Entwicklungspolitik  

Die Regierung Bangladeschs hat sich das Ziel gesteckt, bis zum Jahr 2021 ein Land mittleren Einkommensniveaus zu werden. Extreme Armut soll es dann nicht mehr geben. Das Ziel der Vereinten Nationen, den Anteil der Armen an der Bevölkerung im Zeitraum von 1990 bis 2015 zu halbieren, wird wohl erreicht werden – ebenso wie auch einige andere Millenniumsziele der Vereinten Nationen.  

Trotz dieser positiven Entwicklungen nimmt jedoch die absolute Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen in Bangladesch kaum ab. Seit Jahren sind es knapp 30 Millionen Menschen. Fast die Hälfte der Kinder ist unterernährt – viele so schlimm, dass sie für ihr ganzes Leben schwere Schäden davontragen. Eine von fünf Frauen bekommt dauerhaft nicht genügend zu essen. Auf dem Index der menschlichen Ent­wick­lung belegt Bangladesch einen Platz im hinteren Viertel der 187 untersuchten Staaten. Das Land gehört damit weiterhin zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.  

Während sich der Wohlstand der Reichen in den letzten Jahren deutlich erhöht hat, haben die Armen weit weniger vom wirtschaftlichen Wachstum profitiert. Die in extremer Armut lebenden Menschen haben häufig sogar Verschlechterungen ertragen müssen. Das soziale Sicherungs­system ist noch zu schwach ausgebildet, um gegen die wachsende Ungleichheit vorzugehen. Auch haben lang nicht alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu Informationen über die staatlichen Sozialprogramme. Klientelismus und Korruption verhindern, dass die staatlichen Programme die benachteiligten Gruppen wie extrem Arme, indigene Gruppen und religiöse Minderheiten wirksam erreichen. Da diese Gruppen häufig mehr als vier Fünftel ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel ausgeben, sind sie von den extremen Preisanstiegen wie zuletzt 2011 besonders betroffen (siehe NETZ-Studie zum Preisanstieg).  

Der Klimawandel und die damit einhergehende Zunahme von Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen erschweren die Bemühungen zur Überwindung der Armut in Bangladesch zusätzlich. Angesichts der knappen Verfügbarkeit von Land sind es vor allem sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen, die auf überschwemmungs­gefährdeten Land siedeln und damit besonders verwundbar sind gegenüber den Klimaänderungen. Hinzu kommen die zunehmenden Auseinandersetzungen um die knappen natürlichen Ressourcen. Unternehmen, einheimische wie ausländische, setzen ihre Profitinteressen durch. Die Politik und das Rechtssystem schützen die Rechte der Bevölkerung in der Regel nicht.  

Weiterführende Links  

Informationen zu Bangladesch der Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen
http://www.bd.undp.org/content/bangladesh/en/home/countryinfo/  

Human Development Report
http://hdr.undp.org/en/countries/  

Ernährungssicherung und soziale Sicherung im Fokus – Beitrag der Leiterin des Welternährungsprogramms in Bangladesch (NETZ-Zeitschrift 2/2012, S. 17-18)  

Extreme Armut überwinden – Kommentar von Ingo Ritz (NETZ Zeitschrift 2/2011)