Ergebnisse der NETZ-Studie zum Preisanstieg

Seit dem Jahr 2007 verzeichnet Bangladesch einen gravierenden Preisanstieg nahezu aller Lebensmittel und Konsumgüter. Dieser Anstieg erschwert die Lebensbedingungen vieler Bangladeschis. Immer mehr Menschen sind von Armut bedroht. Die Situation extrem armer Haushalte ist besonders prekär. Aufgrund dieser Entwicklung hat NETZ in Zusammenarbeit mit vier lokalen Partnerorganisationen im Frühjahr 2008 eine Studie durchgeführt, um die Auswirkungen der aktuellen Preissteigerung auf die Gruppe extrem armer Menschen besser zu verstehen und dann angepasste Maßnahmen ergreifen zu können. Im Folgenden werden die wichtigsten Erkenntnisse kurz zusammengefasst.

Für die Datenerhebung wurden in vier Distrikten 213 Haushalte befragt und 14 Gruppendiskussionen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von NETZ geförderten Projekten geführt. Der Fokus lag auf der Erfassung der Situation von Frauen, Adivasi und Bewohnern von Schwemmlandinseln. Knapp 50 Prozent der Befragten waren Tagelöhner.

Nahezu alle wichtigen Grundnahrungsmittel wie Reis, Linsen, Gemüse, Gewürze, Öl und tierische Produkte verteuerten sich drastisch im oben genannten Zeitraum. Zudem stiegen die Preise für Kleidung, Seife, Kerosin und Haushaltsgegenstände. In Rangpur kostet das Kilogramm Reis zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 32 bis 35 Euro-Cent. Ein Jahr zuvor mussten man dafür nur 21 bis 23 Cent zahlen. Der Preis für Weizen verdreifachte sich von 10 bis 12 Cent auf 28 bis 30 Cent. Zwar stiegen die Tageslöhne in der Landarbeit im selben Zeitraum durchschnittlich um 20 bis 30 Cent. Bei weitem aber nicht in einem ausreichenden Maße, um den Druck der Preissteigerung auszugleichen.

Viele arme Menschen haben daher Kredite aufnehmen müssen. Die Betroffenen der Nahrungsmittelkrise müssen ihr Essverhalten stark einschränken. Mehl und Linsen verschwinden immer öfter vom Speiseplan; Fisch, Fleisch, Öl und Zucker werden kaum noch konsumiert. Knapp 24 Prozent der Befragten sagten beispielsweise, dass sie gar keine Linsen mehr essen; im Vorjahr waren es noch weniger als 5 Prozent gewesen. Viele gaben an, mindestens eine Mahlzeit pro Tag weniger zu sich zu nehmen. Neben dem Verzicht auf Nahrung muss ein Großteil der Befragten (98 Prozent) zudem bei Kleidung, Haushaltsgegenständen und Medizin sparen. Unterernährung und Krankheiten sind die am häufigsten genannten Folgen dieses eingeschränkten Konsumverhaltens.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 3-2008 der Bangladesch-Zeitschrift NETZ zum Thema "Hunger - Nahrungsmittelkrise Bangladesch". Die Zeitschrift können Sie in unserer Mediathek bestellen.

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