhaltigkeit für sie wünscht

Was macht NETZ als Organisation in Deinen Augen so besonders, dass Du dich ehrenamtlich engagierst?

Wir glauben, dass jeder Mensch wertvoll ist und in Würde leben soll. Armut, Hunger und Unrecht berauben jedoch Millionen Menschen ihrer Potenziale und ihrer Lebenszeit. Wenn Kinder nicht in die Schule gehen, verlängert sich diese Form von Gewalt in die nächste Generation. Das akzeptieren wir nicht - weil wir Menschen sind. Unsere ganze Leidenschaft gilt dem wirksamen Einsatz gegen Armut in Bangladesch. Dabei setzen wir auf die Fähigkeiten der Menschen und ihre Selbstbestimmung. Armut ist von uns Menschen gemacht und kann von uns Menschen beseitigt werden.

Auch in Bezug auf das Thema Klima und Klimawandel ist NETZ Bangladesch auf Grund der jüngsten Vorkommnisse vor Ort sehr aktiv. Denn durch die Erderwärmung steigt die Verdunstungsmenge an Wasser im Indischen Ozean in den letzten Jahren immer mehr. Im Monsun regnen diese Wassermassen an den Hängen des Himalayas ab und die Flüsse im Norden Bangladeschs schwellen dadurch wesentlich stärker an als in früheren Jahrzehnten. Die diesjährige Flut hat die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört, vor allem in Dörfern, in denen NETZ bisher nicht tätig war. Als Verein möchten wir deshalb möglichst vielen Menschen ein Startkapital zur Verfügung stellen, sodass sie sich eine Existenz aufbauen können.

Die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu Bangladesch in Deutschland bildet den zweiten Schwerpunkt der Vereinsarbeit. NETZ führt Vortragsveranstaltungen und Tagungen durch und veranstaltet Begegnungsprogramme mit Schlüsselpersonen bangladeschischer NGOs in Deutschland, um auf die Ungerechtigkeiten im Nord-Süd-Verhältnis und Fehlentwicklungen in den Ländern des Südens aufmerksam zu machen.

In Klimafragen bleibt der Begriff der "Nachhaltigkeit" zentral, für viele Menschen jedoch ist er wenig greifbar. Wie würdest Du aus Deinem eigenen Erfahrungschatz heraus Nachhaltigkeit verstehen wollen?

Als aktive Bildungsreferentin besteht für mich sehr viel Kontakt, besonders zu jungen Menschen. Meiner Meinung nach sollte man mit dem Thema Nachhaltigkeit auch genau bei dieser Zielgruppe ansetzen. Diese jungen Leute sind in ihrem Alter in ihren Verhaltensweisen noch sehr beweglich und sind gleichzeitig die Verkörperung unser aller Zukunft. Genau dieses Prinzip ging bisher auch immer auf: wir erhielten stets Rückmeldungen wir: "Ich habe bemerkt, dass ich aktiv werden kann."

Ich habe auch oft erkannt, wie wichtig es ist, Verknüpfungen zwischen unserem Verhalten und dem Fortschreiten des Klimawandels zu nennen. Besonders junge Menschen werden durch das Aufzeigen dieser oftmals sehr direkten Verbindungen leicht zu einem Umdenken motiviert.

Im Schulalltag werden solche Themen oft angeschnitten, leider fehlt jedoch die nötige Zeit, um sie zu vertiefen und konkrete Handlungsoptionen zu erarbeiten. Genau darin sehen wir als Arbeitskreis Bildung letztendlich unsere Aufgabe und stoßen bei ihrer Umsetzung durchweg auf positive Reaktionen.

Meine persönliche und NETZ-unabhängige Einschätzung ist die, dass wir mehr miteinander sprechen sollten. Ich sehe, besonders im Alltag, Kommunikation als eine Art Schlüssel. Wenn wir unsere Ideen zum nachhaltigen Verhalten miteinander teilen, können wir uns gegenseitig zu Neuem anregen. Aus genau solchen Gesprächen ziehe auch ich meine persönliche Motivation.

Vielen Dank bis hier hin für diese spannenden Einblicke Lena! Um uns einen noch tiefergehenden Einblick zu gewähren, möchte ich Dich bitten, die folgenden Sätze frei heraus zu komplettieren.

Die größten Herausforderungen bei meiner Arbeit sind...

...nicht zu viel zu wollen! Gerade bei gesellschaftlichen Themen wie diesen sollten wir nie zu viel erwarten. Beispielsweise gehe ich während der Durchführung eines Workshops nie davon aus, dass die jungen Menschen nach unserer gemeinsamen Zeit nur noch Fahrrad fahren, Flüge vermeiden, Second-Hand kaufen und durchweg zu Veganer_innen werden.

Aber trotzdem bin ich immer sehr zufrieden damit, wenn ich Rückmeldungen darüber bekomme, dass ich in den letzten Stunden einen Denkanstoß bewirken konnte. Dass Menschen ihr eigenes Verhalten Reflektieren, sich mit Freunden und Familie austauschen und vielleicht gemeinsam im Kleinen beginnen, ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten, ist ein toller Anfang und kann weit führen.

Die besten Entwicklungen dafür sehe ich bei...

...NETZ ganz klar in unserer aktiven Bildungsarbeit, die sich auch in der momentanen Erstellung der Methodenmappe äußert. Mit dieser machen wir das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit für jeden ganz leicht zugänglich und verständlich. Natürlich hoffen wir, durch die Methoden eine breite Masse an Menschen treffen zu können und auch Menschen, die eben nicht einer unserer Bildungsveranstaltungen beiwohnten, für das Thema zu sensibilisieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in Eigen-Regie damit auseinander zu setzen.

Vom NETZ-Kontext weg sehe ich aber auch sehr viele positive Entwicklungen der letzten Zeiten. Food-Sharing und das Nutzen des Fahrrads sind gerade in großen Städten mittlerweile sehr verbreitet und bieten angenehme Handlungs-Möglichkeiten. Auch die Tatsache, dass es immer mehr Plattformen gibt, auf denen, wie zum Beispiel auch heute, sich Menschen austauschen können und sich gemeinsam zu dem Thema beraten, stimmt mich sehr positiv.

Meine Aufgabe sehe ich vor allem in...

...der Anregung zur gegenseitigen Kommunikation. Im NETZ-Kontext natürlich auch darin, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, was der Klimawandel in Bangladesch verursacht. Immerhin ist Bangladesch ein Front-Staat des Klimawandels, obwohl das Land mit seinem geringen CO2-Ausstoß fast nichts zur Erderwärmung beiträgt. Mehr als 500.000 Menschen mussten zur Zeit der Fluten im Sommer ihre Häuser verlassen und fanden Zuflucht in Notunterkünften. 106 Menschen starben. Das ist alles andere als gerecht.

Was ich auf jeden Fall erklären möchte...

Ich würde den Zuhörer_innen gerne eine Methode erklären, die wir oft in Workshops verwenden und die auch zu unserer Methodensammlung gehört. Sie nennt sich "der ökologische Fußabdruck" und besteht aus einem Fragebogen, anhand dessen errechnet werden kann, wie nachhaltig bzw. wie wenig nachhaltig wir leben. Anhand von Informationen über die Größe unserer Wohnung, unser Nutzen von elektrischem Strom und so weiter kann später berechnet werden, wie viele Erden benötigt würden, wenn alle Menschen denselben Lebensstil wie die befragte Person hätten. Ich habe es selten erlebt, dass nach der Berechnung nur eine Erde benötigt wurde. Deutschland zum Beispiel verbraucht zurzeit 2,5 Erden. Bangladesch verbraucht 0,6.

Wenn Sie neugierig sind und gerne Ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck berechnen möchten, dann schauen Sie beim NETZ-Stand vorbei, dort liegen die Fragebögen aus.

Die anderen Teilnehmenden/Zuhörerenden würde ich gerne fragen,...

...welche Vorschläge kommen Ihnen, wenn Sie überlegen, wie man sich nachhaltiger verhalten kann?

Wenn ich mir etwas von den Zuhörenden wünschen dürfte, ...

... wäre dies, dass Sie ihr Interesse an Veranstaltungen wie heute nicht verlieren und vor allem: darüber sprechen. Erzählen Sie Ihren Freunden davon, was Sie heute erfahren konnten und was Sie faszinierte. Regen Sie auch ihre Bekannten dazu an, sich umweltbewusster zu verhalten und stoppen Sie mit dem Denken nicht bei sich selbst - überlegen Sie welche Folgen ihr Verhalten, zum Beispiel in Bangladesch, haben kann und führen Sie sich vor Augen, was es bewirken kann, einmal mehr den Zug zu nehmen, einmal mehr auf die weite Flugreise zu verzichten und einmal mehr den Gemüseauflauf dem Steak vorzuziehen.

Kontakt

Sabrina Syben

Teamleiterin für Spender-Dialog
syben@remove-this.bangladesch.org
Tel.: 0 64 41 - 9 74 63-10

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